11.05.2026

20 Minuten

«Wie TikTok, aber mit verifizierten Inhalten»

Mit «20 Minuten Shorts» lanciert das Newsportal einen vertikalen Videofeed – eigens produziert, manuell kuratiert und auf ein junges Publikum ausgerichtet. Mark Luxenhofer, Product Manager Video, und Basil Honegger, Leiter Video News, über die Abgrenzung zu TikTok und Instagram, den Verzicht auf Pre-Roll-Werbung und die Pläne für Personalisierung.
20 Minuten: «Wie TikTok, aber mit verifizierten Inhalten»
Die Herren im Querformat entwickelten Videos im Hochformat für 20min.ch: Mark Luxenhofer (Product Manager Video) und Basil Honegger (Leiter Video News). (Bild: zVg/20 Minuten)

Was hat den Ausschlag gegeben, jetzt «20 Minuten Shorts» zu lancieren – und wie lange hat die Entwicklung gedauert?
Basil Honegger: Der Konsum von Newsinhalten wandelt sich stark. Die Userinnen und User wollen kurze, auf den Punkt gebrachte Inhalte mit der Möglichkeit zur Vertiefung, wenn sie sich stark für ein Thema interessieren. Zudem lesen vor allem junge Menschen immer weniger und konsumieren Inhalte als Videos. Der neue Reuters-Report zeigt, dass 73 Prozent der 18- bis 24-Jährigen auch heute schon Nachrichten in Form von vertikalen Videos konsumieren. Die Entwicklung dauerte rund ein halbes Jahr und umfasste mehrere Tests mit Nutzerinnen und Nutzern.

Das Format wurde inhouse entwickelt. Was waren die grössten Herausforderungen dabei?
Mark Luxenhofer: Das Nutzungsverhalten bei Short-Form-Inhalten ist stark von TikTok, YouTube & Co. geprägt. Für uns war deshalb klar, dass es nicht reicht, Inhalte einfach nur vertikal darzustellen. Wir wollten den Nutzerinnen und Nutzern ein reichhaltiges Storytelling sowie diverse Interaktionsmöglichkeiten bieten, wie Kommentare, den Wechsel zwischen Video und Text, doppelte Wiedergabegeschwindigkeit oder Likes. Die eigentliche Herausforderung ist nicht die Entwicklung eines vertikalen Video-Players, sondern eine User Experience zu schaffen, die konsequent auf kurze Inhalte optimiert ist. Deshalb entwickeln wir das Produkt laufend weiter.

Welche Nutzerin, welchen Nutzer haben Sie konkret im Blick – und wie unterscheidet sich diese Person von der klassischen 20-Minuten-Leserin?
Honegger: Unsere Shorts bieten eine alternative Möglichkeit, um Newsinhalte zu konsumieren. Sie ist auf ein junges Publikum ausgerichtet, welches mit TikTok, Instagram und YouTube aufgewachsen ist und es sich gewohnt ist, Newsinhalte als Vertical-Video zu konsumieren. Aber auch unsere Stammleserschaft findet sicher Gefallen daran, durch die Shorts zu swipen.

Blick hat vertikale Videos bereits im Herbst 2024 eingeführt, SRF im Dezember 2024. Was macht «20 Minuten Shorts» im Vergleich anders oder besser – können Sie das an konkreten Beispielen festmachen?
Honegger: Wir wollten unseren Userinnen und Usern nicht nur eine Ansammlung der Social-Media-Videos bieten und haben viel Zeit in die Entwicklung eines neuen Storytellings investiert, das für Vertical Video optimiert ist. Die meisten unserer Inhalte werden eigens für den Videofeed aufbereitet. Zudem wollen wir unsere Shorts zu einem integralen Bestandteil unseres App-Erlebnisses machen.
Luxenhofer: Genau, so gibt es schon zum Start mehrere Einstiegspunkte in den Vertical-Video-Feed und es kommen weitere dazu. Ziel ist eine Verschmelzung der Text- und Bildwelt, zwischen denen die Userinnen und User fluid hin- und herwechseln können. Kurz: Eine neue Art, News zu konsumieren.

SRF setzt auf redaktionelle Kuration statt Algorithmus. Wie handhaben Sie das bei 20 Minuten?
Honegger: Auch wir setzen zum Start auf eine manuelle Kuratierung der Shorts. Dies auch, um die Inhalte und die Reihenfolge der Inhalte nach publizistischen Kriterien zu gewichten.

Ist Personalisierung mittelfristig ein Thema?
Luxenhofer: Ja. Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Inhalte von 20 Minuten auch als Shorts zur Verfügung stehen. Ab einer gewissen Menge an Inhalten ist eine Personalisierung bei der Ausspielung der Inhalte sinnvoll und auch für die Userinnen und User ein klarer Mehrwert. Gleichzeitig wissen wir aus User-Interviews, dass die manuelle Kuratierung durch die Journalistinnen und Journalisten von 20 Minuten geschätzt wird. Dementsprechend werden wir beim Thema Personalisierung mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl vorgehen und beispielsweise sicherstellen, dass an den wichtigsten News des Tages trotz Personalisierung kein Weg vorbeiführt.

In der Mitteilung sprechen Sie von verifizierten Inhalten ohne Fake News. Ist das nicht eine Selbstverständlichkeit für ein Newsmedium?
Honegger: Das ist richtig für einen Newsanbieter, aber nicht für Social Media, wo die meisten Vertical-Videos konsumiert werden. Dort wimmelt es nur so von falschen und KI-generierten Inhalten. Genau das bereitet laut dem neusten Reuters-Report auch zwei Dritteln der jungen Erwachsenen Sorgen. Wir differenzieren uns klar von Social Media: Das beliebte Look and Feel von Big-Tech-Plattformen, aber mit verifizierten Inhalten von 20 Minuten.

Für die Produktion haben Sie ein neues, vierköpfiges Team aufgebaut. Sind das vier neue Stellen – oder wurden Leute intern umgeteilt?
Honegger: Wir haben zwei neue Stellen geschaffen und zwei Personen aus der Redaktion umgeteilt. Adriel Monostori führt das neue Team und sorgt für ein junges, dynamisches Storytelling bei unseren Shorts.

Wie viele Videos produziert das Team pro Tag, und wie gross ist das Angebot zum Start?
Honegger: Zu Beginn werden wir pro Tag rund 30 Videos in unseren Shorts zur Verfügung stellen. Sie sollen einen Überblick über die wichtigsten und besten Geschichten des Tages geben, dabei auch unterhalten und eine lustvolle Alternative des Newskonsums bieten.

Welche Werbeformate sind zum Start verfügbar?
Luxenhofer: Es sind zum Start vertikale Videowerbung und klassische Display-Ads verfügbar. Wir sind aber daran, weitere spezifische Werbeformate zu entwickeln. Wenn die Nutzerinnen und Nutzer vermehrt vertikale Videos konsumieren, folgt früher oder später auch der Werbemarkt. Dafür sind wir mit den Shorts nun bestens aufgestellt.

Muss ich als Nutzerin vor einem 7-Sekunden-Clip zuerst ein 30-sekündiges Pre-Roll anschauen?
Luxenhofer: Nein, ein solches Missverhältnis wollen wir unserem Publikum nicht antun. Wer den «20 Minuten Shorts» startet, sieht als erstes redaktionelle Inhalte. Die Werbungen sollen attraktiv anzuschauen sein und beim Publikum punkten. Nutzerinnen und Nutzer sollen frei navigieren können.

Auch Netflix setzt seit Kurzem auf Hochformat-Clips. Ist Vertical Video damit definitiv im Mainstream angekommen?
Honegger: Ja, definitiv. Vor allem bei kurzen Formaten und auf mobilen Geräten wird hauptsächlich vertikal konsumiert. Ein Video muss schon eine gewisse Länge haben, wie beispielsweise bei einer Reportage, damit ein User sein Handy dreht.


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