15.11.2022

Roman Kilchsperger

«Die Katar-Hetze ist Heuchelei»

Radio-Energy- und Blue-Moderator Roman Kilchsperger besucht privat die Fussball-Weltmeisterschaft in Katar. Der Fussballexperte über die Berichterstattung der Medien und die Missstände vor Ort.
Roman Kilchsperger: «Die Katar-Hetze ist Heuchelei»
«Irgendwann drückt man dann auch ok, dass man während des Aufenthalts geortet und kontrolliert werden darf»: der Moderator Roman Kilchsperger. (Bild: Keystone/Walter Bieri)
von Matthias Ackeret

Herr Kilchsperger, Sie reisen nun nach Katar. Beruflich oder als Fan?
Ich habe beides dabei: Mikrofon und Badehose. Meine Hauptroute wird wohl Pool-Stadion-Pool werden. Und morgens schalte ich mich in die Morgenshow von Energy Zürich ein.

Ist es überhaupt schwierig, nach Katar zu kommen?
Das Einzige, was man ohne Segen des Emirs buchen kann, ist der Flug nach Doha. Von da an wirds schwieriger. Ohne Hayya-Card geht gar nichts. Die bekommt man aber erst, wenn man Ticketnummern, Hotelbestätigung und diverses Privates offenlegt. Irgendwann drückt man dann auch ok, dass man während des Aufenthalts geortet und kontrolliert werden darf. Geht für mich in Ordnung.

Können Sie diese Kritik nachvollziehen?
Die WM 1978 in Argentinien war die erste, die ich miterlebt habe. Schon damals gab es Boykott-Aufrufe, weil quasi hinter dem Stadion Menschen exekutiert wurden, die der militärischen Diktatur nicht hörig waren. Seither wurden alle WMs gekauft. Selbst der Märchensommer in Deutschland. Zuletzt Russland. Und die TV-Sender haben immer noch höhere Millionenbeträge bezahlt, um die Turniere zu übertragen. Ihre Katar-Hetze ist darum Heuchelei.

Dann stören Sie die homophoben und frauenfeindlichen Aussagen aus Katar nicht?
Doch natürlich. Sie sind an Dummheit nicht zu überbieten. Aber wie war das bei unserer WM 1954? Bis zum Frauenstimmrecht ging es dann nochmals knapp 20 Jahre. Ein halbes Jahrhundert nach Aserbaidschan oder Kenia. Und erst seit Juli dieses Jahres dürfen Männer Männer heiraten. Also, wir sind nicht die, die mit dem Finger zeigen sollten.

Trotzdem sollen die Medien doch auf die Missstände vor Ort hinweisen.
Ja klar, sollen sie. Hätten sie aber auch schon die vergangenen zehn Jahre seit der Vergabe tun können. Oder als Roger Federer bei den Tennis-Turnieren in Doha Millionen verdiente.

Wie viele Weltmeisterschaften haben Sie bis jetzt besucht?
Nicht so viele. Ich war 1998 in Frankreich. 2006 in Deutschland und 2018 in Moskau. Ich bin also eher unerfahren.

Welche Chancen geben Sie den Schweizern?
Ich bin zuversichtlich, falls wir das Startspiel gegen Kamerun gewinnen. In der Mittagshitze gegen Onana, Mbeumo, Choupo-Moting. Auch die Schweiz-Kenner Nsame und Ngamaleu kicken dort mit. Das wird mehr als nur ein Aufgalopp.

Und die obligate Schlussfrage an den Fussballexperten: Wer wird überhaupt Weltmeister?
Ich nehme Brasilien. Die sind nach 20 Jahren wieder mal an der Reihe.



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