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Oralsex am Wanderschuh – ist das wirklich nötig?

Wie reinigt man einen Wanderschuh? So, wie man den Penis eines Mannes befriedigt: Man spuckt drauf. Dies ist zu sehen in einem Instagram-Video des Outdoorartikel-Geschäfts Transa. Und viele Männer in der Kommentarspalte finden das toll. Natürlich sieht man nicht den eigentlichen Akt im Transa-Video. Unnötig ist dieser wohl lustig gemeinte Beitrag trotzdem.

Alles fing damit an, dass ein YouTuber in der USA Frauen dazu interviewte, wie man Männer im Bett so um den Verstand bringe. Eine Frau antwortete: «Du musst ihm das hawk tuah geben und auf das Ding draufspucken.» Unter dem Hashtag #hawktuah geht das Video dieser Frau nun viral in den Sozialen Medien. Und wie es das Wesen eines Social-Media-Trends in sich hat, greifen andere Leute das Video auf und bauen es in ihren eigenen Content ein.

Auch der Schweizer Outdoorartikel-Verkäufer Transa kreierte folgendes Video: Ein Mann kommt mit einem Wanderschuh in ein Transa-Geschäft und steuert den Kundenservice an. «Hallo, ich wollte fragen, wie ich meine Wanderschuhe am besten pflegen kann.» Die Antwort kennen Sie. Danach schaut der Mann etwas verstört. In der Caption steht: «Die neue Mitarbeiterin bei uns im Kundenservice weiss Bescheid.» Die Hashtags: #hawktuah #hawk #spit #wandern.

Erfolgreich – aber auf wessen Kosten?

Das sollte wohl witzig sein. Erfolgreich war es allemal, zumindest reichweitenmässig. Das Video von Transa hat bereits über 100’000 Views. Was aber bewirkt das Video darüber hinaus? Was sagt dieses Video etwa mir als Frau? Es zeigt mir: Sogar meine Besuche im Outdoorgeschäft können sexualisiert werden. Die Assoziationen, die dieses Video mitunter weckt, sind klar. Sex. Oralsex. Pornofantasien von Männern. Ich werde mich nun im Transa jedes Mal fragen, welche Mitarbeiter über dieses Video gelacht haben. Denn von so jemandem würde ich mich ungern beraten lassen wollen. Ich würde mich unwohl fühlen. Ich denke an all die anderen Werbungen, in denen Frauen sexualisiert werden. Wie ihre ständige angebliche Verfügbarkeit dargestellt wird über Bilder zementiert wird.

Ich frage mich: Warum kann man den Kundenservice eines Outdoorgeschäfts nicht bewerben, ohne dass die «neue Mitarbeiterin» als Person, die gerne Blowjobs gibt, dargestellt wird? Klar, weil es weniger gut funktioniert. Und das ist ehrlicherweise nicht die Schuld von Transa oder der Outdoorbranche. Das ist ein gesamtgesellschaftliches und in Bezug auf Social Media ein algorithmisches Problem. Was man dennoch selbst tun kann, etwa als Unternehmen? Nicht jeden Trend mitmachen.

#hawktuah #bittenicht #bitteeinfachnurwandern


 

Aleksandra Hiltmann schreibt als freie Autorin über Themen rund um Gesellschaft, Diversität und Balkan. Sie hat in Zürich Politikwissenschaft und Publizistik studiert.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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