Nach monatelanger Ungewissheit wird nach dem deutlichen Nein zu «No Billag» am Abstimmungssonntag so manchem SRG-Mitarbeiter ein Stein vom Herzen gefallen sein. Knapp 72 Prozent lehnten die Vorlage ab (persoenlich.com berichtete). Bei den Moderatoren der Abstimmungssendungen war die Erleichterung spürbar, schreibt TV-Kritiker René Hildbrand. Schmückendes Beiwerk habe es allerdings nicht gegeben (persoenlich.com berichtete).
Genau so nüchtern, wie die Moderatoren vor der Kamera, zeigten sich die SRF-Vertreter auf Twitter und Facebook. Jubelschreie und Freudentaumel suchte man am Sonntag vergeblich. Die Rede ist von «Erleichterung» und «Dankbarkeit», aber noch mehr von einer «Verpflichtung» und einem «klaren Auftrag», den es jetzt umzusetzen gelte.
«Wir werden alles geben, um unseren Informationsauftrag auch in Zukunft gewissenhaft und respektvoll umzusetzen», schrieb SRF-Fernsehchefredaktor Tristan Brenn am Sonntag.
Grosse Erleichterung und Dankbarkeit: Das klare Nein zu#NoBillag ist ein starkes Bekenntnis zu öffentlichen Medien in der Schweiz. Wir werden alles geben, um unseren Informationsauftrag auch in Zukunft gewissenhaft und respektvoll umzusetzen.
— Tristan Brenn (@brenntr) 4. März 2018
«10vor10»-Moderator Arthur Honegger sprach von einer «Verpflichtung, Programm zu machen für alle im Land».
Das ist deutlich: 7 von 10 wollen öffentliche Medien in der Schweiz. Ein klarer Auftrag, eine klare Verpflichtung, Programm zu machen für alle im Land - auch alle, die heute anders gestimmt haben. #ServicePublic pic.twitter.com/IGtboRJCzN
— Arthur Honegger (@honegger) 4. März 2018
Urs Leuthard, der das Fernsehpublikum durch den Abstimmungssonntag führte, lobte die Schweiz als «einziges Land, in dem die Bürgerinnen und Bürger über den Service public abstimmen können».
Der mediale Service Public ist in allen Ländern unter Druck. Die Schweiz ist das einzige Land, in dem die Bürgerinnen und Bürger auch darüber abstimmen können. Deshalb ist deutliches Nein zu NoBillag eine einzigartige Legitimation des medialen Service Public.
— Urs Leuthard (@UrsLeuthard) 4. März 2018
Brüssel-Korrespondent Sebastian Ramspeck reagierte mit einem einfachen «danke».
71 Prozent. Ich sage: danke. @NoBillag @NoBillagNein @NoSendeschluss @non_nobillag @NoBillagNoCH #NEINzuNoBillag @ProBillag #abst18
— Sebastian Ramspeck (@SebRamspeck) 4. März 2018
Und «10vor10»-Moderatorin Susanne Wille wirkte mit einem «Ich freue mich über das Nein» fast schon wagemutig.
2. Hochrechnung: Danke. Ich freue mich über das Nein. Gleichzeitig nehme ich die Ja-Stimmen ernst. Sie verpflichten. Es reicht nicht, guten Journalismus zu machen. Ich will und muss weiterhin noch besser erklären, warum es unabhängig finanzierten Journalismus braucht.
— Susanne Wille (@willesusanne) 4. März 2018
Am Tag nach den Abstimmungen äusserte sich Wille auf Facebook etwas ausführlicher – aber in derselben Zurückhaltung: «Natürlich. Ich freue mich sehr über die Nein Stimmen heute. Und ich danke allen, die sich für die SRG eingesetzt haben. Aber ich nehme auch die Ja Stimmen sehr ernst. Sie haben gezeigt: Wir müssen uns bewegen, uns noch besser erklären.»
Während sich die einen mit nüchternen Dankes-Tweets zu Wort meldeten, blieben andere ganz still. «Arena»-Redaktionsleiter Jonas Projer zum Beispiel, der sonst auf Twitter gern rege diskutiert. «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz, der gerade kürzlich mit der Offenlegung seines Lohnes auf Facebook für Wirbel sorgte. Oder «Schweizaktuell»-Moderatorin Sabine Dahinden, die sich im November in einem Video auf Facebook hinter ihren Arbeitgeber gestellt hatte (persoenlich.com berichtete).
Hat SRF seinen Mitarbeitenden Anweisungen bezüglich der Kommunikations in den Sozialen Medien gegeben? Tatsächlich gab es bei SRF «Guidelines zum Verhalten am Abstimmungssonntag», wie Kommunikationschefin Andrea Hemmi auf Anfrage von persoenlich.com sagt. Die Empfehlung sei gewesen, sachlich und bescheiden zu bleiben. Denn viele, die Nein stimmten, sagten damit nicht vorbehaltlos Ja. An diese Richtlinien haben sich die SRF-Vertreter vorbildlich gehalten.
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06.03.2018 04:21 Uhr
06.03.2018 00:15 Uhr

