18.01.2012

"Hildebrand hat die Schweizer sehr bewegt"

Wie heiss wird die Affäre Hildebrand oder die "Lex Weltwoche" auf Facebook diskutiert? Wer sind die Opinion-Leaders bei diesen Themen? Antworten bringen die Social-Media-Charts des Zürcher Unternehmens Netbreeze. Persoenlich.com wird diese Tabellen ab sofort in Artikel integrieren. Zum Start erklärt Netbreeze-CEO François Rüf seine innovative Technologie. Zum Interview:
"Hildebrand hat die Schweizer sehr bewegt"

Herr Rüf, persoenlich.com bindet ab sofort Netbreeze-Social-Media-Charts in ausgewählte Texte ein. Was bringt dies unseren Lesern?

Die Leser können sehr schnell in Erfahrung bringen, wie heiss eine Story im Netz diskutiert wird, wer aktiv daran teilnimmt und welche Aspekte aus der Sicht der Netzcommunity im Vordergrund stehen.

Ihr Tool schlägt eine Brücke zwischen journalistischen Texten und Social Media. Welche Zusammenhänge beobachten Sie hier?

Es gibt eine starke Wechselwirkung zwischen Zeitungsartikeln und der Diskussion in Sozialen Netzwerken. In der Regel setzen immer noch die Leitmedien wie "20 Minuten" oder "NZZ" die Themen. Die Sozialen Medien beeinflussen jedoch bereits heute stark den weiteren Verlauf einer Story.

Welche Themen erzeugen in Social Media besonders grosse Wirkung?

Einerseits die newsgetriebenen Themen wie die Katastrophe in Fukushima oder momentan der Rücktritt von Philipp Hildebrand. Je grösser das öffentliche Interesse ist, desto mehr wird über das Thema publiziert, dies bringt eine Art Spirale in Gang. Nicht zu unterschätzen sind Themen, welche die Community direkt betreffen wie z.B. aktuell der SOPA - Stop Online Piracy Act aus den USA.

Können Sie auch Akteure eruieren, die besonders grossen Einfluss auf die andere ausüben?

Ja, wir versuchen aus der Analyse von verschiedenen Faktoren, wie Anzahl Followers oder Anzahl Mentions, von einem Publisher herauszufinden, welchen Einfluss dieser hat und wie er sich über ein spezifisches Thema unterhält. Hier gibt es aber sicher noch Potential für die Zukunft. Wer die konkreten Opinion Leader sind, hängt wiederum stark vom Thema ab.

Konkret: Wer sind denn die Opinion-Leaders?

Okay, schauen wir uns die Hildebrand Story auf Twitter an. Da wären z.B @christof_moser oder @nggalai mit einem hohen Influencer Score und um die 50 Tweets zum Thema oder z.B. die Vielschreiber @kindlimann, @BObrist und @kueddeR mit zusammen über 400 Tweets.

Welche Beobachtungen machten Sie sonst noch bei der Affäre Hildebrand?

Es kommt in der Schweiz nicht oft vor, dass eine Story die Akteure im Social Web nicht nur zum Verlinken, Liken sondern regelrecht auch zum Schreiben bringt. Aus den Buzz-Charts liess sich sehr schön herauslesen, dass in diesem Fall die Netzcommunity aktiviert wurde. Das Thema Hildebrand hat die Schweizer sehr bewegt, viele schrieben etwa lange Posts auf Facebook oder in Kommentar-Foren. Im Fokus der Diskussion standen Philipp Hildebrand und Christoph Blocher - quasi Mann gegen Mann.

Wie gewährleisten Sie, dass Ihr Chart zum Stichwort Hildebrand ausschliesslich den für "Philipp Hildebrand" relevanten Social-Media-Traffic aufzeigt und nicht auch noch die Glanz&Gloria-Moderatorin "Sara Hildebrand" oder andere Personen mit gleichem Namen berücksichtigt?

Wir erlauben in der Suchkonfiguration das Auschliessen von Suchbegriffen, um dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Vollständig ausschliessen kann man es aber nicht, da z.B. auf Twitter häufig mit Abkürzungen operiert wird. Auch wenn ab und zu ein Post oder Tweet falsch selektiert wurde zeigt der Buzz Chart dennoch den richtigen Trend an.

Schwierig wird es dann aber bei "Freitag". Das kann ein Nachname, Wochentag oder ein Accessoire-Label sein.

Ja allerdings. In diesem Fall geht es nur mit sehr grossem Aufwand.

Was muss man bei der Interpretation sonst noch beachten?

Die Genauigkeit hängt von der Konfiguration des Suchauftrages ab, ähnlich wie bei einer Statistik. Wie bei allen automatisierten Systemen sollte man die Charts immer mit einem kritischen Blick betrachten. Ein Monitoring Anbieter kann nie die gesamte Diskussion abbilden. Denn vielleicht diskutieren die Leute auf ihren privaten Facebook-Accounts. Diese Diskussionen tauchen nicht in den Charts auf. Meist ist der Chart jedoch ein sehr guter Indikator, wie heiss eine Story diskutiert wird und in welchen Kanälen diese Diskussion primär stattfindet.

Social-Media-Analysen machen auch andere, Argus etwa.

Argus kommt vom Print-Pressclipping her - wir von der Analyse der Sozialen Medien. Vielfach ergänzen sich die Dienstleistungen eher, als Sie sich zu konkurrieren. Mit der Community Edition haben wir zusätzlich noch einen ganz anderen Weg eingeschlagen und bieten allen Interessierten eine kostenlose Möglichkeit unser Tool zu nutzen. Daraus ergeben sich auch andere, beispielsweise werbefinanzierte, Business Modelle.

Ihr Unternehmen wurde vor zwölf Jahren gegründet und beschäftigt mittlerweile 22 Mitarbeiter. Wie verdienen Sie Geld?

Wir bieten eine erweiterte, skalierbare Lösung für Unternehmen und Agenturen: die Enterprise Edition ComMonitor. Diese bietet zusätzliche Möglichkeiten in der Genauigkeit der Konfiguration und der Anzahl Sprachen. Interaktive Analysen, eine ausgereifte Tonalitätserkennung und Support runden dieses Angebot ab. Die gesamte Lösung wird als Software-as-a-Service (SaaS) betrieben und ist somit plattformunabhängig verfügbar. Wir positionieren uns ganz klar als Tool- und Technologieanbieter.

Was planen Sie 2012?

Der interessanteste Aspekt in den Sozialen Medien ist die Vernetzung von Inhalten und Personen. Der Trend zu mobiler Kommunikation und Augmented Reality wird dies weiter verstärken. Die Möglichkeit, diesen Sozialen Graphen auszuwerten und präzise Antworten auf Fragestellungen in der PR, dem Marketing oder der Produktentwicklung zu liefern ist unsere Herausforderung. Weiter sehen wir den Trend, Dialoge in den Sozialen Medien direkt in Unternehmensprozesse zu integrieren. Hier haben wir mit der Integration unserer Technologie in das CRM-System von Microsoft bereits einen ersten Schritt getan. Im 2012 planen wir einen wesentlichen Ausbau unserer Integrationsfähigkeit in Drittsysteme.

Wie stark sind Sie persönlich aktiv in Social Media?

Ich bin auf Facebook, Xing, LinkedIn und twittere über den netbreezech- und politradar-Account und schreibe ab und zu einen Blogpost, das macht etwa eineinhalb Stunden pro Tag. Der interessanteste Aspekt für mich ist, die richtigen Leute für eine Fragestellung innerhalb sehr kurzer Zeit ausfindig zu machen und sich auszutauschen.

Social-Media-Chart zu Hildebrand