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Sebastian Rieder: Postkarte von der Euro

Es sind aufregende, aber auch unheimliche Bilder und Begegnungen, die mich zum Auftakt der Euro 2016 begleiten. Zuerst das Chaos an den grossen Bahnhöfen in Frankreich, dann die vielen Müllberge in den Strassen von Paris, herbeigeführt von den tagelangen Streiks, die schon vor Beginn der EM das ganze Land erfasst haben.

In Paris akzentuiert sich die Problematik der vorherrschenden Terrorgefahr am Tag des Eröffnungsspiels. Das Stade de France, Schauplatz für den Turnierstart, wird vor der Partie zwischen Frankreich und Rumänien mit zwei Sicherheitsgürteln rundum die Arena abgeriegelt und soll als Vorbild für alle Spiele gelten.

Eine Razzia der Gendarmerie im Pressezentrum wenige Stunde vor Anpfiff sorgt medial für die nötige Aufmerksamkeit und vermittelt das Gefühl von totaler Kontrolle. Noch viel stärker wirkt die Polizeipräsenz vor dem grössten Public Viewing Europas. Die Fanzone am Eiffelturm fasst über 100’000 Zuschauer und verlangt an jedem Spieltag ein gigantisches Sicherheitspositiv.

Das als Reporter zu erleben ist zwar reizvoll, gleichzeitig aber auch beängstigend. Nur gut, dass die Freude für Fussball die Sorgen für kurze Zeit vergessen lässt. Unvergessen bleibt für mich der von Hublot inszenierte, historische Handschlag von Pelé und Maradona im Palais Royal in Paris, begleitet von internationalen Fussballgrössen wie David Trezeguet, Clarence Seedorf oder aber auch Rio Ferdinand und dem Schiedsrichter Howard Webb.

Vor allem die englische Prominenz war für mich als britischer Staatsbürger und Supporter von Manchester United nicht nur journalistisch, sondern auch privat ein kleines Interview wert. Unvergessen bleibt auch das Video mit Ottmar Hitzfeld nach dem ersten Sieg der Schweizer Equipe in Lens oder das Intermezzo mit dem Schweizer Rekordtorschützen Alex Frei im House of Switzerland in Paris.

Unspektakulär, aber ungemein interessant, war die erste Nacht in Montpellier, die ich einen Tag vor der Ankunft der Schweizer Nationalmannschaft in deren Unterkunft verbrachte und mich am nächsten Morgen als publizistischer Spion mit einem ausführlichen Hoteltest exponierte.

Der Sportreporter Sebastian Rieder berichtet während der Euro 2016 für Tagesanzeiger.ch/Newsnetz mit Videobeiträgen über die Ereignisse ausserhalb der Fussballstadien.


Die Euro 2016 auf persoenlich.com
In der Blog-Serie «Postkarte von der Euro» erzählen verschiedene Korrespondenten von Schweizer Zeitungen in loser Folge Anekdoten von ihrer Arbeit in Frankreich. (red)

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