14.10.2019

Facebook

«Nähe ist ein wichtiger Faktor für Vertrauen»

Das soziale Netzwerk ist in Zürich stark gewachsen, vor allem im Bereich AR und VR. Künftig sollen die Zürcher Teams noch weiter ausgebaut und um neue Tätigkeitsfelder erweitert werden. Facebooks Schweiz-Chef Tino Krause über seine Pläne, die Wahlen und den Zürichsee.
Facebook: «Nähe ist ein wichtiger Faktor für Vertrauen»
«Zürich ist eine tolle Stadt, ich liebe sie», sagt Tino Krause, Country Director DACH. (Bild: Facebook)
von Christian Beck

Herr Krause, Facebook baut in Zürich rasant aus. Eifern Sie Google nach?
Wir schauen weniger zu anderen Unternehmen, sondern eher, was uns der Schweizer Markt an Möglichkeiten bietet. 

Und trotzdem: Nach Google wird auch Facebook hier immer präsenter. Was macht Zürich so interessant?
Ich kann nur für Facebook sprechen: Für uns sind es ganz klar die Unternehmen hier vor Ort, einerseits die KMUs, andererseits Firmen wie Nestlé, Breitling oder Rolex. Solchen Firmen können wir helfen in der Schweiz zu wachsen, aber auch zu exportieren. Das ist für uns eigentlich am interessantesten.

Dann geht es bei Facebook nicht um die Nähe zur ETH, um so Ingenieure direkt ab Hochschule abzuwerben?
Das ist auch ein Grund, vor allem für den Bereich Oculus. Hier sind wir in der Vergangenheit gewachsen und werden dies auch weiterhin tun. Gleichzeitig werden wir uns nach vorne breiter aufstellen.

Was für Berufszweige werden in Zürich noch angesiedelt?
Vor allem Marketing, Berater, Kommunikationsexperten und E-Commerce-Spezialisten.

Facebook sucht das Gespräch mit mittelständischen Unternehmen. Wie sieht es aus mit Schweizer Medienhäusern?
Verleger, Medienhäuser und Publisher sind für uns weltweit wichtige Partner. Und natürlich tauschen wir uns mit denen auch aus, hören zu und überlegen, wie sie unsere Plattform nutzen können.

Ändert der Dialog, wenn man physisch in Zürich stärker präsent ist?
Daran glaube ich ganz fest. Lokale Nähe ist immer ein wichtiger Faktor für Vertrauen und damit letztendlich auch für die Geschäftsentwicklung.

«Wir glauben, dass Demokratie von Bürgerbeteiligung lebt»

In der Schweiz stehen ja die nationalen Wahlen vor der Tür. Facebook will den «Voter Button» auch in der Schweiz einführen. Was bringt das?
Wir glauben, dass Demokratie von Bürgerbeteiligung lebt. Wir haben diesen Button mittlerweile in 60 Ländern weltweit eingesetzt, zuletzt in Österreich oder in Israel. Und wir glauben, diese Erinnerung kurz vor der Wahl ist ein Beitrag von unserer Seite auch zur Demokratie.

Und wann kommt der «Voter Button»?
Wir sind gerade in Gesprächen mit den Behörden, um das abzustimmen.

Wie stark profitiert Facebook von den Schweizer Wahlen? Ich spreche da zum Beispiel Parteiwerbung an …
Davon profitieren wir nicht. Das sind verhältnismässig geringe Budgets. Was in diesem Zusammenhang aber wichtig ist, ist die Integrität der Wahlen: Da geht es nicht darum, wie viel Umsatz dabei herauskommt, sondern um Themen wie unser öffentliches Werbeanzeigen-Archiv. In der Schweiz ist dies ein freiwilliges Modell. 

Sprechen wir über den «Community City Guide Zurich», der am Donnerstagabend vorgestellt wurde (persoenlich.com berichtete). Was für einen Zweck verfolgt Facebook damit?
Wir wollen demonstrieren, was diese Facebook Communities eigentlich Wertvolles leisten. Jetzt bin ja kein Zürcher, für mich sind viele Themen dieser City ganz neu. Aber ich bin überzeugt, dass auch die Zürcher eine andere Ecke ihrer Stadt entdecken, die sie noch nicht kennen.

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Zürich ist jetzt die erste Stadt der Schweiz mit einem «Community City Guide». Warum Zürich und nicht Bern?
Weil wir hier unser Büro erweitern (lacht).

Und diese Büros sind von aussen immer noch kaum zu erkennen. Warum so diskret?
Da gibt es keinen Grund. Die einzige Erklärung dafür ist, dass es hier in der Vergangenheit ein Oculus-Büro gab und kein Facebook-Büro. Das hat sich ja erst kürzlich geändert.

Im Moment hat Facebook Platz für 200 Mitarbeiter. Wann verdrängen Sie die anderen Mieter im Haus, weil Sie noch mehr Platz benötigen?
Für die nächsten Jahre sind wir gut aufgestellt. Wir haben Platz für mehr als 200 Mitarbeiter – und da haben wir noch viel Raum zum Wachsen.

Sicher flanierten Sie auch schon durch Zürich. Was ist Ihnen aufgefallen?
Zürich ist eine tolle Stadt, ich liebe sie. Meine Schwester wohnt in Zürich, ich bin oft hier. Meine Lieblingsbeschäftigung ist, morgens am Zürichsee zu joggen.

Wenn Sie mit Ihrem Chef Mark Zuckerberg durch Zürich spazieren würden – was würden Sie ihm als Erstes zeigen?
Den See und dann unser Büro.

Wie gut kennt man eigentlich als Länderchef Mark Zuckerberg?
Sehr gut, weil er sich jede Woche vor die gesamte weltweite Mannschaft stellt und eine Q&A macht. Jeder kann seine Fragen stellen, und das macht ihn so persönlich wie man als CEO nur sein kann.

Aber das ist ja immer nur virtuell.
Wenn man in Menlo Park ist – und jeder weiss, wo er sitzt – kann man im Vorbeigehen einfach hingehen, er hört immer zu und gibt die Hand. Das habe ich selber schon gemacht.

«Ich war vom ersten Tag an begeistert von den Teams»

Sie sind nun seit neun Monaten Länderchef von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie haben Sie sich eingelebt?
Ich war vom ersten Tag an begeistert von den Teams. Man liest natürlich immer wieder zum Teil negative Berichterstattung. Aber ich muss sagen, die Teams sind partnerschaftlich. Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass die Dinge, die wir jetzt angehen – Stichwort: Privatsphäre auf Social Media –, genau die richtigen sind. Da sind viele Herausforderungen, die damit verbunden sind. Wir sind uns bewusst, dass wir Vertrauen zurückgewinnen müssen. Ich glaube aber, die Company und wir als Team sind auf dem richtigen Weg. Und für mich am wichtigsten und schönsten zu sehen: Alle Mitarbeiter ziehen an einem Strang und verfolgen dasselbe Ziel. Es macht super Spass hier zu arbeiten.  



Tino Krause war vor seinem Wechsel zu Facebook im Februar 2019 CEO des Mediaagenturnetzwerkes Mediacom in Deutschland. Zuvor war er bei MEC (heute Wavemaker),
Telefónica und Audi.



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