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: Was nichts kostet, ist nichts wert

Am Beispiel einer mittelgrossen deutschen Zeitung macht Dr. Media alias Thomas Koch mal wieder auf eine banale Wahrheit aufmerksam: was nix kostet, ist nix wert. Kein Laden käme auf die wahnsinnige Idee, einen Liter Milch für 1.50 Franken vor Ort zu verkaufen – und ihn gleichzeitig im Internet gratis anzubieten.

Genau das machen aber die versammelten Verlage seit Erfindung des Internets. Selbst noch so runtergesparte Redaktionen erbringen ja in ihren Verrichtungsboxen noch gewisse Leistungen. Und selbst wenn sie per Skype telefonieren und ausschliesslich per Google recherchieren: Da sind Gehälter fällig; Büromiete, Heizung, Infrastruktur wollen bezahlt sein. Und selbst die Massenjournalistenhaltung in Newsrooms, das angeblich furchtbar Synergien schaffende Bespielen aller Kanäle, Internet, Gratiszeitung, tägliches und wöchentliches Bezahlblatt, kostet.

Die Koblenzer "Rhein-Zeitung“, mit einer hochgerechneten Leserschaft von rund 600'000, ist im Februar noch einen Schritt weiter als die in diesem Bereich stilbildenden Weltblätter "Wall Street Journal“ und "Financial Times“ gegangen: Content kostet. Im Print sowieso, also auch im Internet. Wer lesen will, muss zahlen. Alles. Der Chefredaktor Christian Lindner begründet das in aller Einfachheit: "Auch journalistische Qualität muss hart erarbeitet werden. Und es kann sie nicht umsonst geben.“

Manchmal sind banale Wahrheiten dermassen von aufgeschäumten Nonsense-Überlegungen überkrustet, dass es tatsächlich Mut braucht, sie wieder herauszuschälen. Gratis bringt Reichweite im Internet, gratis macht den Werbekunden im Web froh, gratis ist nicht gratis, weil der Leser doch mit persönlichen Daten bezahlt, mit einer Paywall bricht die Einschaltquote zusammen. Wer bei einem Organ zahlen muss, sucht sich in den Weiten des Web seine Informationen anderweitig gratis zusammen.

Hat alles was, ist aber fundamental falsch. Genau wie der sinnlose Wettlauf, eine News möglichst schnell, am besten als Erster zu präsentieren. Irgendeiner ist immer schneller. Falsch wie der unsinnige Ansatz, auch als Lokalblatt tiefschürfende Kommentare oder Analysen zum Weltgeschehen veröffentlichen zu wollen. Genau wie das absurde Bemühen, mit zu Tode geschrumpften Auslands- oder Wirtschaftsredaktionen das politische oder ökonomische Weltgeschehen abbilden zu wollen.

Nehmen wir als Beispiel den "Tages-Anzeiger“, der in der Schweiz am tiefsten in dieser Bredouille steckt. Er verfügt laut Impressum noch über fünf Auslandredaktoren, dazu über 14 Korrespondenten weltweit, davon die meisten nicht voll angestellt und oftmals mit anderen Organen geteilt. Dazu zwölf Wirtschaftsredaktoren. Und diese armen Schweine sollen nun täglich die ganze Welt und insbesondere das wirtschaftliche Geschehen der Schweiz im Griff haben. In Konkurrenz zu Welt- und Fachblättern. Mission impossible.

Wer noch ein gewisses Berufsethos hat, geht, wie die jüngsten Abgänge beim "Tages-Anzeiger“ belegen. Wer, verständlich, finanzielle Verpflichtungen hat und vielleicht auch die Illusion, dass mal wieder bessere Zeiten kommen, bleibt. Das ist keine Kritik an den Bemühungen all dieser Redaktoren, redliche Arbeit zu leisten. So gut wie möglich zu recherchieren, zu gewichten, zu filtern, zu analysieren. Aber eben: mission impossible.

Wenn nun aber News im Netz weiterhin mit wenigen Handgriffen gratis besorgt werden können, wenn bessere Regionalzeitungen immer weniger den Anspruch erheben können, die Welt abzubilden oder vertiefte Hintergrundartikel über komplizierte wirtschaftliche Entwicklungen abzuliefern, wo liegt dann ihre Zukunft? Worin besteht ihre USP, was sich eigentlich jeder Hersteller eines Produkts fragen müsste? Natürlich im Lokalen, im Regionalen. Überregionalen Medienorganen oder Weltblättern ist es wurst, was im Mikrokosmos beispielsweise des Kantons Zürich geschieht.

So einfach ist’s dann wieder: Was man exklusiv hat, dafür kann man sowieso Geld verlangen. Für eine geldwerte Leistung muss man sowieso Geld verlangen, sonst ist man zum Untergang verurteilt. Die Überlegung, ich kann doch nicht Bezahlung für etwas fordern, was anderweitig gratis erhältlich ist, ist fundamental falsch. Eigentlich augenfällig, logisch, unwiderlegbar. Aber wie schreibt Dr. Media so richtig: "Keiner schafft es, hintereinander weg so viele Fehler anzuhäufen wie die Zeitungsverleger. Von ihnen lernen, heisst Verlieren lernen.“

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