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Wird Libra zum neuen Schweizer Franken?

Achim Feige

Der Krypto-Hype hat wieder Fahrt aufgenommen. Der Bitcoin steht aktuell bei 11‘000 Franken und jetzt bringt sogar das grösste Land der Welt eine eigene Währung raus. «Facebook-Land» hat 2,7 Milliarden virtuelle Einwohnerinnen und Einwohner. Libra soll für Befreiung oder Freiheit stehen. Kann man so sehen. Denn Libra ist nichts anderes als eine klassische «Fiat-Währung». Ihr Wert ergibt sich aus dem Vertrauen, das man ihr entgegenbringt.

Hier wird es spannend: Die Libra-Absendermarke Facebook ist für ihren laxen Umgang mit Datenschutz und Privatsphäre bekannt. Auch die Verflechtungen und wirtschaftlichen Interessen des Konsortiums hinter Libra werden das Vertrauen in die neue Kryptowährung wohl nicht gerade stärken. Trotzdem gibt es eine Chance, dass Libra der Auftakt einer Schwemme an Mikrowährungen ist, wo vertrauensvolle Marken aus jeder Industrie ihr eigenes Geld mit Rabatten «tokenisieren» und zum Zahlungsmittel machen. Damit ist auch eine Ikea-Währung «Billy» oder ein Migros-Coin denkbar. Krypto könnte also durch Libra populärer und alltäglich werden. Der Massenmarkt der wenigen Währungen könnte durch massenhafte Nischenwährungen ersetzt werden.

Für Banken besteht das Risiko, dass Kryptowährungen zum Nummer-1-Zahlungsmittel der Millennials und der Z-Generation werden. Denn etablierte Banken mit den etablierten Währungen verlieren nach und nach den Kontakt zu den (Smartphones der) Kundinnen und Kunden. Für Banken wie auch andere Marken gilt: Nur die fitten, der Zukunft angepassten Vertrauensmarken werden langfristig überleben. Für sie sind Nischenwährungen eine Chance. Starke Vertrauensmarken, wie Kantonalbanken oder die Migros könnten ihren eigenen Krypto-Coin herausbringen, die Kunden so zu Teilhabern machen und eine eigene Economy of Trust mit Special-Benefits kreieren.

Meine Einschätzung: Libra wird zusammen mit weiteren Kryptowährungen zu einer Art echtem Spielgold in einer der vielen neuen Economies of Trust. Wir werden sie wie Kredit- und Bonuskarten in unserem elektronischen Portemonnaie mitführen. Wenn es passt und man der jeweiligen Währung in dieser Transaktionssituation vertraut, bezahlt man damit. Sein Haus wird man damit aber wohl nicht verkaufen.

Das Krypto-Spiel hat mit Libra neuen Aufwind bekommen. Die starken Marken, die Vertrauen mit echter emotionaler Signifikanz verbinden, das heisst eine gute Rolle im Leben ihrer Kunden spielen, werden gewinnen.



Achim Feige ist Finanzmarkenexperte und Partner bei der Managementberatung BrandTrust.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

 

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