24.01.2019

Geheimes Game in SBB-App

«Es geht um den Spass und die Spannung»

Die Entwickler haben sich einen Scherz erlaubt und ein verstecktes Mini-Spiel in die SBB-App geschmuggelt. Software-Ingenieur Marco Zimmermann war Teil des Hack-Teams von Ubique. Der 31-Jährige erklärt, wie das «Easter Egg» in die Anwendung kam.
Geheimes Game in SBB-App: «Es geht um den Spass und die Spannung»
Hat #catchthetrain für die iOS-Version der SBB-App umgesetzt und war Teil des «Easter Egg»-Hack-Teams von Ubique: Marco Zimmermann. (Bilder: zVg.)
von Christian Beck

Herr Zimmermann, wie fühlt man sich als Osterhase?
Wir sind ja eigentlich ein ganzes Osterhasen-Team. Hinter dem «Easter Egg» steckt das ganze Ubique-Team. Wir finden es natürlich cool, dass wir die Leute mit der SBB-App nicht nur an den richtigen Ort bringen, sondern auch noch ein kleines Spiel bieten, das den Leuten Spass macht.

Das Game #catchthetrain wurde von Ihrem Team in die SBB-App geschmuggelt (persoenlich.com berichtete). Wie lange musste das «Easter Egg», so nennt man solche versteckten Spiele, auf die Entdeckung warten?
Veröffentlicht wurde das Spiel in einem Update im Dezember 2018. Wir haben ein paar Tweets und Instagram-Posts dazu gemacht. Ausserdem gab es eine kleine Twitter-Gruppe, die dann das Game in der App auch gefunden hat. So richtig entdeckt wurde es am Dienstag von Radio Zürisee.

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K
önnen Sie nachverfolgen, wie viele User #catchthetrain schon gespielt haben?
Alleine am Dienstag wurde das Spiel über 43'000 Mal aufgerufen.

Wie entstand eigentlich die Idee – mit einem Bier in der Hand?
Wir bei Ubique haben regelmässig «Hack-Abende», wo wir uns am Abend treffen und zu Pizza und Bier hacken. Jeder entwickelt, was er gerade Lust hat. Das kann eine Büro-Webcam sein, automatisch gesteuerte Lounge-Musik in den WCs oder man probiert die neusten technologischen Möglichkeiten aus. An einem dieser Abende kam dann die Idee eines Games als «Easter Egg» für die SBB-App. Bei uns im Teamraum gab es ein grosses Brainstorming mit verschiedensten Game-Ideen. Dann wurden erste Prototypen implementiert, überlegt wo das «Easter Egg» versteckt sein soll und am Gameplay geschraubt.

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Und so wurden aus App-Entwickler Game-Programmierer…

Genau. Wir sind App-Entwickler, aber während des Studiums haben einige auch zum Spass ein paar Games programmiert. Daher kam die Idee für ein Game und eben auch, dass man dieses in einer App als «Easter Egg» einbauen könnte.

Die SBB sagt, sie hätte nichts von der Existenz dieses Spiels gewusst. Hand aufs Herz: War das wirklich nicht abgesprochen?
Wir entwickeln die ganze SBB-App bei Ubique und arbeiten seitens der SBB mit dem SBB-Mobile-Team zusammen. Sie wurden natürlich informiert, dass das Spiel integriert wird – und wir haben ihr OK abgeholt. Wir haben nämlich auch noch eine Spezialversion eingebaut für den abtretenden Director Digital Business der SBB und passionierten Gamer, Christof Zogg, der sich über dieses Abschiedsgeschenk sehr gefreut hat.

Und wie ist diese Spezialversion zu finden? Verraten Sie uns den Trick.
Diese Version wurde nie über den App-Store veröffentlicht.

Sie sagten, es gab nur einen kleinen Kreis von Involvierten. Wie hat die SBB offiziell reagiert?
Der SBB-Mediensprecher Reto Schärli wusste bis am Dienstag nichts vom Spiel, hat sich aber gegenüber Radio Zürisee sehr positiv geäussert.

«Das SBB-Mobile-Team war ja eingeweiht»

Hatten Sie keine Befürchtungen, mit dieser Aktion einen so grossen Kunden zu vergraulen?
Es wurde natürlich sichergestellt, dass die Experience der App für den Normalkunden nicht beeinträchtigt wird. Und das SBB-Mobile-Team war ja eingeweiht.

Und die Kosten für das Spiel wurden der SBB in Rechnung gestellt…
Das machen wir erst, wenn die App mehr zum Spielen als zum Ticketkaufen gebraucht wird (lacht).

Interessant ist auch der Song im Game. Er erinnert an den SBB-Gong vor Durchsagen an Bahnhöfen. Wie entstand diese Musik?
Der Song ist mit den gleichen Melodietönen komponiert wie die SBB-Durchsage: Es B B – C F F – F F Es. Dann haben wir das einfach noch tanzbar gemacht mit Bass und Beats.


«Erfunden» hat die Tonabfolge ja Werber Frank Bodin. Die tanzbare Version wurde mittlerweile bereits schon live aufgeführt…
Wir veranstalten jährlich ein Fest für Mitarbeiter und Freunde unserer Firma, an welchem die Ubique-Band als fester Bestandteil ihren Auftritt hat. Den Song hatten wir also schon früher gemacht, als Hommage an die SBB.


Entwickler verstecken gerne
«Easter Eggs». Warum eigentlich?
In früheren «Easter Eggs» ging es oft auch darum, seinen Namen irgendwo zu verewigen. Aber es geht hauptsächlich um den Spass und die Spannung: Finden es die Medien? Mögen es die User? Viele unserer Mitarbeiter haben es auch in ihren Weihnachtsgrüssen im letzten Jahr mitgesendet: Ein kleines Spiel als Mini-Geschenk.

Gibt es da so eine Art Wettbewerb unter den Entwicklern?
Wir finden es natürlich auch immer cool, versteckte Dinge von anderen Entwicklern zu finden. Es haben auch schon einige Leute richtig geraten, dass der Dinosaurier in #catchthetrain ein «Easter Egg» im «Easter Egg» ist: Ein Dino ist die Hauptfigur in einem versteckten Game des Chrome-Webbrowsers.

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Und programmieren Sie bereits das nächste
«Easter Egg»?
Das war sicher nicht unser letzter Hack-Abend. Wer weiss, die eine oder andere App hat vielleicht auch ein «Easter Egg» – oder bekommt noch eines…

Zurück zu #catchthetrain: Welches ist Ihr Highscore?
Ich bin bei 1184.



Die SBB-Mobile-App gibt es für iOS und Android.

 



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Kommentare

  • Christof Zogg, 24.01.2019 06:31 Uhr
    Ich kann bestätigen, dass ich mich sehr über dieses Abschiedsgeschenk gefreut habe. Und @Marco Zimmermann: Mein Highscore ist 1405 ;-). Christof Zogg, CEO Starticket (Ex Director Digital Business SBB)

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