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Trend im modernen Newssendungsdesign

Edith Hollenstein

Die neuen Opener des Schweizer Fernsehens sind nicht wirklich emotional: Personen oder Themenbilder, die auf den Inhalt der Sendung hinweisen, fehlen vollständig. Der stetige Wandel hin zu Abstraktem ist in den seit Mittwoch verwendeten Signeten deutlich sichtbar. Während etwa im Tagesschau-Opener, der zwischen 1996 und 2006 allabendlich die führende Sendung des Schweizer Fernsehens eröffnete, Themenbilder zu Finanzen, Katastrophen oder Energie zu sehen waren, wurden diese bereits mit dem Opener 2006 durch Sachlicheres ersetzt: An die Stelle von Bildern traten Schlagworte wie Partei- oder Städtenamen, die sich - zwar kaum lesbar - kreisförmig angeordnet durch den Raum bewegen (vgl. persoenlich.com). Mit den seit Mittwoch gezeigten, neuen Signeten geht SRF den Weg weiter, hin zu mehr Sachlichkeit, Kürze und Straffheit. Das neue Logo setzt konsequent auf Corporate Identity, auf die Farben Rot und Weiss. SRF verzichtet sogar auf die typische News-Farbe Blau. „Ein gewagter Entscheid“, wie etwa der ehemalige SRF-Creative-Director Marco Fumasoli sagt. Doch die im Raum schwebende, sich in raschem Tempo zusammensetzende, rote Weltkugel scheint einem Trend im modernen Newssendungsdesign zu entsprechen. So verwendet auch britische Rundfunkanstalt BBC ähnliche Elemente und setzt dabei ebenfalls auf extreme Kürze: In der Diskussion um die neuen SRF-Signete stellt sich die Frage, warum die Verantwortlichen keinen umfassenderen Wechsel anstrebten. Warum wurde die alte Musik noch einmal verwendet? Ein Beispiel, wie eine radikalere Änderung hätte aussehen können, liefert das ZDF-"Heute Journal". Das Signet der deutschen Newssendung wird immer wieder als "State-of-the-Art"-Beispiel genannt. Auch hier erhält die Weltkugel einen prominenten Platz. Besonders auffällig: Der sehr grosszügige Raum wird vollständig ausgenutzt, der Tiefeneindruck durch die animierten Linien verstärkt. Die Musik fällt dezent aus. Ausgeprägt ist die Betonung des Sekundenrhythmus, welche beim Zuschauer ein Gefühl von gespannter Erwartung auf die Sendung erzeugt. Als Symbol für Aktualität und Dynamik werden ausgewählte Tickernachrichten und die Schlagzeilen der Sendung eingeblendet. Dabei sind bereits im Opener die Moderatoren zu sehen. Dieser geschickt gelöste Einbezug der "Tagesschau"-Identifikationsfiguren bewirkt, dass der Schnitt zur Moderation fliessend ausfällt. Zurück zur Frage: Warum fällt das Redesign bei SRF so bescheiden aus? Wahrscheinlich hat man gegen einen radikalen Wechsel entschieden, weil die Verantwortlichen nicht den Eindruck von Protzerei erwecken wollten. Dies ist nach Ansicht von Design-Experte Marco Fumasoli auch gelungen. Im Gegenteil: Er sieht dem neuen SRF-Signet an, dass beim Unternehmen "ein gewisser Spardruck, der vorzuherrschen scheint".
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