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Vor lauter Olten Corona verpasst

Edith Hollenstein

Eigentlich eine Steilvorlage für «Deville»: Die SRF-Satiresendung hätte am Sonntagabend die neuen, einschneidenden Corona-Massnahmen des Bundesrates thematisieren können. Was machen Dominic Deville und sein Team aus den Maskentragevorschriften und den ab Mitternacht geltenden Homeoffice-Empfehlungen? Böse Witze? Nehmen sie nun den Bundesrat oder den Schweizer Kantönligeist auf die Schippe?

Wer nun aber am vergangenen Sonntag erwartungsvoll «Deville» einschaltete, wurde enttäuscht. Die ganze Sendung drehte sich um Olten. Um Olten! Statt einer aktuellen Sendung, liess SRF um 21.40 Uhr am potenziell wichtigsten Lagerfeuer-Moment seit März einfach eine Vorproduktion laufen.

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Eine Satiresendung, die kritisch und mit intelligentem Humor das aktuelle politische Geschehen beleuchtet, gehört zum Kernauftrag des Service public. Eine, die aus Kostengründen pro Staffel zwei bis drei monothematische Spezialsendungen voraufzeichnen muss (wie in der aktuellen vorgesehen), kann diesen Anspruch nicht mehr erfüllen.

Sendung bereits nicht mehr Corona-konform

SRF erklärt sein Vorgehen so: «Diese monothematischen Spezialsendungen wie beim Olten-Special werden am gleichen Abend wie die regulären Sendungen aufgezeichnet, was natürlich einen Spareffekt auslöst», sagt Tom Schmidlin, Bereichsleiter Comedy und Entwicklung, auf Anfrage. Monothematische Sendungen seien aber zeitlich aufwändig, sowohl bei der Recherche als auch bei den Einspielungen. Und: «So etwas wie der Olten-Song beispielsweise benötigt einen gewissen Vorlauf für die Vorbereitung und Produktion, was innerhalb einer normalen Sendewoche kaum zu realisieren ist.»

Wenigstens, so könnte man etwas milder urteilen, war sich SRF des Mankos bewusst. Denn zu Beginn wurde die Voraufzeichnung ja mit einem Einblender ausgewiesen. Doch dem ist nicht so. Als Grund für diesen Hinweis nennt Schmidlin etwas anderes: In der Zwischenzeit habe das Setting nicht mehr den aktuellen Corona-Schutzmassnahmen entsprochen. 

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Kommentare

  • Felix Aeberli, 21.10.2020 09:38 Uhr
    Da hätte man den Olten-Beitrag doch einfach später zeigen können... Oder allenfalls im Lauf der Woche merken können, woher der Wind (Virus) weht. Aber das setzt natürlich flexibilität und aktualitätsfreude voraus. Wenn das SRF solche aktualitätsgebundenen Sendungen durch Vorprdukte ersetzt werden die Zuschauer immer weniger und dann wird wegen mangelndem Interesse die Sendung abgesetzt. So lässt sich Sparen begründen.
  • Kaspar Haffner, 21.10.2020 08:19 Uhr
    Olten ist ja aber eben doch die schönste Stadt der Schweiz!
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