29.01.2019

Schweizer Journalist 2018

Eine Preisverleihung ohne Chefredaktor

Die im Dezember ausgezeichneten «Journalisten des Jahres» sind am Montagabend geehrt worden. Dabei glänzten viele Preisträger mit Abwesenheit. Für Irritation im Publikum sorgte das Fernbleiben von Noch-Chefredaktor Kurt W. Zimmermann.
von Anna Sterchi

Lukas Hässig ist am Montagabend vor rund 150 Medienschaffenden als «Journalist des Jahres 2018» geehrt worden. Noch nie habe eine Journalistin oder ein Journalist die Online-Abstimmung mit einem so grossen Vorsprung gewonnen wie der Herausgeber von «Inside Paradeplatz», erklärte Moderatorin Manuela Paganini, Präsidentin der Jungen Journalisten Schweiz.

Johann Oberauer, der Verleger des Fachmagazins «Schweizer Journalist», begrüsste die Journalistinnen und PR-Fachleute im Museum für Gestaltung in Zürich. Anschliessend folgte Gerhard Pfister – zuletzt für seine Rede an der Dreikönigstagung gelobt – mit seiner Keynote «Im digitalen Panoptikum». Kritisch merkte der CVP-Präsident an, dass der digitale Journalismus zu einem selbstreferenziellen Produzieren von Inhalten werde. Das Selbstkritische nehme ab.

SJ_Pfister

Kritisch war auch die Frage von Michèle Binswanger, die als «Gesellschaftsjournalistin des Jahres 2018» ausgezeichnet wurde. Vor versammelter Menge wollte sie von der Moderatorin wissen, wo Kurt W. Zimmermann stecke, er gehöre schliesslich an diese Veranstaltung. Schon zuvor beim Apéro hatte die Abwesenheit des Noch-Chefredaktors für Gesprächsstoff unter den Gästen gesorgt.

Das Rätsel löste Oberauer erst am Ende der Preisverleihung auf: «Mit und ohne Kurt geht es schlecht. Er polarisiert», so der Verleger. Auch tönte er an, dass die Zusammenarbeit zwischen ihnen nicht immer einfach gewesen sei. Im Namen von Zimmermann bat er das Publikum um Verständnis für dessen Absenz.

Auch etliche der ausgezeichneten Journalistinnen und Journalisten konnten – aus verschiedensten Gründen – nicht an der Preisverleihung teilnehmen. So grüsste beispielsweise Susanne Wille, «Politjournalistin des Jahres», per Videobotschaft von ihren Skiferien aus dem Wallis oder Stefan Bürer und Heinz Günthart, «Sportjournalisten des Jahres», bedankten sich vom Australian Open für die Gunst des Publikums.

Für betretenes Schweigen sorgte der Brief aus Mexiko von Daniel Ryser – ehemals WOZ, nun «Republik» –, der als «Reporter des Jahres» ausgezeichnet wurde. Das Schreiben eröffnete er mit Kritik: «Herr Zimmermann hat die Veranstaltung in kurzer Zeit in Verruf gebracht.» Anschliessend hielt er fest, dass 2018 für ihn persönlich ein schwieriges Jahr gewesen sei und erwähnte, er sei gedanklich mehrfach auf ein Hochhaus gestiegen, jedoch nie gesprungen.

Einen positiven Kommentar machte «Republik»-Mitgründer Christof Moser, auf Platz zwei der «Chefredaktion des Jahres», angesprochen auf einen angeblichen Zwist zwischen ihm und Mitgründer Constantin Seibt. «Wir haben keine Differenzen, journalistisch sowieso nicht», hielt Moser fest. Er hätte Seibt zwar mehrfach auf den Mond schiessen können, «ich hätte ihn aber jedes Mal wieder zurückgeholt». Das Rennen in dieser Kategorie machte die Chefredaktion der WOZ.

SJ_Chefredaktion

Zuletzt folgte eine Laudatio von Tamedia-Chefredaktor Arthur Rutishauser für den «Journalisten des Jahres» Lukas Hässig, der gleichzeitig auch in der Kategorie «Wirtschaftsjournalist» das Rennen machte. «‹Inside Paradeplatz› ist ein Blog, von dem alle sagen, sie schauen nicht drein, dennoch wissen alle, was darin geschrieben steht», so Rutishauser. Nebst viel Lob für Hässig merkte er an: «Beliebt ist er nicht.»

Laudatio

Hässig beschreib sich selber als einen «Leadsänger» und bedankte sich bei all den Helferinnen und Unterstützern, die ihm im Hintergrund den Rücken stärkten. Zudem gab er offen zu, dass ihn Kritik an seiner Person nicht kalt lasse. Der Preis diene ihm nun als eine Art Schutzschild.



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Kommentare

  • Robert Weingart , 29.01.2019 20:46 Uhr
    Vielleicht hat sich diese Kür und diese Veranstaltung überholt und man sollte es abschaffen. Neue Gesichter sieht man kaum unter den Siegern. Selbstbeweihräucherung einer Branche, für die Aussenstehende womöglich kaum Interesse zeigen.

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