BLOG

Roger Köppel und Steve Bannon: News generieren statt rapportieren

Man muss jemanden nicht mögen, um ihm Talent in einer bestimmten Sparte zu attestieren. Ironischerweise sind meist diejenigen Leute mit besonderen Talenten beschenkt, die polarisieren und an denen viele Leute deshalb kein einziges gutes Haar lassen wollen. Zu ihnen gehört auch «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. Unbesehen von seinem Produkt und seiner politischen Arbeit darf man feststellen: Köppel hat ein ganz wichtiges Element modernen Medienschaffens erkannt und setzt es um. Es heisst: News kann man selbst generieren, statt nur die News anderer Leute zu rapportieren.

Erst gerade ist ihm das wieder gelungen, indem er den einstigen Trump-Intimus Steve Bannon nach Zürich eingeladen hat. Hurraschreie hüben, entsetztes Aufheulen drüben: Die Reaktionen auf die Ankündigung waren so vorhersehbar wie Reden am 1. August. Natürlich dient der Event Köppels Gegnern, um ihr Bild vom Rechtsaussen-Verleger zu zementieren. Was nicht ganz fair ist, denn der SVP-Nationalrat würde der Publizität Willen vermutlich auch Stalin einladen, wenn der noch leben würde.

Unabhängig vom personellen Setting kann man feststellen, dass kaum ein anderes Medium heute noch versucht, Ereignisse zu kreieren, statt nur über sie zu schreiben. Natürlich kann man finden, dass sei nicht die Aufgabe einer Zeitung. Aber eine der wichtigsten Figuren der amerikanischen Zeitgeschichte live zu hören, ist durchaus ein Beitrag zur Meinungsbildung – und diese schreiben sich die meisten Medien als Auftrag immer noch zu. In den durchaus nicht nur goldenen Zeiten der einstigen Parteiblätter gab es viel mehr vergleichbare Aktionen. Seit dem Übergang zu den «Forumszeitungen» scheint es niemand mehr zu wagen, mal selbst «eine Sau durchs Dorf zu treiben», wie eine hübsche Redensart sagt.

Nun kommt Bannon am 6. März nach Zürich, der genaue Veranstaltungsort bleibt noch geheim. Auch das ist ein hübsches Detail, das der Legendenbildung dient. Vor, während und nach dem Event werden wir noch viel darüber lesen. Und auch darüber, wer den umstrittenen Anlass möglich gemacht hat. Roger Köppel wird damit weder neue Freunde gewinnen noch neue Feinde schaffen, die Meinungen über ihn sind ohnehin gemacht. Aber die «Weltwoche» erhält eine Plattform weit über die eigenen Seiten hinaus. Mission erfüllt.



Stefan Millius ist geschäftsführender Partner der Kommunikationsagentur insomnia GmbH und der Ostschweizer Medien GmbH in St.Gallen.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen