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: Und nun die nächsten hundert

Bundesrat Ueli Maurer zeigte sich im Blick entsetzt, als die Nachricht von der SRG-Talkshow «Schawinski» verbreitet wurde. Für ihn war mein Engagement bei dieser staatstragenden Institution wie ein Überlaufen zum Feind, also beinahe so gravierend, als wenn ich mich als Al-Kaida-Mitglied geoutet hätte. Im Tages-Anzeiger befand Jean-Martin Büttner nach der ersten Ausgabe apodiktisch, dass die Sendung «gescheitert» sei, während mir Francesco Benini von der NZZ am Sonntag vorsorglich die in Planung befindliche «Verrissstory» ankündigte. Es wäre also übertrieben zu behaupten, dass ich mit unglaublich vielen Vorschusslorbeeren angetreten sei. Offenbar hatten viele der langjährigen Player im Medienzirkus gehofft, dass ich nach meiner Rückkehr aus Deutschland endlich in den ewigen Jagdgründen verschwinden würde. Aber nun bin ich tatsächlich bereits bei Sendung hundert angelangt. Und erstaunlicherweise – auch für mich – habe ich Montag für Montag spannende Gespräche mit interessanten Gästen führen können. Nicht dass dies leicht gewesen wäre. Im Gegenteil mussten viele Hindernisse überwunden werden, denn alle mussten sich an diesen Interviewstil am späten Abend gewöhnen: meine Gäste, das Publikum – und auch ich. Ein solches Format mit einem einzigen Gast steht im heutigen TV-Angebot der grösseren Sender im deutschsprachigen Raum nämlich alleine da. Ähnliche Sendungen in Deutschland wurden ersetzt durch möglichst bunte Diskussionsrunden, die mehr Vielfalt und Abwechslung bringen sollen. Das frugale Gespräch zwischen zwei Personen scheint nicht mehr in die mit schnellen Schnitten, vielen Kameraschwenks und noch mehr Schabernack dominierte Fernsehlandschaft von heute zu passen. Dabei kann diese Form Einsichten vermitteln, die durch andere Sendungen nicht möglich sind. Etwa als der ehemalige Swisscom-Chef Carsten Schloter einen überraschenden Einblick in seine Psyche gewährte. Oder als Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp erstmals zugab, von den Verfehlungen ihres Mannes im persönlichen Bereich gewusst zu haben. Oder wenn Lebemann Hausi Leutenegger erzählt, dass er in seinem Leben zu viel Party gemacht habe und heute deshalb oft depressiv sei, weil er glaube, die Prioritäten falsch gesetzt zu haben. Daneben gibt es spannende Gespräche mit Politikern, indem Gesichter, die man aus vielen TV-Sendungen kennt, erstmals als Menschen auftreten, weil man für einmal nicht nur über Sachthemen spricht. Dabei habe ich hohe Hürden zu überwinden. Die schwierigsten sind die Medienberater, die ihren Chefs nicht zutrauen, in einem solchen Gespräch zu bestehen. Und die nicht wollen, dass diese sich in eine Situation begeben, die sie nicht minutiös kontrollieren können, wie dies etwa bei den blutleeren, flachgebürsteten Zeitungsinterviews der Fall ist. Dabei ist ein frischer, offener Auftritt in einer auch kontrovers geführten Situation viel imagefördernder als die vielen von der PR-Abteilung eingefädelten Image-Aktionen. Deshalb erhalte ich beinahe ausschliesslich positive und gar begeisterte Rückmeldungen meiner Interviewpartner, die über das gewaltige und für sie günstige Echo auf ihren Auftritt bei «Schawinski» überrascht wurden. Die Schweiz ist ein kleines Land – aber mit vielen spannenden Personen. Deshalb freue ich mich auf die nächsten hundert Gäste, und dabei vor allem auf solche, die sich offen und echt präsentieren und nicht bloss ihre Schokoladenseite vorführen wollen. Weil das Echte und Direkte immer stärker ist und viel mehr Sympathien auslösen kann als alles andere. Und hie und da sogar für eine TV-Sternstunde verantwortlich ist.  
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