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FM vs. DAB+: Warum das Auto am Ende Internet wählt

Reichweite wird im klassischen Radio weiterhin über Panels und Hochrechnungen abgeleitet. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen: Werbekunden wollen Zielgruppen deutlich granularer verstehen, Kampagnen laufend optimieren und Wirkung schneller nachweisen – idealerweise in nahezu Echtzeit und über Kanäle hinweg vergleichbar. UKW und DAB+ sind in ihrer Systemarchitektur nicht dafür ausgelegt, Mess- und Targeting-Signale in dieser Granularität und Aktualität zu erzeugen und bereitzustellen.

Aus Nutzersicht geht es heute um skalierbare Audioqualität, permanente Verfügbarkeit und vor allem nahtlose Integration in ein vernetztes Service-Ökosystem. Genau diese Logik setzt sich zunehmend auch im Auto durch. Denn in der wichtigsten Radio-Zone kippt die Wertschöpfung: Autohersteller wollen künftig Abonnemente verkaufen. Und das wertvollste Abonnement ist nicht ein einzelner Dienst, sondern ein Internetabo, weil es alles ermöglicht: Musik, Podcasts, Navigation, Kommunikation, Updates. Das Fahrzeug wird zur Plattform.

Um diesen Nutzen zu demonstrieren, rücken Online-Services wie Spotify und andere Streaming-Ökosysteme im Auto-Interface nach vorne. Nicht zwingend, weil sie «besser» sind, sondern weil sie die Konnektivität sichtbar machen, für die bezahlt werden soll. UKW und DAB+ verlieren damit ihre prominente Platzierung und rücken als Option in den Hintergrund. Diese Verschiebung ist heute erst bedingt spürbar. Sie steht noch bevor und wird Verhalten, Gewohnheiten und am Ende auch Marktanteile beeinflussen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Als Anbieter von Radioprogrammen halte ich UKW und DAB+ heute für äusserst relevant. Sie sind ein klarer Vorteil in der digitalen Transformation, weil Radiosender dort bereits eine grosse, treue Hörerschaft erreicht haben. Diese bestehende Reichweite lässt sich gezielt auf die Online-Kanäle übertragen. Das ist der Radiovorteil gegenüber der Online-Konkurrenz. Strategisch entscheidet sich die Zukunft jedoch dort, wo Audio präzise messbar, personalisierbar und plattformfähig ist: im Internet.



Jan Müller ist Gründer und CEO von Audiospace und neuer Inhaber von my105.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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KOMMENTARE

Max Röthlisberger
25.02.2026 17:39 Uhr
Ich bin überzeugt, dass jede Automarke in zehn Jahren ihren "eigenen" Radiosender hat, der unter Berücksichtigung des jeweiligen Standortes entsprechende Infos über das Bordnetz auf die Insassen loslässt. Premium Kanäle sind gegen Entgelt 100 % werbefrei. Junge kreative Menschen werden für verschiedene Automarken das Programm hosten.