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Wie unsere Branche überleben kann

Michael Kamm

Der grösste Teil der Unternehmen des Landes funktioniert in diesen Zeiten der Pandemie nur noch im Schongang, und die gegen 4000 Gesellschaften und 23'000 Beschäftigten des Werbesektors sind davon nicht ausgenommen. Die von Bund und Kantonen in Aussicht gestellten Finanzhilfen werden nicht ausreichen, um die Branche dieses Jahr über Wasser zu halten. Deshalb ergeht ein Appell an die Werbetreibenden, ihre Kommunikationspläne jetzt nicht aufzugeben: Es ist im Interesse der Werbetreibenden – und der gesamten Branche –, die Kommunikationsbudgets nicht einzufrieren und die Situation zu nutzen, um jene Projekte voranzutreiben, die jetzt möglich sind. Selbstverständlich sind die Agenturen wie immer und besonders in diesen schwierigen Momenten für die Werbetreibenden da. Dank ihrer Kreativität eröffnen sie den Unternehmen neue Aussichten, indem sie die verfügbaren Budgets noch intelligenter nutzen. So helfen sie mit, deren Aktivitäten zu entwickeln und die davon abhängenden Arbeitsstellen zu erhalten.

Zahlreiche Kommunikationsprojekte können durch die Werbetreibenden unter Mithilfe der Agenturen weiterhin unternommen werden: Bestandaufnahme und Verbesserung der Kommunikationskanäle, Einführung neuer, der Situation angepasster Werkzeuge, Neudefinierung der kurzfristigen Kommunikationsziele und Strategien, Ausarbeitung von Neubelebungsplänen beim Ausgang der Krise und andere.

Auch wenn die überwiegende Mehrheit der Agenturen weiterhin ihre Dienste auf Distanz anbieten, so verzeichnen sie doch alle, in unterschiedlichem Masse, einen Rückgang der Anfragen. In diesem Zusammenhang mag die lange Erfahrung von Trio – der ältesten Schweizer Kommunikationsagentur – zur Aufmunterung dienen: Seit ihrer Gründung im Jahr 1931 hat Trio etliche Glanzperioden erlebt, aber auch Mangelzeiten während dem Zweiten Weltkrieg, Feuer und Flammen bei einem Brand, der in den 1960er-Jahren ihre Büros verwüstete – oder die massive Rezession der 1990er-Jahre. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass jede Krise temporär ist und dass es darum geht, diese destabilisierenden Momente zu nutzen, um seine Strategie zu erneuern, sein Geschäftsmodell zu überdenken und sich so schnell wie möglich erneut an die Arbeit zu machen, um dem Wiederaufschwung unter den besten Bedingungen entgegen zu sehen.

Die räumlichen Einschränkungen sollten deshalb nicht zu einem Zeichen des Immobilismus werden, sondern vielmehr zu einer Proaktivität der Werbetreibenden führen, die den Agenturen weiterhin ihr Vertrauen entgegenbringen können. Auf diese Weise tragen sie zur Unterstützung der Werbebranche bei, die ihrerseits am guten Funktionieren eines Grossteils der Wirtschaft und damit der gesamten Gesellschaft teilnimmt. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass die Medien, deren Mission im Dienst der Öffentlichkeit in diesen schwierigen Zeiten von höchster Wichtigkeit ist, sehr stark von den Werbeeinnahmen abhängig sind. Ohne Medien, keine Information und daher auch keine Demokratie! An uns liegt es also, den positiven Kreislauf zwischen Werbetreibenden, Medien und Agenturen anzukurbeln und das Maximum zu tun, damit diese Krise bald nur noch eine blasse Erinnerung ist.



Michael Kamm ist Inhaber der Agence Trio, Lausanne und Zürich.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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Kommentare

  • Loris Bühler, 31.03.2020 09:21 Uhr
    Ob die "Werbetreibenden" (wir haben früher ganz ungeniert von "Kunden" gesprochen) sich von solchen Durchhalteparolen beeindrucken lassen?
  • Michael Kamm, 28.03.2020 16:10 Uhr
    Ich habe das Gefühl, dass die Kunden der Agenturen sich zuerst kurzfristig um sich und ihre Mitarbeiter kümmerten, und wir Agenturen auch. Dies ist meistens geregelt und jetzt kommt die Zeit, den Dialog mit ihren Kunden suchen. Oft kann mann mit Flexibilität, Strategie und Kreativität einige Pläne doch fortsetzten, neue generieren und "La reprise" vorbereiten. Hand in Hand wird es uns gelingen...
  • Claude Bürki, 27.03.2020 15:11 Uhr
    Das sind gute Ratschläge von Michael Kamm. An den Agenturen liegt es meistens nicht; es sind die Kunden, die in schlechten Zeiten das Handtuch werfen. Was dann?

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