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Wahltag ist kein Zahltag

Matthias Ackeret

Howgh, das Schweizer Volk hat gesprochen: Die Schweiz wird grüner. Für die Umwelt mag es nützlich sein, für die Kommunikationsbranche weniger. Oder auf einen kurzen Nenner gebracht: Parlament ist grün, Werber sehen rot.

Die ständerätlichen Restriktionen bei der Zigarettenwerbung waren nur der Auftakt. Wetten, dass das neue Parlament bereits die nächsten Branchen im Visier hat? Was kaum überrascht: Werbung steht stellvertretend für alle Missstände auf diesem Planeten. In Zürich überklebten diesen Sommer Jusos Plakate von Swiss und Helvetic, das Berner Stadtparlament überlegt ein Verbot von Auto- und Flugwerbung, in Basel wollen die Grünen Fleischwerbung verbieten, und in Genf will eine Initiative gar die ganze Stadt plakatfrei machen.

Früher war es noch anders: Werbung hatte Sex-Appeal, deren Vertreter waren kreative Lichtgestalten, die ihre Existenz in der Zürcher Kronen- und der Basler Kunsthalle zelebrierten. Doch heute entspricht Werbefeindlichkeit dem Zeitgeist. Dass die Branche einen Umsatz von 7 Milliarden Franken generiert und über 22'000 Menschen beschäftigt, vergisst man dabei gerne.

Fazit: Jede Werbung, die ein lebensgefährdendes Produkt propagiert, ist suspekt. Nur bei der lebensgefährdetsten Organisation überhaupt ist man erstaunlich tolerant. Es handelt sich um Exit. Diese Woche warb die Sterbehilfeorganisation in der NZZ und im Tagi mit seitengrossen Inseraten (siehe unten). Aufgeregt hat es keinen.

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Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von «persönlich».

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Kommentare

  • Victor Brunner, 28.10.2019 13:13 Uhr
    Schätze MA, aber da liegt er falsch. Es gibt gute und schlechte Werbung. Der Schaden von Zigarettenkonsum geht in die Hunderte Millionen. Gewinner Produzenten und Werbung, Verlierer Prämienzahler, wie bei allen anderen lebensgefährdenden Produktend! SWISS und Helvetic fördern sinnlosen Tourismus, fliegen bald jeden Feldflugplatz an. Air France macht das wesentlich besser, kooperiert mit TGV.
  • Angelika Deus, 29.10.2019 10:14 Uhr
    Lieber Matthias, was hast du bloss gegen Exit, gegen die Selbstbestimmung mit einer Organisation selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden? Der Tod schmerzt immer, egal ob natürlich, durch Unfall oder selbstbestimmt. Aber Exit ermöglicht es, den letzten Schritt menschenwürdig und zu dem für den Patienten passenden Zeitpunkt zu tun. Ich weiss, wovon ich spreche.

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