09.04.2013

Google

Youtube-Schweiz ist live

Patrick Warnking über die neuen Werbeformen und Klickzahlenbetrug.
Google: Youtube-Schweiz ist live

Youtube.ch ist lanciert: Ab sofort kann man eigene Videos auf die Schweizer Version von Youtube laden und sie am Werbemarkt verkaufen (vgl. persoenlich.com). Mit diesem Schritt wird erneut deutlich: Nicht nur für Apple oder Facebook – auch für Youtube-Besitzerin Google ist die Schweiz ein lohnender Markt. Was bringt die helvetische Youtube-Version? Details im Interview, welches persoenlich.com exklusiv mit Patrick Warnking, Länderchef von Google-Schweiz, geführt hatte:

Herr Warnking, Google lancierte am Dienstagmorgen youtube.ch. Was bringt der neue Kanal der Schweizer Werbebranche?
Unternehmen, also die Werbeauftraggeber, und ihre Agenturen können jetzt ihre Präsenz auf Youtube verbessern. Sie können auf youtube.ch einen eigenen Marken-Kanal eröffnen, den die Nutzer abonnieren und regelmässig Informationen erhalten können. Zudem gibt es Werbeformate direkt auf der youtube.ch-Homepage, sowie neuartige Video-Werbeformate.

Was müssen Unternehmen oder ihre Agenturen tun, um den bestehenden youtube.com-Kanal zu youtube.ch zu verschieben?
Es muss nichts unternommen werden, denn ab dem Launchzeitpunkt wird jeder Nutzer, der mit einer Schweizer IP-Adresse auf YouTube zugreift, automatisch auf YouTube.ch verlinkt. Auf der neuen lokalen Webseite können Schweizer Nutzer somit einfacher und schneller Videos aus ihrer Heimat entdecken und mit Menschen in aller Welt teilen. Videos, die in der Schweiz am häufigsten angesehen werden und solche, die am schnellsten an Popularität gewinnen, werden direkt auf der Homepage angezeigt.

Was ändert sich sonst noch für Unternehmen, die einen eigenen Markenkanal betreiben?
Unternehmen mit eigenem Youtube-Kanal wollen diesen natürlich auch erfolgreich machen. Dessen Reichweite können sie erhöhen, wenn auf Youtube platzierte Werbung direkt zum Kanal hinverlinkt. Dies wird mit dem neuen Schweiz-Angebot nun einfacher, denn bisher musste der Nutzer aktiv nach einem Kanal suchen, um ihn zu finden, daher musste er ihn kennen.  Das heisst: Kanäle mit tiefer Bekanntheit waren so gesehen im Nachteil. Zukunft können die Marken zusätzlich auf Youtube Werbung schalten und darin direkt auf ihren Youtube-Kanal verlinken. Der Kanal wird dann viel öfter gefunden und kann damit viel erfolgreicher sein.

Joiz nutzt bisher Youtube.com, 20 Minuten ebenfalls, aber auch Tagesanzeiger oder NZZ-Format. Was ändert sich mit youtube.ch für diese Medienhäuser?
Diese Medienhäuser können bilateral Partner im YouTube-Partnerprogramm werden und ihre Videos für eine Vermarktung freigeben. Nur dann werden diese vermarktet und Einnahmen können geteilt werden.

Gibt es für Verlage Möglichkeiten selber Werbung zu schalten, ohne dass Sie einen Teil der Einnahmen mit Google, resp. Youtube teilen müssen?
Nein, denn im Rahmen einer Partnerschaft werden die Werbeeinnahmen fair geteilt.

Was heisst das konkret: Wie kann man auf Youtube werben?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten auf der neuen Schweizer Youtube-Plattform. Eine erste Variante ist, auf unserer Homepage youtube.ch für 24 Stunden Werbung zu schalten: Dieses sogenannte “Masthead”-Werbeformat bringt der Marke eine sehr hohe Reichweite. Als Zweites kann man Werbung schalten, wenn ein Nutzer auf Youtube nach Unterhaltung und Produkten . So können Schweizer Werbeauftraggeber mit dem TrueView-Format ab sofort relevante Video-Werbeclips neben den Youtube-Such-Ergebnissen schalten. Als Drittes können Werbeauftraggeber mit Nutzern in Kontakt treten, wenn diese sich Videos anschauen. Diese In-Display-Werbe-Clips können als Pre-Roll vor die Videos geschaltet werden. Die Besonderheit auf Youtube ist, dass die Benutzer selber entscheiden, ob sie die Werbung anschauen wollen oder nicht. Dies bringt zwei Vorteile: Zum einen schauen Zuschauer die Werbung sehr bewusst, denn sie könnten sie ja auch einfach überspringen. So schauen Zuschauer diejenige Werbung, die sie auch wirklich interessiert. Die Markenbotschaft kann so viel besser transportiert werden. Zum anderen muss der Werbetreibende nur dann zahlen, wenn die Werbung auch tatsächlich angeklickt wird. Man zahlt also nur die Werbung, die auch tatsächlich gesehen wird.

Wie teuer ist z.B. eine solche “Masthead“-Schaltung?
Das einfache Format für diesen Homepage-Banner kostet 16'000 Franken pro Tag, die grössere Version kostet 20'500 Franken. Doch die Preise variieren stark, je nach Art der Kampagne und Zielsetzung.

Und wie teuer sind Pre-Roll-Schaltungen?
Dieses Werbeformat wird nach TKP (Tausender-Kontaktreis) abgerechnet und hängt von verschiedenen Optionen ab.

Wie aus dem letzten Jahresbericht von Mediafokus hervor geht, setzte Google allein mit Suchmaschinen-Werbung letztes Jahr 210 Millionen Franken um, Google-Display-Werbung ist hier noch nicht eingerechnet und auch die Umsätze von Youtube nicht. Wie wird Youtube die Verteilung der Schweizer Werbegelder weiterhin beeinflussen?
Diese Zahlen von Mediafokus sind Schätzungen und keine offiziellen Zahlen von Google, denn grundsätzlich kommunizieren wir nur weltweite Zahlen. Wir denken, dass youtube.ch für Werbeauftraggeber in der Schweiz eine zusätzliche Werbemöglichkeit darstellt, die den Marketing-Mix um eine attraktive Komponente erweitert. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass in Verbindung mit TV-Werbung eine Steigerung der Werbewirksamkeit einer Kampagne erzielt werden kann.

Schweizer Künstler, die bei der Suisa angemeldet sind, dürfen vor ihren Clips gar keine Werbeschaltungen platzieren und können somit ihre Beiträge nicht monetarisieren. Wird dies weiterhin so bleiben?
Youtube ist ebenso wie die Suisa der festen Überzeugung, dass Rechteinhaber und Musikschaffende von ihrer kreativen Arbeit auf Youtube profitieren sollen. Wir haben Dutzende von Verträgen mit Verwertungsgesellschaften für mehr als 40 Länder geschlossen, weil wir Musikschaffenden dadurch zu einer wichtigen Einnahmequelle verhelfen und wir Künstlern eine Plattform bieten, um entdeckt und bekannt zu werden. Wir befinden uns momentan in guten Gesprächen mit der Suisa und sind zuversichtlich zu einer Einigung zu kommen.

In Deutschland musste Youtube gewisse Videos sperren, weil die Vergütungsfrage nicht geklärt ist.
Die Schweizer Nutzer werden weiterhin auf Youtube sämtliche Inhalte – inklusive Musik – nutzen können. Wir werden aber natürlich ausschliesslich diejenigen Videos vermarkten, bei denen die Rechte 100-prozentig geklärt sind.

Wann genau erfolgt diese Rechteklärung: Bei jeder einzelnen Aufschaltung, bei Werbeinteresse oder erst wenn eine Beanstandung vorliegt?
Gundsätzlich klären die Inhalteanbieter die Rechte für ihre Videos selbst und versichern uns im Rahmen des Partnerprogramms, dass diese geklärt sind. Sobald dies erfolgt ist, können Inhalte durch Werbeschaltung monetarisiert werden.

Ein vieldiskutiertes Thema sind Manipulationen bei den Klickzahlen: Wie verhindern Sie eingekaufte Youtube-Klicks?
Wir haben weltweit ein Team aufgebaut, dass sich um dieses Thema kümmert. So können wir Klickzahlen-Manipulationen weitgehend verhindern. Jeder, der bei uns Urheberrechte oder andere Gesetze manipuliert, wird von der Plattform ausgeschlossen. Klar, Klickbetrug können wir so nicht vollständig ausschliessen. Doch wenn wir Kenntnisse von solchen Praktiken gegen unsere Richtlinien haben, schliessen wir natürlich diese Personen oder Organisationen von Youtube aus.

Sie ergreifen also erst Massnahmen, wenn von aussen der Verdacht auf Betrug an Sie herangetragen wird.
Nein, so ist es nicht. Wenn wir feststellen, dass ein Video plötzlich übermässig viele Klicks aus einem Land generiert, das gar keinen Zusammenhang mit dem Urheber hat, gehen wir dem schon nach. Wir arbeiten hart daran, dass Klickzahlen-Manipulation nicht vorkommt, doch ausschliessen können wir dies natürlich nicht.

Mussten Sie für den neuen Dienst youtube.ch. ein eigenes Team aufbauen? Wie gross ist es?
Wir haben hier in der Schweiz bereits ein Team, das natürlich auch bestrebt ist, die Schweizer Kunden und Agenturen zum neuen Thema Youtube-Werbemöglichkeiten zu betreuen. Des Weiteren ist Zürich ein wichtiger Entwicklungs-Standort für Youtube, es werden einige Features der Plattform hier lokal in Zürich für die ganze Welt entwickelt.

Diese Antwort ist nicht sehr konkret. Wie viele Mitarbeiter umfasst das youtube.ch-Team?
Details möchten wir hierzu keine bekannt geben. Doch klar, wenn man einen solchen Dienst lanciert, muss man auch die nötigen Ressourcen bereitstellen.

Als eine der ersten Online-Werbekampagnen wurde am Dienstag diejenige von Allianz auf youtube.ch platziert (persoenlich.com berichtete). Wie kam es zur Zusammenarbeit und warum eignet sich diese Kampagne, um exemplarisch das Potential von Youtube-Schweiz aufzuzeigen?
Einzelne Buchungsvereinbarungen wollen wir lieber nicht kommentieren.

 

True-View-Video-Werbung:

 

Wie Unternehmen ihre Marke über Youtube aufbauen können:

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Werbeformen finden Sie auf youtube.com/advertise.

Interview: Edith Hollenstein



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