Das Online-Netzwerk Facebook hat den bislang grössten Börsengang eines Internetunternehmens eingeleitet. Mit dem erwarteten Schritt will Facebook rund fünf Milliarden Dollar einnehmen, wie am Mittwoch (Ortszeit) aus den eingereichten Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorging. Allerdings kann sich diese Summe noch erhöhen. Es ist üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und - falls genügend Nachfrage besteht - später den Preis erhöhen. Ein genauer Termin für die Neuemission steht noch nicht fest.
Wegen der angestrebten Börsennotierung musste Facebook erstmals Geschäftszahlen vorlegen. Die Firma wächst rasant und verdient auch Geld, vor allem mit Werbeeinnahmen: Im vergangenen Jahr blieben unterm Strich 1 Milliarde Dollar übrig, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin schon 229 Millionen Dollar. Der Umsatz lag zuletzt bei 3,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Facebook steuert auf den grössten Börsengang eines Internetunternehmens zu. Dem bisherigen Rekordhalter Google hatte der Erstauftritt an der Wall Street 2004 rund 1,9 Milliarden Dollar in die Kassen gespült.
Facebook gab die Zahl der Nutzer zum Stichtag 31. Dezember mit 845 Millionen an. Davon würden rund 483 Millionen täglich die Webseite besuchen. Facebook ist in fast allen Ländern das führende Online-Netzwerk, eine bedeutende Ausnahme ist vor allem Russland. China hat den Zugang zu Facebook gesperrt.
Gleich viel Wert wie McDonalds
Das "Wall Street Journal" hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass Facebook durch den Börsengang bis zu zehn Milliarden Dollar einnehmen wolle. Damit könnte das Unternehmen mit bis zu 100 Milliarden Dollar bewertet werden. Facebook hätte dann einen fast doppelt so hohen Börsenwert wie der Flugzeugbauer Boeing und wäre am Markt ungefähr genauso viel wert wie die Fast-Food-Kette McDonalds.
Bis zum eigentlichen Börsengang wird feststehen, ob sich Gründer Mark Zuckerberg selbst von Anteilen trennt. Er hält laut den Angaben aus dem Prospekt gut 28 Prozent der Anteile. Das gesamte Management kommt auf 70 Prozent, der Rest liegt bei Finanzinvestoren. Zuckerberg wollte die Kontrolle über sein Unternehmen lange nicht aus der Hand geben. Statt eines Börsengangs sammelte er in mehreren nicht öffentlichen Finanzierungsrunden Geld von grossen Investoren ein.
Internet-Phänomen
Facebook hat sich in nur acht Jahren zu einem Internet-Phänomen und wirtschaftlichen Schwergewicht entwickelt. Zuckerberg hatte das Online-Netzwerk Anfang 2004 als Student an der US-Elite-Uni Harvard gemeinsam mit Kommilitonen gegründet. Die digitale Vernetzung über Facebook hat das Nutzerverhalten im Internet in den vergangenen Jahren einschneidend verändert. Wegen seines Umgangs mit den privaten Daten der Nutzer steht das Unternehmen aber auch in der Kritik. (sda/dpa/afp)

