110 kurze, mittellange und lange Dokumentarfilme sind im Rennen um die Wettbewerbspreise des internationalen Filmfestivals "Visions du Réel", das vom 20. bis 27. April in Nyon VD stattfindet. Festivaldirektor Luciano Barisone hofft auf 30'000 Besucherinnen und Besucher. 21'000 Eintritte wurde beim letzten Festival verzeichnet. Nicht zuletzt dank der Möglichkeit, nicht nur vor dem Festival Billette im Internet zu kaufen, sollte die Besucherzahl deutlich erhöht werden können. Das sagte Philippe Clivaz, Generalsekretär des Festivals, am Donnerstag bei der Programmpräsentation in Zürich.
Eröffnet wird das Festival mit dem Film "L'ombrello di Beatocello" von Georges Gachot über den Zürcher Arzt und Musiker Beat Richner, der in Kambodscha das Kinderspital Kantha Bopha aufbaute. Dass weitere 22 Schweizer Filme ausgewählt wurden sei ein Zeichen für die hohe Qualität des einheimischen Filmschaffens. Zahlreiche Produktionen kommen auch aus Deutschland und Frankreich. Insgesamt sind laut Barisone 47 Produktionsländer am Festival vertreten. Die Filme von "Vision du Réel" sollen Emotionen auslösen und das Publikum zum denken, weinen und lachen bringen, sagte der Festivaldirektor. Seiner Meinung nach sind Dokumentarfilme die originärste und zugleich zugänglichste Form der zeitgenössischen Kunst.
Das Hauptthema der 2012er Ausgabe des wichtigsten Dokumentarfilmfestivals der Schweiz ist laut Barisone der Übergang. Dieser könne aus politischer, sozialer oder wirtschaftlicher Optik betrachtet werden, aber auch aus menschlicher und persönlicher. Die Werte der Welt änderten sich und das Kino könne nicht anders, als Zeuge davon zu sein.
Mehr als drei Viertel der Filme in den Wettbewerben sind Welt- oder internationale Premieren, also bisher höchstens im Produktionsland schon gezeigt worden. Insgesamt hatten der Festivaldirektor, die Auswahlkommission und die Festivalkorrespondenten nahezu 3500 Filme gesichtet. Neben den 110 Filmen in den Wettbewerbssektionen werden zahlreiche Arbeiten in den Ateliers, Sonderprogrammen sowie den Sektionen Focus und Port Franc gezeigt.
Als Vorpremiere vor dem Festival wird am 19. April "D'une jungle à l'autre" von Raymond Vouillamoz gezeigt, ein innovatives Experiment in Form einer Dokumentar- Serie von sechs mal 30 Minuten über ein therapeutisches Abenteur in Französisch- Guayana. Am Tag nach dem Festivalende gibt es neu eine Auswahl von preisgekrönten Filmen zu sehen. (sda)

