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Satire lebt nicht vom Witz allein

Edith Hollenstein

Wenn SRF «Deville» tatsächlich als «Comedy-Flaggschiff am Sonntagabend» betrachtet, ist es nicht richtig, dort den harten Sparhammer anzusetzen. Vielleicht aber ist das auch nicht passiert, sondern Headwriter Patrick Karpiczenko (bekannt als «Karpi») erwartet einfach mehr als Leutschbach bieten kann. Er hatte als Grund für seinen Abgang angegeben, die Sparmassnahmen hätten «so fest ins Fleisch geschnitten, dass er keine gute Sendung zu fairen Löhnen» mehr hätte machen können. 

Comedy kann einfach nur lustig sein. Hochstehende Satire hingegen ist gesellschaftskritisch und viele nutzen sie, um sich über das politische Geschehen zu informieren. Das zeigen internationale Beispiele, denken wir an die «Heute Show» in Deutschland und «The Late Show» oder «Last Week Tonight» in den USA.

«Es fragt sich, ob Formate wie dieses, bei SRF im Bereich Information nicht passender angesiedelt wären als bei der Unterhaltung»

In diese Richtung schielen bestimmt auch die Macher von «Deville». Das Team jubelte, als es im Dezember von SRF zum neuen Satire-Aushängeschild auserkoren worden war. Zwar schwankt die Qualität der Episoden stark. Aber das Format hat vor allem im letzten Jahr mehrfach bewiesen, dass es nicht nur richtig lustig ist, sondern überraschend und am Puls der Zeit. Aktuelle politische Themen finden statt, das verleiht der Sendung die Substanz, die es braucht für eine Late-Night-Show im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Und es fragt sich, ob Formate wie dieses, bei SRF im Bereich «TV/Information» nicht passender angesiedelt wären als bei der «Jugend/Familie/Unterhaltung» wie jetzt.

Diese organisatorische Zuteilung könnte mit ein Grund sein, warum SRF «Deville», das von einer externen Firma produziert wird, die Rahmenbedingungen gestrafft hat. Die Bedeutung der Unterhaltung innerhalb der SRG nimmt laufend ab. Und generell hört man von Leuten aus ganz SRF, wie sehr alle Abteilungen sparen müssen. Darum ist es auch richtig, dass externe Produktionen, die in der Regel teurer sind, davon nicht ausgenommen sind.

«Die Macher werden sich nicht nur mit Ruhm und Ehre zufrieden geben»

Ob nun SRF zu knausrig ist oder Karpi zu fordernd? Die vertraglichen Details kennen wir nicht. Mehr Transparenz würde zwar der Einordnung etwas helfen, doch wie viel Aufwand gerechtfertigt ist, bleibt auch Interpretationssache. Hingegen steht fest, dass es weiter geht – ohne Karpi. Denn das restliche Team akzeptiert die veränderten Rahmenbedingungen und macht weiter. Die zehnte Staffel startet im Herbst. Das sollte diejenigen, die der Sendung das Etikett «Flaggschiff am Sonntagabend» vergeben haben, aber nicht zu fest beruhigen. Die Auserwählten werden sich nicht nur mit Ruhm und Ehre zufrieden geben – vor allem längerfristig nicht. 

Ein hochstehendes Satireformat, das verschiedene Bevölkerungsgruppen zum Lachen bringen kann und nicht nur im linearen TV präsent ist, sondern auch als Marke im Internet und auf Social Media, braucht wache, originelle Köpfe. Es ist vor allem deren Kreativität, die den Wert einer Late-Night-Show ausmacht.


Edith Hollenstein ist Redaktionsleiterin von persoenlich.com

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