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Medienpolitik mit dem Trio Eugster

Matthias Ackeret

«Söll emol cho!», schrie 1977 ein verzweifelter Thurgauer Rentner in die versteckte Teleboy-Kamera. Das Trio Eugster adaptierte den Spruch und machte daraus einen Volkshit – mit ungewohnter Nachhaltigkeit. «Söll emol cho!» ist schon jetzt das Leitmotiv des Jahres. Gemeint sind die Staatsmillionen aus Bern: über 100 Milliarden Franken – also fünf Mal die Neat – sind bereits gesprochen, über 100 Millionen sollen den notleidenden Medien zugutekommen, einer Branche also, die Staatsunabhängigkeit zu ihrer DNA hochstilistiert hat.

Um mit den Worten Eugsters zu singen: «E suuberi Sach». Freuen dürfen sich dabei eigentlich alle, das heisst einige: die Tageszeitungen, die Wochenzeitungen, die Privatradios, das Privatfernsehen und einige Onlinemedien. Dass Gratiszeitungen, Magazine und viele Kleinverleger – wie der beispielsweise persönlich-Verlag – beim Berner Geldsegen leer ausgehen, gehört zu den Ungerechtigkeiten des Systems. Dabei wäre gerade die Subventionierung der Posttaxen ein ideales Mittel, um eine Form von Gerechtigkeit zu erzielen. Doch der Eugstersong der Nichtberücksichtigten verhallt in Bern unerhört: «Mueter gimmer es Butterbrot.»

Dafür bekommt die SRG – so en passant – noch 50 Millionen Franken zugesprochen, quasi als Solidaritätsbatzen in schwierigen Zeiten. Mit einem Eugsterhit wohl klopfte die Medienministerin bei den SRG-Bossen an: «Dörfs es bitzli meh si?» Eigentlich sind Staatsgeld und staatliche Unabhängigkeit wie Feuer und Wasser. Doch in diesen Zeiten interessiert dies keinen. Das Trio Eugster ahnte schon immer: «Es muess än Virus si.» Haben die drei Dübendorfer für ihre eigene Systemrelevanz je einen Staatsbatzen bekommen? Finanzministers Maurers Antwort wäre klar: «Oh läck du mir.»

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