21.05.2026

Bernardini + Schnyder

«Alles ist deutlich komplexer geworden»

Seit 25 Jahren entwickeln Bernardini + Schnyder digitale Lösungen. Was mit Diego Bernardini und Reto Schnyder als Zweiergespann begann, ist heute mit Teams in Zürich, Wien und Sofia eine feste Grösse für komplexe Projekte. Im Jubiläumsgespräch beweisen die beiden Gründer, dass technologische Exzellenz mit Humor und Selbstironie zusammengeht.
Bernardini + Schnyder: «Alles ist deutlich komplexer geworden»
«Wir sind stolz darauf, dass wir uns immer treu geblieben sind»: Diego Bernardini und Reto Schnyder. (Bild: Geri Krischker)

25 Jahre – herzliche Gratulation! Das muss man zuerst schaffen. Wenn ihr auf eure gemeinsamen Anfänge zurückblickt: Welche Idee oder Vision stand damals am Ursprung von Bernardini + Schnyder?
Diego Bernardini: Ich würde gerne sagen, es sei Strategie oder gar eine Vision gewesen. Das war es aber nicht. Unterm Strich hatten wir beide keine Lust mehr auf Werbung. Und nach der W,H,S. schien es auch schwierig, in einer anderen Agentur arbeiten zu wollen (lacht). Was uns aber bestimmt angetrieben hat, war die Faszination des Mediums, die unendlichen Möglichkeiten, das Kreativitätspotenzial, die Technologie, das kommunikative Neuland und wahrscheinlich auch der richtige Zeitpunkt.

Reto Schnyder: So viel zu Diegos Aussage zu ergänzen gibt es tatsächlich nicht. Ich war das Jahr vor der Gründung in Vancouver und habe eine Ausbildung zum Multimediaproduzenten gemacht, und als ich zurück in der Schweiz war, sassen wir zusammen beim Bahnhof Enge und haben besprochen, was man alles machen könnte. Den Entschluss, die Firma zu gründen, haben wir bei einem Spaziergang im Tierpark Langenberg gefasst. Vieles beginnt tatsächlich einfacher, als man denkt.

Wie beschreibt ihr Bernardini + Schnyder heute – oder anders gefragt: Was genau macht ihr den ganzen Tag?
Bernardini: Streng genommen, lösen wir betriebliche Probleme mit digitalen Mitteln. Kunden kommen zu uns und wollen eine neue Website, ein Shopsystem, ein Redesign oder Anbindungen an bestehende Unternehmenssysteme wie Produkt- oder Ressourcendatenbanken, aber manchmal funktioniert auch nur ein Kontaktformular nicht richtig, die Statistik ist ein Buch mit sieben Siegeln, oder das Unternehmen wird nicht gefunden. Und zudem betreuen wir Unternehmen in Transformationsprozessen: Wir analysieren interne Abläufe, digitalisieren, organisieren, beraten und unterstützen.

«Wir wollten nie reine Umsetzer sein, sondern verstehen, wie ein Geschäftsmodell funktioniert»

Welcher Meilenstein hat die Entwicklung des Unternehmens am meisten geprägt?
Bernardini: Weniger ein einzelner Meilenstein als eine Haltung. Wir wollten nie reine Umsetzer sein, sondern verstehen, wie ein Geschäftsmodell funktioniert. Und wo wir den Hebel ansetzen können.

Schnyder: Das sieht man gut an frühen Projekten wie dem Webshop für Reichmuth von Reding. Im Zentrum stand nie die Technik, die ist sowieso immer nur Mittel zum Zweck, sondern es ging um Benutzerfreundlichkeit, Bestellvorgänge, Produktansichten, Unternehmensprozesse und eben Geschäftsrelevanz.

Bernardini: Diese Verbindung von Technik und konkretem Nutzen ist genau der Kern unserer Arbeit. Dabei spielen die Grösse oder Komplexität eines Projekts keine Rolle.

Ihr arbeitet seit 25 Jahren zusammen. Das ist in der Agenturlandschaft eine ungewöhnlich lange Zeit. Viele Geschäftsbeziehungen – und auch Privatbeziehungen – scheitern früher. Gab es nie Probleme?
Schnyder: Nie.

Bernardini: Nein. (Beide lachen.) Doch, natürlich gibt es Probleme. Und jetzt hier zu sagen, wir hätten über die Jahre eine gute Streitkultur entwickelt, wäre gelogen: Wir können uns auch ein paar Tage anschweigen.

Schnyder: Diego kann ziemlich streng mit sich und seinem Umfeld sein, weil er verdammt schnell im Kopf ist, ein enormes Fachwissen hat und zukunftsgerichtet denkt. Ich komme aus der Produktionsecke und versuche tagtäglich, pragmatisch die sinnvollste Lösung zu finden. Das gibt per se Reibungen, die man aushalten muss.

Bernardini: Aber wenn’s um einen Job geht, stehen wir beide auf der Matte.
(Beide lachen.)

Diego, du bist auch publizistisch aktiv – mit den Newslettern, dem Blog, und zudem schreibst du Bücher. Warum?
Bernardini: Ich schreibe gerne, und der Newsletter, der interessanterweise ziemlich erfolgreich ist, gibt mir eine Bühne, auf der ich gewisse Gedanken herausgelöst aus dem Agenturalltag ausformulieren kann. Es ist eine mittlerweile 16 Jahre alte Spielwiese mit unternehmerischem und technisch-philosophischem Charakter.

Wie hat sich die Branche in den letzten 25 Jahren verändert?
Bernardini: Reto?

Schnyder: Um diese Frage zu beantworten, brauchte es eigentlich einen ganzen Themenabend. Aber ja, es ist alles deutlich komplexer geworden – und das nicht nur aus Sicht der Technik, sondern auch in Bezug auf Design, Nutzerführung, Systeme, Abhängigkeiten, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten.

Bernardini: Schlimm (lacht).

Schnyder: Übelst (lacht)!

Bernardini: Als wir 2001 anfingen, ging es in erster Linie um Präsenz. In den 2010er-Jahren kamen Themen wie «Mobile first» dazu, Auffindbarkeit war eigentlich immer ein Thema, ebenso Geschwindigkeit und Sicherheit. Und die Geschäftsprozesse verändern sich kontinuierlich. Heute aber geht es vor allem um Relevanz und Verantwortung.

«KI wird vieles in der Erstellung und in der Automatisierung beschleunigen, aber sie reduziert die Komplexität nicht»

Wenn ihr heute zurückblickt: Worauf seid ihr am meisten stolz?
Schnyder: Dass wir heute sind, wo wir sind, dass wir optimistisch in die Zukunft blicken und unsere Mitarbeiter in Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Schweiz sich gerne mit B+S identifizieren. Und dass wir uns immer treu geblieben sind. Und dass wirklich viele Kunden schon sehr lange bei uns sind.

Bernardini:  Das war jetzt aber ein bisschen viel Werbung, Herr Schnyder. Du wolltest doch gar keine Werbung mehr machen.

Schnyder: Oh, stimmt, ’tschuldigung (lacht).

Bernardini: Wir haben das grosse Glück, dass unsere Wette auf die Zukunft bis heute aufgegangen ist. Und wir sind schuldenfrei.

Mit Blick nach vorn: Welche Rolle wird KI spielen?
Schnyder: KI wird vieles in der Erstellung und in der Automatisierung beschleunigen, aber sie reduziert die Komplexität nicht. Die Herausforderung bleibt dieselbe: Dinge so zu bauen, dass sie funktionieren, integrierbar sind und langfristig betrieben werden können.

Bernardini:  Ich sehe KI kurz- bis mittelfristig vor allem als Hebel: Die Technologie erlaubt Analysen in Echtzeit, und damit lassen sich Inhalte und Angebote personalisieren, was die Konversionsraten direkt beeinflusst. Die Anwendungsmöglichkeiten sind per Definition im digitalen Raum fast unendlich. Die Fragen bleiben aber immer dieselben: Was nützt es? Wo ist die Geschäftsrelevanz? Und wer verantwortet es? Dies mit Kunden herauszufinden, wird in den nächsten Jahren spannend werden – was uns tatsächlich wieder zu Relevanz und Verantwortung führt.


Das ausführliche Interview mit Diego Bernardini und Reto Schnyder ist in der persönlich-Printausgabe vom April erschienen.


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