13.06.2023

Wow Museum

«Das Museum entstand aus einer Schnapsidee»

Das Museum der Illusionen und optischen Täuschungen feiert nicht nur sein dreijähriges Jubiläum, sondern expandiert auch nach München. In einem Interview äussert sich die Inhaberin Vanessa Kammermann zur Vergangenheit und der Zukunft des Wow Museums.
Wow Museum: «Das Museum entstand aus einer Schnapsidee»
«Hätte ich jemals einen Zweifel gehabt, hätte ich nie das Projekt gestartet», sagt Vanessa Kammermann, die Inhaberin des Wow Museums. (Bild: Sabine Biedermann)
von Yuliya Khandozhko

Vanessa Kammermann, das von Ihnen gegründete Wow Museum wird dreijährig. Wie feiern Sie?
Mit einem Sommerfest, wo es um den persönlichen Austausch, aber auch Innehalten geht. Unser Lieblingssänger William White tritt auf, damit wir etwas zur Ruhe kommen können nach drei verrückten Jahren.

Sie eröffneten am 10. Juni 2020 – mitten in der Pandemie (persoenlich.com berichtete). War das sinnvoll?
Wir hatten keine andere Wahl. Die Eröffnung war ja schon für den 1. April 2020 angedacht. Das Geld war aufgebraucht, das Personal war vorhanden. Also musste es losgehen. Und ja, der Entscheid entpuppte sich als absolut sinnvoll.

Hätten Sie damals, als die Coronapandemie ausbrach, überhaupt geglaubt, dass das Museum so lange existieren wird?
Natürlich! Hätte ich jemals einen Zweifel gehabt, hätte ich nie das Projekt gestartet. Wir haben ja unser komplettes Gespartes investiert – und somit alles auf ein Pferd gesetzt.

«Und mein Mann dachte: ‹Zürich könnte Illusionen gebrauchen.›»

Sie eröffnen bald ein zweites Wow Museum in München. Wieso gerade in München?
Weil sich das gut ergeben hat und wir per Zufall eine sehr zentrale Location gefunden haben. Andere Orte haben sich als Zangengeburt aufgetan, also liessen wir lieber die Finger davon.

Wie wird sich der Münchner Ableger vom Zürcher Museum unterscheiden?
Es wird sich definitiv unterscheiden, aber Details kennen wir selber noch nicht. Die spannendste und tollste Zeit der Planung – die kreative Phase mit der Zürcher Agentur Aroma – startet jetzt.

Vor einem Jahr wurde die digitale «Wow City Rally» lanciert. Wird es auch eine «Wow City Rally» München geben?
Das überlegen wir uns auch noch. Sinn würde es definitiv machen, da es so etwas noch nicht in München gibt und die Stadt viel Potenzial bietet.

Blenden wir zurück: Wie ist die Idee zum Wow Museum überhaupt entstanden?
Das war eine Schnapsidee meines Mannes, die dann zur Idee heranreifte, als wir auf der Suche nach einer Alternative zum normalen Arbeitsleben waren. Wir waren beide auf Jobsuche und haben mit bereits drei Kindern aus der Not eine Tugend gemacht. In Neuseeland hatten wir einige Jahre vorher etwas mit Illusionen gesehen, was uns sehr fasziniert hat, und mein Mann dachte: «Zürich könnte Illusionen gebrauchen». Und irgendwie kam dann eins zum anderen, und alle Türen gingen auf: die ZKB, die uns einen Kredit zusicherte, die Location in bester Lage und Aroma als Agentur. So war unser Puzzle komplett – und perfekt. Da mussten wir einfach weitermachen und die Chance ergreifen. Hätte es jemals einen Stolperstein gegeben, hätten wir das Projekt nicht gemacht.

«Lehrreiches mit Spass verbinden und dann noch Erinnerungsfotos machen, was wünscht man sich mehr.»

Wie kam die Partnerschaft mit der Agentur Aroma zustande?
Beim Bier bei lieben Freunden, deren Mann bei Aroma gearbeitet hat. Wir haben ihnen von der Idee erzählt, ich meinte aber, dass die Komplexität des Projekts viel zu gross sei und wir mit vier Kindern niemals selber kuratieren und umbauen könnten. Sie meinten dann, dass Aroma das alles kann.

Und wie kam es zu der Idee, die Besucher mit dem Smartphone durch das Museum zu leiten?
Das kam dann von Aroma, weil es ja «Wow» und speziell sein sollte. Sie brachten dann die Zürcher Firma -Naut ins Spiel.

Zum Thema Smartphone: Wie finden Sie es, wenn das Wow Museum als «instagramtaugliches Museum» betitelt wird?
Das finde ich super. Ziel erreicht – das entspricht dem Zeitgeist. Edutainment pur! Lehrreiches mit Spass verbinden und dann noch Erinnerungsfotos machen, was wünscht man sich mehr.

Welcher Raum gefällt Ihnen persönlich am besten?
Der Infinity Room mit seinen 70'000 programmierten LED-Lampen und den drei verschiedenen Musikshows.

Was fotografieren Sie am liebsten?
Den Morph, der in Zusammenarbeit zwischen der ZHdK, der Zürcher Künstlerin Nadja Crosina und Aroma entstanden ist, da sein Licht sekündlich wechselt und er immer wieder anders aussieht.

«We go with the flow – wie seit jeher.»

Sind die meisten Besucher des Museums klassische Besucher – oder kommen viele nur für Insta-Bilder?
Was sind schon klassische Besucher? Wir sind ein Museum für alle – von Jung bis Alt und für alle Bildungsschichten. Dass viele Insta-Bilder geschossen werden, ist selbstverständlich. Ausschliesslich für Insta-Fotos kommen geschätzt 20 bis 30 Prozent der Besucherinnen und Besucher.

Was fotografieren Sie allgemein am liebsten?
Meine Lieblingsobjekte sind definitiv meine vier Kinder, wenn sie gerade irgendeinen Quatsch machen.

Was reizt Firmen, das Wow Museum als Schauplatz für Shootings und Videodrehs zu nutzen?
Die zwölf verschiedenen und total bunten Erlebnisräume eignen sich natürlich super als Kulisse und Hintergrund. Daher ist das natürlich spannend und gefragt für Shootings und Videodrehs.

Blicken wir nun in die Zukunft: Wie sieht die weitere Entwicklung des Wow Museums / der Museen in naher und nicht so naher Zukunft aus?
We go with the flow – wie seit jeher. Wir spüren, was die Zeit so bringt und wohin es uns verschlägt. Wer hätte schon vor zehn Jahren geahnt, dass ich mal vierfache Mama und Museumsinhaberin sein werde. Je nachdem, was sich ergibt und welche Chancen sich auftun, sind wir dabei.


Das Wow Museum in der Nähe des Hauptbahnhofs Zürich lockt jährlich 100'000 Besucherinnen und Besucher an, die in den zwölf Räumen auf drei Stockwerken mit Illusionen und optischer Täuschung experimentieren können. Zudem bietet das Museum mit der «Wow City Rally» eine Stadttour an, bei der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Smartphone Illusionen in der Stadt selber entdecken können.



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