02.11.2023

Remo Neuhaus

«Ich habe ein wunderschönes Leben»

In seinem Buch «Content ist König» schreibt der 54-jährige Berner Fotograf über sein Leben. Im autobiografischen Ratgeber erzählt Remo Neuhaus seinen Weg vom Kochlehrling zum Gastronomen, vom Event-Organisator zum renommierten Porträtfotografen.
Remo Neuhaus: «Ich habe ein wunderschönes Leben»
«Dass wir von null auf eins in der Bestsellerliste der Schweiz eingestiegen sind, war wirklich nicht zu erwarten», so Fotograf Remo Neuhaus. (Bild: Neuhaus Connection)
von Matthias Ackeret

Herr Neuhaus, was hat Sie bewogen, ein Buch mit dem Titel «Content ist König» zu schreiben?
Gestartet hat das Buchabenteuer mit der Anfrage des Verlags Cameo. Gabriel Palacios hat mich gefragt, ob ich meine unterhaltsamen und – hoffentlich – inspirierenden Geschichten nicht als Buch herausgeben möchte. Ich habe mich über die Anfrage sehr gefreut. Danach hat der Prozess doch rund vier Jahre gedauert, bis ich mir im Klaren war, wie ich das umsetzten möchte. Zum Titel: 1996 schrieb Bill Gates ein Essay auf der Microsoft-Website mit der Aussage «Content is king». Wenn man diesen Text eins zu eins übersetzt, erhält man «Inhalt ist König». Diese Übersetzung passte für mich jedoch nicht optimal, weil ich überzeugt bin, dass Qualität vor Quantität steht. Ich recherchierte das Wort Content und stiess auf das lateinische Wort «Contentus» – davon stammt Content ursprünglich ab. Es bedeutet Zufriedenheit. Das trifft aus meiner Sicht den Kern der Sache ganz genau. Es wäre toll, wenn der Kunde «happy», also zufrieden mit dem Content ist und wir so nicht «nur» Inhalt produzieren.

Bei Ihrem Buch handelt es sich um eine Art Lebensratgeber. Sie haben als Fotograf und Gastronom reüssiert. Was ist Ihr Erfolgsprinzip?
Mir ist wichtig, dass ich nicht als Ziel hatte, einen Ratgeber zu schreiben. Mein Buch soll oder darf unterhalten. Und im besten Falle ist das Buch auch inspirierend. Im Prozess zur Konzeption des Buches habe ich mir auch überlegt, wie ich selbst Bücher lese. Was nicht unterhaltet und inspiriert, lege ich weg. Deshalb habe ich mich entschieden, jedes Kapitel im Buch – es gibt 53 – abschliessend zu machen. Das heisst, dass jedes Kapitel unabhängig voneinander gelesen werden kann. Wer jedoch ein klassischer Leser ist, kann das Buch natürlich auch von Anfang bis Schluss lesen und bekommt so meine ganze Karriere mit. Im Kapitel «Plus – Null – Minus» erkläre ich die Frage, welche mir die meisten Personen stellen: «Wie bekommst Du es immer wieder hin, dass deine Teams in den verschiedenen Projekten so motiviert und dienstleistungsorientiert sind?» Dieses Kapitel beantwortet möglicherweise auch die Frage auf mein Erfolgsprinzip.

«Bei allem, was ja auch ich gemacht habe, startete ich als Anfänger»

Was zeichnet einen guten Fotografen und guten Gastronomen aus?
Aus meiner Sicht die Lust zum Lernen und auch sich auf eine Reise begeben zu wollen. Bei allem, was ja auch ich gemacht habe, startete ich als Anfänger. Wie jeder andere auch. Das Zitat von Gerhart Hauptmann beschreibt das aus meiner Sicht sehr gut: «Sobald man in einer Sache Meister ist, soll man in einer neuen Sache Schüler werden.» Als ich ein «guter Gastronom» war, startete ich als Anfänger in das Eventsbusiness. Danach startete ich als Anfänger ins Fotografie- und Content-Business. Ich bin hungrig und will lernen und mache gerne die gesamte Reise. Vom Anfänger bis zum Profi. Durchhaltewillen und Ehrgeiz gehören da sicherlich dazu. Aus meiner Sicht sehr wichtig ist aber die Dienstleistungsbereitschaft. Sowohl in der Fotografie wie auch in der Gastronomie geht es um Dienstleistung. Darin ist das Wort «Dienen» enthalten. Ich nehme noch heute einem Gast einem Mantel ab oder räume einen Tisch ab – oder stelle als Fotograf auch die Stative auf. Ich bin mir dafür nicht zu schade.

Konnten Sie Ihre Jugendträume realisieren?
Absolut. Ich habe ein wunderschönes Leben und bin dafür sehr dankbar. Mir ist auch bewusst, wie sehr ich bei gewissen Begegnungen sehr privilegiert bin, dass ich das erleben darf und dass man mir dafür die Verantwortung übergibt. Ich habe auch eine tolle Familie und wunderbare Freunde. Dafür bin ich sehr dankbar.

Sie schildern in Ihrem Buch viele Begegnungen mit prominenten Menschen. Was war der Wichtigste oder – anders gefragt – der für Sie der entscheidenste Kontakt?
Ich glaube, das ist ein bunter Blumenstrauss. Keine dieser Begegnungen möchte ich missen. Sicherlich ein Meilenstein war das Shooting mit Zinedine Zidane, Ronaldo und den Weltfussballern. Wie das zustande kam, beschreibe ich in einem Kapitel. Dabei war ich über eine längere Zeit hartnäckig und liess nicht locker. Auch nicht nach mehreren Neins und Absagen. Das hat nach diesem Shooting viele Türen geöffnet und hat mir gezeigt, dass vieles möglich ist, wenn man daran glaubt und mit seiner Leidenschaft für etwas «brennt».

«Die Zeit in Zürich hat mich sehr geprägt»

Sie sind in Zürich und Bern aufgewachsen. Wie haben Sie die beiden doch gegensätzlichen Städte geprägt?
Ich bin in Bern geboren und lebte als 4- bis 14-Jähriger in Zürich. Danach zügelten wir wieder nach Bern, und seither lebe ich in Bern. Ich liebe Bern und bin auch im Herzen ein Berner «Giel». Die Zeit in Zürich hat mich jedoch auch sehr geprägt. Ich denke, dass in meinem Denken und Handeln halt auch ein Teil «Zürcher» in mir ist. So hatte ich noch nie Berührungsängste mit «Zürchern». Möglicherweise sind deshalb auch tolle Projekte wie die «5nach6-Party» in Bern entstanden, welche ich mit Michael Büchel, einem Zürcher, realisierte – auch dies beschreibe ich im Buch. Ein seit Jahren erfolgreicher Event, seit 2005, ist die «Mykonos Bern». Diese veranstalte ich zusammen mit Seigi und Stelios Sterkoudis, welche in Zürich stadtbekannt sind. Auch sie wollten zuerst von einer Zusammenarbeit nichts wissen, und dann kam es dann doch dazu. Übrigens finde ich beide Städte sehr schön. Zürich hat den See, grossartige Kultur und tolle Restaurants zu bieten. Bern hat mit der Aare und einer wunderschönen Altstadt seinen besonderen Reiz.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?
Im Herzen der Stadt Bern eröffne ich zusammen mit einem tollen Team den Klub am Bärenplatz, ein Business- und Memberclub nur für Members. Wir werden maximal 200 Members haben. Auf diese Herausforderung freue ich mich sehr. Wir konnten sehr gute Partner und Sponsoren für das Projekt begeistern und starten im neuen Jahr mit dem Klub. Ausserdem freue ich mich auch im neuen Jahr auf einige spannende Shooting-Aufträge und natürlich alles Weitere, was da noch kommt.

Ihr Buch wurde sofort zum Bestseller. Wurden Sie von dessen Erfolg überrascht?
Dass wir von null auf eins in der Bestsellerliste der Schweiz eingestiegen sind, war wirklich nicht zu erwarten. Wir haben uns extrem gefreut. Auf Platz drei war in der Woche 41 Arnold Schwarzenegger mit seinem neuen Buch, von welchem ich ein Fan bin und das Buch auch gleich gekauft habe. Dass wir zum Einstieg noch vor «Arnie», einem meiner Jugendidole, lagen, war irgendwie «unreal» – aber wir genossen das natürlich sehr. Ich kann jedoch auch sagen, dass wir «alles gegeben» haben, damit wir einen guten Start haben. Der Cameo Verlag hat einen grossartigen Job gemacht, und ich habe über mein persönliches Netzwerk viel Unterstützung erfahren dürfen, wofür ich sehr dankbar bin.



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