Am Samstag wird die 500. Episode von «SwissDinner» ausgestrahlt. Hätten Sie jemals gedacht, dass das Konzept so lange Bestand haben würde?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Bei Fernsehformaten ist es grundsätzlich schwierig, dass sie längerfristig Erfolg haben. Und 15 Jahre? Das war nicht absehbar. Ich hätte vielleicht mit fünf Jahren gerechnet.
Es gab beim Start viel Kritik, unter anderem hiess es etwa: «Nicht schon wieder ein Kochformat» …
Das war schwierig, ja. Wir ersetzten mit «SwissDinner» das Sendungsformat «SwissDate». Das ist für Zuschauer etwas völlig anderes. Das Kochformat war in Deutschland erfolgreich – allerdings nur zur Vorabendzeit. Wir sendeten damals am Samstagabend mit einem ganz anderen Publikum. Die Quoten fielen innerhalb von zwei Sendungen erheblich.
«Es gab einen kritischen Moment»
Die Nervosität war bestimmt gross …
Es gab einen kritischen Moment. Wir verloren bis zur Hälfte der Zuschauer in zwei bis drei Wochen. Der damalige Senderchef Markus Gilli kam mit Quotenblättern zu mir und schüttelte den Kopf.
Und dann?
Die erste Staffel endete, und die zweite startete. Plötzlich fingen die Leute an, über diese Personen zu reden. Sie hatten einen anderen Zugang gefunden. Ab der dritten Staffel wurde es noch interessanter. Wir hatten einen Kandidaten, der das Essen kritisierte – das war vor 15 Jahren noch absolut tabu. «Sorry, was ist das?», fragte er. Das war innovativ und machte die Sendung reizvoll.
Es gibt ja Sendungen, die kommen und gehen. Was bedeutet die Kontinuität für Sie persönlich?
Wenn etwas so lange funktioniert, weiss man, wir haben etwas richtig gemacht. Wir können nicht kontrollieren, was Zuschauerinnen und Zuschauer gut finden – aber wir können das weitermachen, was offensichtlich funktioniert. Das macht einen stolz, wenn man als Produktionsfirma 15 Jahre lang eine Sendung umsetzen kann.
Nach welchen Kriterien wählen Sie jeweils die Kandidaten aus?
Casting ist schwierig. Man weiss nie im Voraus, was wirklich passiert. Am Anfang luden wir alle Bewerbenden ein, redeten kurz mit ihnen und gingen dann ans Reissbrett: Brauchen wir noch eine Frau, noch einen Mann? Braucht es noch eine kritische Stimme am Tisch? Mit der Zeit merkten wir, das braucht es gar nicht. Jede Konstellation hat etwas Interessantes. Teilweise muss man auf Logistik achten: Wo wohnen die Leute? Es geht darum, dass die Kandidaten nicht zwei Stunden mit dem Zug fahren müssen.
Wie gescriptet ist die Sendung?
Überhaupt nicht. Es geht letztendlich um das Kochen und das Essen. Es ist bereits schwierig genug für einen Kandidaten, dass fremde Personen sein Lieblingsgericht kochen müssen. Der Kandidat hat dann eine Meinung: Würde ich es anders machen? Bin ich inspiriert? Alles passiert in der Sendung: Die Wohnung wird aufgesperrt, und es wird über das Essen gesprochen. Das ist der Kern – dass man in ein privates Leben eintaucht und nicht etwas Inszeniertes sieht.
«Wir haben deutlich mehr Kandidaten aus Zürich und Aargau»
«SwissDinner» läuft auf TeleZüri, Tele M1, Tele 1, TVO und TeleBärn. Berücksichtigen Sie dabei auch alle Regionen – oder kommen die Kandidatinnen und Kandidaten hauptsächlich aus Zürich?
Es liegt an den Bewerbungen. Wir haben deutlich mehr Kandidaten aus Zürich und Aargau. Aber wir machen auch regionale Specials. Bei fünf Staffeln pro Jahr reicht es meistens einmal für die Region Bern oder St. Gallen.
Welcher Moment aus 15 Jahren «SwissDinner» ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Bei 500 Sendungen sind vielleicht 5 Prozent der Kandidaten so präsent, dass sie hängen bleiben. Es gibt einen, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Beno. Fernsehen fand er cool, also sagte er sich: Ich gehe auch zu «SwissDinner». In der 21. Staffel hatten wir einen kurzfristigen Ausfall. Ich schaute meine Kartei durch und sah: Dieser Kandidat ist arbeitslos. Wer arbeitslos ist, hat Zeit und die Motivation. Ich rief ihn an, er sagte sofort zu.
Und wie lief der Dreh?
Er konnte einfach nicht kochen (lacht). Er war ein lieber Typ, aber er verwechselte Zucker und Salz. Sie assen ein Dessert mit viel Salz. «SwissDinner»-Koch Erik Haemmerli versuchte zu helfen, aber es nützte nichts mehr. Das war eine Geschichte, die geblieben ist. Dieser Kandidat meldet sich auch immer wieder.
Hat es auch Pannen gegeben in diesen 500 Folgen?
Ja, an eine erinnere ich mich noch: Wir drehten in einer Wohnung, die wir vorher nicht kannten. Das ist üblich – wir machen keine Rekognoszierung. Und einmal war die Wohnung so klein, dass der Essplatz und das Wohnzimmer eins waren. Wir mussten das Sofa vom Wohnzimmer auf die Terrasse stellen. Insgesamt sind wir dann elf Personen in dieser Wohnung: vier Kandidaten, Erik und das Team. Eine Einzimmerwohnung reicht nicht. Die Interviews haben wir auch schon bei den Nachbarn oder in Schulhäusern führen müssen, einfach weil kein Platz da war.
Gibt es Momente, bei denen wirklich alles schiefgeht?
Ja, absolut. Jeder, der selbst kocht, weiss, dass es nie einfach nur läuft. Du kannst deine Kartoffeln verbrennen oder was auch immer. Es passiert halt immer etwas. Dann gibt es durch das Format Umstände, die sonst nie vorkommen. Es ist eine Kamera da, eine Produzentin, ein Tonmann, eine Maskenbildnerin. Die schwirren alle herum und stellen Fragen. Du kannst nicht einfach nur kochen.
Sie haben damals Erik Haemmerli als TV-Koch installiert. Wie kam es überhaupt dazu?
Erik war der Mann einer Arbeitskollegin. Sie war mitverantwortlich dafür, dass das Format entstanden ist. Ich sagte: Wir brauchen einen Koch. Sie sagte: Super, frag meinen Mann, der kennt viele Köche. Geh mit ihm Kaffee trinken. Ich ging also Kaffee trinken. Danach sagte ich zu Markus Gilli, dass ich Haemmerli gerne ins Casting mit aufnehmen würde.
Und warum war Erik Haemmerli am Ende der Favorit?
Am Schluss musste ich sagen: Er war derjenige, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er nicht um den heissen Brei spricht. Er findet nicht alles gut. Er hat eine Meinung zu allem. Diese Haltung ist authentisch und klar. Das hat uns gefallen.
Bei der Lancierung soll sich Haemmerli gegen das Anziehen der Kochmütze gewehrt haben. Stimmt diese Urban Legend?
Das weiss ich nicht. Wir haben beim Casting ein Video mit ihm aufgenommen. Markus Gilli sagte: Ein Mann mit einer Glatze im Fernsehen – das funktioniert nicht. Damals dachte man: Ein Koch muss eine Mütze haben.
Und diese Mütze ist bis heute ein Thema …
«Warum hat jemand die Mütze am Tisch an?», hören wir oft. Für uns ist es das Branding – dass man erkennt, dass der Koch wichtig ist. In Schwarz ist er eine Figur geworden – das ist nicht seine echte Uniform, sondern ein «SwissDinner»-Koch-Look.
Wie hat sich die Zusammenarbeit über die 15 Jahre entwickelt oder verändert?
Eigentlich gar nicht stark, weil er so ist, wie er ist. Wir achten darauf, dass nicht immer alles kritisiert wird, sondern dass auch kleine Tipps vom Koch dazukommen, damit man das nächste Mal das Problem lösen kann.
Der Medien- und Werbebranche geht es momentan nicht gut. Spüren Sie dies als Produktionsfirma auch?
Ja, das spüren wir. Es wäre verwunderlich, wenn es nicht so wäre. Letztendlich sind wir diejenigen, die mit dem, was der Markt gibt, das Format weitermachen dürfen.
«Es ist schwieriger, ein ganz neues Format zu etablieren»
Ist es heute schwieriger, Formate an einen Sender zu bringen als früher?
Es ist schwieriger, ein ganz neues Format zu etablieren. Heute ist es einfacher, ein adaptiertes Format unterzubringen, weil die Leute das schon kennen. Das war der Grund, warum auch «SwissDinner» in der Schweiz funktioniert hat.
Gibt es nochmals weitere 500 Episoden von «SwissDinner»?
Das wäre schön. Wir machen jetzt 20 Folgen pro Jahr – das ist weniger als die Hälfte von damals. Wenn es nochmals 500 Episoden gäbe, wären weitere 25 Jahre vergangen (lacht). Aber für uns ist es mega cool, dass es 15 Jahre so funktioniert hat.
Sie sind Produzent und Realisator – aber können Sie selbst auch gut kochen?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich kann tatsächlich seit «SwissDinner» kochen. Vorher konnte ich es nicht. Das Schulfach Kochen ist mir entgangen – das hatten nur die Mädchen in meiner Schule. Inzwischen koche ich einiges nach.
Wie sind Sie damals überhaupt auf die Idee gekommen, ein Kochformat zu produzieren, wenn Sie selbst nicht die grosse Leidenschaft dafür hatten?
Wir machen auch Gartensendungen – und ich bin kein Gärtner. Der Sender hatte Interesse an einem Kochformat. «Das perfekte Dinner» funktionierte in Deutschland sehr gut. Der Werbemarkt im Food-Bereich ist einfach grösser.
Was erwartet uns am Samstag bei der 500. Folge?
Das Finale der aktuellen Staffel ist sehr gut. Wir haben eine spannende Konstellation: einen älteren Herrn, zwei junge Frauen und eine etwas ältere Dame aus Österreich. Die Menüs sind speziell. Die Österreicherin bringt ein österreichisches Menü, der ältere Herr ein brasilianisches. Das sind die spannendsten Elemente, wenn man etwas kochen muss, bei dem man keinen Plan hat. Die Kandidatin hat sich intensiv damit auseinandergesetzt und ist mehrfach beim Probekochen gescheitert – das macht es dramatisch. Es lohnt sich, am Samstag einzuschalten.
Weitere Informationen zu «SwissDinner – Das grosse Messerwetzen» finden Sie hier.

