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: Über Ex-Journalisten als Verräter

Wer als Journalist zur PR wechselt, ist ein Verräter. Das schrieb Christof Moser in der Schweiz am Sonntag unter dem Titel "Im Dienste der Verdunkelung" und ich antwortete im Blogbeitrag "Seitenwechsler, Verräter: Lieber Christof Moser". Darin schrieb ich, dass ich für ideologische Romantiker dankbar bin, weil sie einen Gegenpol zum zynischen Mainstream der Wirtschaftspragmatik bilden. Mit der Schuldzuweisung von Christof Moser kann ich allerdings wenig anfangen, und dazu gleich mehr. Die Reaktionen auf meinen Text liegen zwischen Applaus und "Dave Hertig schiesst voll am Thema vorbei" (Markus Rohr auf Facebook).

Vor 12 Jahren verliess ich Tamedias Sonntagszeitung und seither arbeite ich auf eigene Rechnung. Als Corporate Publisher rutschte ich aus Moser'scher Perspektive bald in die böse PR ab. Schon damals galt ich einigen als Verräter. Ich hatte vermutet, das sei ausgestanden. Doch auch 2015 gibt es einen Vorkämpfer für den reinen, ansatzweise heiligen Journalismus: Christof Moser. Er denkt, es ginge der Wahrheit besser ohne die Seitenwechsler.

Christof Moser zielt auf die Falschen. Denn Public Relations gibt es nicht wegen uns "Verrätern", sondern weil Firmen professionelle Kommunikation brauchen. Falls nicht Seitenwechsler den Job machen, findet sich sonst jemand. Das wahre Problem ist die Schwäche des investigativen Journalismus. Wäre er finanziell gut gestellt und handwerklich stark, dann würde kaum jemand über die personelle Besetzung von PR-Posten sprechen. Unabhängig vom jeweiligen Personal auf beiden Seiten würden die Transparenz und der höchstmögliche Wahrheitsgehalt die Oberhand behalten.

Christof Moser habe ich im Übrigen empfohlen, ein Medienunternehmen nach seinem Gusto zu gründen und es ausschliesslich durch Abonnemente zu finanzieren. Erst wenn er werbefrei berichtet, bin ich mir seiner Unabhängigkeit sicher. Dann werde ich sein zahlender Kunde.

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