07.05.2015

re:publica

Die Schweizer Online-Branche trifft sich in Berlin

Schweizer Teilnehmer über die Höhepunkte der grössten Digitalkonferenz Europas.
re:publica: Die Schweizer Online-Branche trifft sich in Berlin

Martin Sturzenegger, Bettina Werren, Christian Ginsig, Naomi Meran, Peter Hogenkamp, Mark Burow oder David Schäfer: Auch die Schweizer Digital-Avantgarde ist zahlreich nach Berlin an die re:publica gepilgert. Warum ist die mittlerweile europaweit grösste Internetkonferenz so inspirierend? Zum Abschluss am Donnerstag hat persoenlich.com einige Schweiz-Vertreter um Einschätzungen gebeten.

Martin Sturzenegger, Direktor Zürich Tourismus


"Primär geht es mir um ein konkretes Interesse für Zürich Tourismus: Wie könnten wir in Zürich alternative Kongressformate etablieren? Dabei ist neben dem Inhalt auch die Umsetzung des Anlasses interessant. Mich interessieren aber auch persönlich Veranstaltungen dieser Art: TEDxZurich oder Lift Conference in Genf sind häufig inspirierender als reine Branchenanlässe. Neben der generell lockeren Art und Weise und der offenen Gestaltung, hat mich in diesem Jahr das Referat von Gunter Dueck "Schwarmdummheit“ besonders inspiriert. Er lieferte eine interessante Sicht auf die heutigen Strukturen in der Arbeitswelt."

 

Bettina Werren, Leiterin Inszenierung im Raum (Eventmarketing und Regie), Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)


"Ich bin zum dritten Mal dabei. Für mich ist die re:publica jeweils ein 'Jungbrunnen für meine Gehirnwindungen'. Drei Aspekte sind für meine Teilnahme entscheidend: 

  1. Wissen, Markt- und Branchen-News
  2. Ideen und Inspiration, neue Denkansätze
  3. Networking

Besonders beeindruckend fand ich die Session 'Geteiltes Leid ist halbes Leid? - (Medien-)Ethik in der digitalen Sphäre'. Dabei ging es um die Grenze zwischen Aufklärung und Informationen zu einem Thema, um Persönlichkeitsschutz und um die Folgen für betroffene Protagonisten. Im Zentrum stand die Frage: "Werden wir als Multiplikatoren mit dem Teilen von Inhalten automatisch zu Handlangern?" (vgl. re-publica.de)

 

Justyna Grund, Senior Social Media & Community Manager bei Omnicom Media Group


"Austausch von innovativen Ideen, grossartige Speaker, tolle Menschen - und das drei Tage lang. Das ist die re:publica. Meine Erkenntnis: Wearable Fashion wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Es braucht aber noch Zeit, bis aus dieser Nische Mainstream wird. Es fehlen die Menschen, die sich damit befassen. Designer, die was von Technik verstehen sowie Ingenieure, die ein Kleid zeichnen können. Es braucht Menschen, die beide Gruppen connecten und beide Sprachen sprechen."

 

Christian Ginsig, stv. Leiter Medienstelle/Mediensprecher SBB


"Ich reise jährlich nach Berlin, weil keine andere Messe im deutschsprachigen Raum ein so vielfältiges Programm zur digitalen Entwicklung anbietet. Fragen zu Medienethik, Markt und Kommerz, Mobile Payment, digitale Überwachung, Kriegsberichterstattung, - die Bandbreite an Themen ist enorm. Und klar ist es spannend, den CEO von Netflix zu sehen, nur letztendlich sind es auch die kleinen Auftritte, welche inspirieren. Und wo traut man sich sonst als an der re:publica, beispielsweise auch offen über die digitale Nutzung von Pornografie und deren Abgründe zu diskutieren? Vertreter aller grossen deutschen Medienhäuser sind vor Ort. Gleichzeitig finden auch Kleinst- und Non-Profit-Projekte oder Start-Ups Beachtung. Es ist der Mix, welcher diese Messe so attraktiv macht. Weil die re:publica ganze drei Tage dauert, bietet die Messe auch genügend Platz für Gespräche, nicht zuletzt mit den zahlreich angereisten Schweizern."

 

Peter Hogenkamp, CEO von Newscron


"Ich weiss nicht mal genau, wie oft ich schon bei der re:publica war, ich glaube, ich habe nur zwei ausgelassen. Man kann sich der Konferenz auf zwei grundverschiedene Arten nähern: Indem man möglichst viele Vorträge und Sessions besucht, oder indem man einfach die ganze Zeit auf dem grossen Vorplatz steht und wartet, wer vorbeikommt. Beide Varianten funktionieren hervorragend, und ich nehme immer einen Mittelweg: ein paar Session, für die ich nicht viel optimiere, sondern mich etwas treiben lasse, plus viele Gespräche. Natürlich bin ich auch sonst regelmässig in Berlin, München und Hamburg (und sowieso sonst immer in Zürich), aber es ist trotzdem sehr praktisch, so viele Leute aus der Branche an einem Ort in gemütlicher Atmosphäre und mit einem Bier in der Hand zu treffen. So konnte ich am Mittwochabend Wolfgang Büchner hier in Berlin 'Willkommen in Zürich!' zurufen. Inhaltlich sind die Geschmäcker der Leute recht unterschiedlich. Der traditionelle re:publica-Publikumsliebling Gunter Dueck hat mich mit seinem unstrukturierten Vortrag eher enttäuscht. Zwar enthielt er ein paar gute Gedanken, die aber inmitten von systematischer Publikumsanbiederung einen schweren Stand hatten. Toll fand ich den Netflix-CEO Reed Hastings, der auf sehr persönliche Art seinen Weg vom Lehrer an einer Highschool zum CEO eines milliardenschweren Konzerns, wohl dem ersten buchstäblich weltweit agierenden Medienkonzern schilderte. Das fanden wiederum einige andere langweilig, aber das Publikum hier ist halt so differenziert, dass nicht jeder den Startup-Fokus hat. Mein schönster re:publica-Moment 2015 war, als eine alte Freundin, Sue Reindke, mir sagte: 'Dafür, dass Du den spiessigen Job nicht mehr hast, siehst Du aber immer noch genauso spiessig aus. Komm doch mal im T-Shirt!' Es ist gut, wenn man etwas zum Nachdenken mitnimmt, für die re:publica 2016."

 

Felix Unholz, Moderator bei FM1


"Mit einer Delegation von acht Leuten von Junge Journalisten Schweiz bin ich das erste Mal an der re:publica und begeistert von der lebendigen Atmosphäre. Einzige Kritik: Zu viele interessante Veranstaltungen gleichzeitig und zu lange Schlangen an den Essensständen. Interessant ist es, über journalistische Themen wie über den Umgang mit Breaking News auch mal in einem Workshop mit Nicht-Journalisten zu diskutieren."

Naomi Meran, Projektleitung & Beratung Nemuk


"Ich reise gerne an die re-publica (zum zweiten Mal erst), weil ich die entspannte und doch geschäftige Stimmung mag, weil ich die re-publica mich inspiriert, weil es einem den Blick etwas öffnet für neue Themen, weg von den eigenen Projekten, dem eigenen Screen hin zu einer einer übergreifenden Ebene. Mich interessieren vor allem auch mediengesellschaftliche Themen wie das Bild im medialen Wandeldie Abschaffung der Wahrheit, aber auch brillante Redner wie #Dueck und seine Schwarmdummheit. Und ganz privat natürlich auch das Foodbloggen. Es ist immer wieder auch ein Klassentreffen der Online-Branche. Weil ich Berlin mag."

 

Mark Burow, Creative Director Namics


"In meiner Arbeit berate ich Kunden, wie sie die Chancen der zunehmenden Digitalisierung für die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells nutzen können. Die Panels und Vorträge an der re:publica thematisieren intensiv, wie sich die digitale Transformation auf die Gesellschaft auswirkt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse helfen mir, den Blick für relevante Entwicklungen zu schärfen. Zwei Themen sind dieses Jahr besonders präsent: Einerseits wurde in den Vorträgen und Panels offensichtlich, dass die Bedeutung von Content weiter zunimmt. Dabei erwarten Adressaten zunehmend nicht nur relevante, sondern auch persönlich auf sie und ihren Kontext hin adaptierte Inhalte. Andererseits wird deutlich, dass die digitale Transformation in der Gesellschaft nicht erst stattfindet, sondern bereits stattgefunden hat. Es ist deshalb auch für Unternehmen besonders wichtig, dieser Entwicklung zu folgen."

 

David Schäfer, Gründer und Partner Somexcloud


"Die re:publica ist seit 2011 für mich eines der Highlights des Jahres: In Berlin kommt die Digital-Aventgarde zusammen und nimmt die Zukunft ins Visier. Schlüsselthemen der Digitalgesellschaft werden angesprochen: Der Schutz der Privatsphäre, Netzneutralität und allgemein, wie die digitale Vernetzung unser Leben fundamental verändert und weiter verändern wird. Wer sich für diese Themen grundsätzlich und nicht nur kommerziell interessiert ist, kommt voll auf seine Kosten."

Umfrage: Michèle Widmer und Edith Hollenstein

Bild ganz oben: Schweizer am Mittwoch in Berlin an der re:publica 2015 (Fotograf: Mike Flam)

 



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