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Seitenweise (Selbst-)Kritik

Edith Hollenstein

Roger Schawinski hat derzeit eine Medienpräsenz wie wohl noch nie. Mit allen erdenklichen Fragen wird er gelöchert, daneben parodiert und kritisiert. Besonders heftig attackierten ihn Hanspeter Lebrument und - bereits vor einigen Tagen - Roger Köppel. In der "Weltwoche" vom 10. Februar warf ihm Köppel Heuchelei, Käuflichkeit und Vetternwirtschaft vor. Klar, lässt Schawinski diese Vorwürfe nicht tatenlos auf sich sitzen. Er wehrt sich, droht Lebrument mit einer Ehrverletzungsklage und verfasst eine seitenlange Erklärung zu den Vorwürfen Köppels. Dieser erklärende Text ist in der aktuellen Ausgabe der "Weltwoche" zu lesen. Dort wirft er Köppel Fehlinterpretation, Falschaussagen, leere Versprechungen und Missgunst vor. Sein Fazit: der "Weltwoche"-Chef kritisiere an ihm genau das, was er an sich selber sehe: Kumpanei und Vetternwirtschaft. Ausserdem vermutet Schawinski, Köppel hadere damit, dass er selber keine TV-Sendung leiten darf. Für seine Abrechnung hat Schawinski weder seine eigene Zeitungskolumne oder die Radio 1-Sendung "Doppelpunkt" ausgesucht, noch irgendein Format beim künftigen Arbeitgeber SRG. Nein, er antwortet in der "Weltwoche", sozusagen am Tatort. Schlauerweise exakt dort, wo er mit seiner Gegendarstellung das relevante Publikum erreichen kann. Hier stellt sich die Frage: Warum lässt Köppel im eigenen Blatt derart massive Kritik an seiner eigenen Person zu? Man könnte ihm hohe Bereitschaft zur Selbstkritik assistieren. Wohl jedoch ist es viel mehr das ständige Bemühen um Provokation, um möglichst weit auseinanderliegende, kontroverse Positionen. Ähnlich wie er immer wieder die Tatsache herausstreicht, als einziges Blatt Europas auf derselben Zeitungsseite zugleich einem SP- und einen SVP-Kolumnisten das Wort zu erteilen. Offenbar ist in diesem Bestreben auch Platz für eine persönliche Abrechnung mit Schawinski, einem seiner (momentanen) Hass-Geliebten. Roger Schawinski könnte in diesen Tagen getrost etwas zurück lehnen. Denn wie der deutsche Journalist und Fernsehmoderator Robert Lembke sagte: "Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen."
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