Netflix hat schon vor seinem aggressiven globalen Ausbau deutlich mehr neue Kunden angelockt. Der Video-Dienst gewann im vergangenen Quartal rund 5,6 Millionen Kunden hinzu, so viele wie noch nie in einem Vierteljahr. Der Umsatz schnellte um 46 Prozent auf 566 Millionen Dollar hoch, wie die Firma aus Kalifornien nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Den Anlegern gefiel das: Sie liessen die Aktie nachbörslich um fast sieben Prozent steigen.
Netflix hatte Anfang Januar den Start in 130 weiteren Ländern bekanntgegeben. In den bisherigen 60 Ländern hatte Netflix bis Ende Dezember insgesamt rund 75 Millionen Nutzer. Nun ist der Dienst fast überall auf der Welt verfügbar, als einziger relevanter Markt fehlt noch China.
Für das laufende Quartal rechnet der Streaming-Dienst mit 6,1 Millionen neuen Kunden. Das mag angesichts des Sprungs von 60 auf 190 Länder als zurückhaltende Prognose erscheinen - aber Netflix stellt sich auf ein langsames Wachstum in seinen neuen Märkten ein.
Expansion kostet
Die globale Expansion erfordere zunächst einmal hohe Marketing-Ausgaben, um den Dienst in Ländern wie Pakistan oder Kambodscha bekannter zu machen, sagte Gründer und Chef Reed Hastings der dpa am Rande der DLD-Konferenz in München. "Wir wären dort gern so populär wie in den USA. Das wird 10 bis 15 Jahre harter Arbeit bedeuten."
Während das internationale Wachstum Schwung bekommt, stösst Netflix im bereits stark abgegrasten Heimatmarkt USA an Grenzen. Dort gab es noch 1,56 Millionen Neuzugänge. Allerdings hat der Dienst dort auch bereits knapp 45 Millionen Kunden - immer noch mehr als die Hälfte aller Nutzer.
Netflix ist - genauso wie der rivalisierende Service von Amazon oder Maxdome und Watchever - ein Streaming-Dienst, bei dem Videoinhalte für eine monatliche Abo-Gebühr direkt aus dem Netz abgespielt werden. Hastings setzt verstärkt auf Eigenproduktionen und den Kauf von Exklusivrechten für Filme und Serien, um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Mehr Eigenproduktionen
In diesem Jahr soll es 600 Stunden an eigenen Inhalten geben, 150 mehr als 2015. Das Budget für den Ankauf von Inhalten lag schon im vergangenen Jahr bei fünf Milliarden Dollar und soll weiter steigen. Der Quartalsgewinn ging zwar von 83 auf 43 Millionen Dollar zurück - das
Vorjahresergebnis enthielt aber eine Steuergutschrift von 39 Millionen Dollar.
Netflix liess es sich auch nicht nehmen, sich im Quartalsbericht über Äusserungen eines Managers des US-Senders NBC lustig zu machen, der jüngst sagte, die Rolle von Online-Diensten werde überschätzt und klassisches lineares Fernsehen sei "TV wie Gott es vorgesehen hat."
Netflix konterte jetzt: "Unsere Investoren sind sich nicht so sicher über Gottes Absichten für das Fernsehen und denken dagegen, dass Internet-Fernsehen ein fundamental besseres Unterhaltungserlebnis bietet, dass für viele Jahre Marktanteile gewinnen wird." (sda/dpa)
20.01.2016
Netflix
5,6 Millionen neue Kunden im letzten Quartal
Mit der Prognose für die kommenden Monate ist der Video-Dienst zurückhaltend. Die globale Expansion erfordere zunächst hohe Marketing-Ausgaben.

