Der Telekomkonzern Swisscom und das Medienunternehmen Tamedia reichen sich im Übernahmekampf um die Publigroupe die Hand. Zusammen wollen sie mit Local.ch und Search.ch eine Schweizer Alternative zu Google entwickeln. Tamedia wird dabei die zweite Geige spielen.
Nachdem sowohl die Swisscom als auch Tamedia die Publigroupe je alleine hätten übernehmen wollen, haben sie sich laut Mitteilung vom Mittwoch jetzt auf eine Kooperation im Geschäft mit Verzeichnisdiensten geeinigt.
Damit beenden der Telekomkonzern und das Medienhaus ihren Bieterwettstreit. Dieser war ausgebrochen, nachdem die Medienvermarkterin Publigroupe ihr kriselndes Stammgeschäft mit Zeitungsanzeigen abgestossen hatte und als Filetstück Local.ch übrig geblieben war. Daran hielt die Swisscom bereits die Hälfte.
Tamedia wiederum besitzt 75 Prozent an Search.ch. Sie wird nun aber auch die restlichen 25 Prozent kaufen, die derzeit noch der Schweizerischen Post gehören. Tamedia werde eine bestehende Kaufoption ausüben und den Anteil der Post übernehmen, sagte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Laut der Kooperationsvereinbarung soll die Swisscom nun mittels Kaufangebot die Publigroupe übernehmen. Danach werden Swisscom und Tamedia die Unternehmen Local.ch und Search.ch in eine gemeinsame Tochtergesellschaft einbringen.
31 Prozent für Tamedia
Daran übernimmt die Swisscom die Mehrheit: Sie wird 69 Prozent an der gemeinsamen Tochtergesellschaft halten und das Unternehmen konsolidieren, sprich in die Bilanz aufnehmen. Tamedia erhält den restlichen Anteil von 31 Prozent.
Tamedia hat mit der Swisscom vereinbart, ihr Angebot nicht mehr zu erhöhen und ihre Publigroupe-Aktien der Swisscom anzudienen, falls deren Übernahmeangebot erfolgreich ist. Der Deal steht auch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden.
Tamedia hatte am 17. April ein öffentliches Kaufangebot für die Publigroupe zu 150 Franken je Aktie lanciert. Swisscom konterte am 16. Mai mit einer Offerte von 200 Franken pro Aktie - wobei das Angebot von Tamedia mittlerweile aufgrund eines Zukaufs eines Aktienpakets auf 190 Franken angestiegen war.
Mit 200 Fr. pro Aktie beläuft sich das Gesamtangebot auf 443,3 Mio. Franken. An der Börse wird nicht mehr mit einer Aufbesserung gerechnet: Nachdem der Titel in den letzten Tagen auf bis zu 214 Franken gestiegen war, sank er am Mittwoch um 4,5 Prozent auf 199,50 Franken. Vor dem Bieterwettkampf hatte der Kurs bei
bloss 105 Franken gelegen.
Schweizer Alternative zu Google
Mit der geplanten Kooperation entstehe die umfassendste Schweizer Verzeichnis- und Informationsplattform für Unternehmen, Privatpersonen sowie die öffentliche Hand, schreiben Swisscom und Tamedia. Sie wollen ihr Verzeichnisgeschäft zu einer "starken Schweizer Alternative zu Google weiter entwickeln".
Local.ch und Search.ch sollen aber als eigenständige Angebote weitergeführt werden. Eine Arbeitsgruppe werde nun Strukturen und Strategie erarbeiten, sagte Zimmer. Es sei zu früh, um Aussagen zu den Auswirkungen auf die Beschäftigten, die Leitungsgremien und die Standorte zu machen. Nicht nur im Aktionariat, auch im Verwaltungsrat werde die Swisscom über die Mehrheit verfügen.
Gemeinsam erreichen Local.ch und Search.ch pro Monat 4,8 Millionen Internetnutzer in der Schweiz. Zu Local.ch gehören neben der Onlineverzeichnisplattform Local.ch auch Telefonbücher. Der Such- und Informationsdienst Search.ch bietet unter anderem auch ein elektronisches Telefonbuch, eine interaktive Landkarte, einen Routenplaner, einen lokalen Wetterbericht sowie das Kinoprogramm.
Medienbeteiligungen stehen zum Verkauf
Wie bereits bekannt, will die Swisscom Minderheitsbeteiligungen der Publigroupe an den Medienunternehmen SNP Société Neuchâteloise de Presse, Südostschweiz Presse und Print sowie Rhône-Media verkaufen. Tamedia ist daran laut Konzernsprecher Zimmer nicht interessiert.
Dem angekündigten Verkauf der Publigroupe-Anteile an der FPH Freie Presse Holding an die NZZ-Gruppe wird sich Swisscom nicht widersetzen, wie es weiter hiess.
Verwaltungsrat von PubliGroupe prüft Abkommen
Der Verwaltungsrat von PubliGroupe hat vom angekündigten gemeinsamen Vorgehen von Swisscom und Tamedia Kenntnis genommen und hält fest, dass man in die entsprechenden Verhandlungen nicht eingebunden war, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung schreibt. Die Kooperation werde "im Rahmen der laufenden Kaufangebotsverfahren geprüft werden müssen".
Weiter hält der Verwaltungsrat von PubliGroupe fest, dass das vorgesehene gemeinsame Vorgehen von Swisscom und Tamedia den beiden Unternehmen im schweizerischen Verzeichnismarkt zu einer herausragenden Stellung und damit zu nachhaltigen Marktanteilsgewinnen und Effizienzsteigerungen verhelfen würde. Dies dürfte sich laut Mitteilung in einer höheren Bewertung des PubliGroupe-Anteils an local.ch niederschlagen.
Syndicom fordert Local.ch-GAV auch für Search.ch
Die Gewerkschaft Syndicom begrüsst das Ende des Bieterkampfs um Local.ch. Mit der überraschenden Einigung von Swisscom und Tamedia werde die Preistreiberei an der Börse beendet. Syndicom fordert, dass das neue Gemeinschaftsunternehmen dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) von Local.ch unterstellt wird.
Die klare Besitzstruktur mit der Aktienmehrheit von 69 Prozent bei Swisscom biete den Mitarbeitenden von Local.ch und Search.ch gute Zukunftsperspektiven, dem GAV von Local.ch unterstellt zu werden und so von guten Arbeitsbedingungen zu profitieren, schreibt die Gewerkschaft in einer Mitteilung vom Mittwoch.
Syndicom appellierte an Tamedia und Swisscom, die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden wahrzunehmen und keinen Stellenabbau vorzunehmen. Sämtlichen Mitarbeitenden von Search.ch und Local.ch müssten gleichwertig weiterbeschäftigt werden. (sda/pd)
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