13.10.2014

Beat Glogger

"Ich sehe das Buch als Mutmacher"

Was verbindet Denise Biellmann, Boris Blank, H.R. Giger, Rolf Zinkernagel und Werner Kieser? Die zündende Idee. Der Wille diese konsequent umzusetzen. Und die Herkunft. Wissenschaftsjournalist Beat Glogger hat ihnen und 55 weiteren Persönlichkeiten das Buch "Zürcher Pioniergeist" gewidmet. Ein kurzes Gespräch über Pioniere und was diese ausmacht.
Beat Glogger: "Ich sehe das Buch als Mutmacher"

Herr Glogger, Sie haben mit "Zürcher Pioniergeist" ein Buch über 60 herausragende Persönlichkeiten aus dem Raum Zürich veröffentlicht. Ein Spassprojekt?
Das klingt nach etwas, das man sich aus dem Ärmel schüttelt. Aber so war es nicht. Das Projekt hat mich vier Jahre begleitet: Konzept schreiben, Sponsoren suchen, Konzept überarbeiten, Verlag suchen, Mitstreiter suchen, Crowfunding-Projekt für die Finanzierung der Bilder auf die Beine stellen, Pioniere finden, das Ganze produzieren. Das braucht Zeit, viel Zeit. Gleichwohl haben ich und meine Koautorinnen das Projekt mit viel Lust verfolgt. Hinter diesen Pionieren stecken unglaublich spannende Geschichten.

Was sind Pioniere?
Es geht um Personen, die etwas erfunden, etwas erschaffen oder etwas zum ersten Mal gemacht haben. So haben wir nicht nur graumelierte Wissenschaftler, sondern auch Franz Hohler oder Frauen wie Fotografin Ilse Mayer oder Pilotin Ursula Bühler-Hedinger untergebracht.



Was ist den Pionieren gemeinsam?
Nun, eine Idee haben viele. Ich würde sogar behaupten, dass jeder in seinem Leben mindestens einmal eine tolle Idee hat. Das reicht aber nicht, um als Pionier zu gelten. Dafür muss man Durchhaltewillen und Biss beweisen – und das haben die Persönlichkeiten in unserem Buch. Jeder fliegt mal auf die Schnauze, auch ein Nobelpreisträger oder eine Denise Biellmann. In diesem Sinn sehe ich das Buch auch als Mutmacher.

Oder Fitnessguru Werner Kieser.
Richtig! Dessen Biografie ist von Niederlagen durchzogen: Sein erstes Fitnessstudio wurde nach zwei Jahren geschlossen, er wurde mehrfach angefeindet, später krachte sein Imperium wegen dem Franchising-Konzept völlig zusammen. Und trotzdem stand er immer wieder auf.

Genauso wie Wim Ouboter, der Erfinder des Miniscooters.
Dem haben die Chinesen mit ihren Kopien das Leben schwer gemacht. Aber er ist immer noch im Geschäft – und bald kooperiert er im grossen Stil mit dem Autohersteller Peugeot. Wie gesagt: Alle waren nach den Rückschlägen fähig noch einen Zacken zuzulegen.

Ist Ihr Buch auch eine Pionierleistung?
Na ja, so würde ich es nicht gerade nennen. Aber auch ich bin mit meinen Ideen und meiner Firma immer wieder angefeindet worden. Ich vermute viel Neid dahinter. Den Auftrag, die "Wissen"-Seiten für "20 Minuten" zu produzieren, hätten wohl einige Andere auch gerne. Meine pionierhafte Devise lautet deshalb: dranbleiben.

 

Wieso die Erwähnung von Roger Schawinski im Buch? Genau wie Dieter Meier von Yello hat er eine enorme Überpräsenz in den Medien. Da werden Eitelkeiten spazieren geführt.
Trotzdem kann man ihn nicht weglassen. Er hat das freie Radio erstritten, er hat das freie Fernsehen erstritten.

Ist er ein typischer Pionier?
Von der Leistung her, ja. Aber im Verhalten ist er nicht typisch. Er hat als einziger lebender Zürcher Pionier kein Interview geben wollen. Die meisten Pioniere hingegen waren leise, bescheiden und auskunftsbereit.

Haben Sie mit ihm eine Vorgeschichte?
Nein, überhaupt nicht. Er war für mich immer ein Leitstern an Medienhimmel. Ich stand damals auf dem Bürkliplatz und schrie: "Roger, Roger!"

Was erwarten Sie für eine Resonanz auf das Buch?
Natürlich eine Hohe! Unser Verlag ist euphorisch, wir hatten bereits viele Vorbestellungen. Ich rechne damit, dass wir die Startauflage von 4000 Stück gut loswerden. Mit dem Lehrmittelverlag Zürich haben wir meiner Meinung nach den richtigen Partner gefunden.

Und was kommt als nächstes?
Wir arbeiten bereits an einer Ausgabe über Basel. Glauben Sie mir: Auch dort gibt es genug Pioniere!

Interview: Adrian Schräder//Bilder: zvg


Beat Glogger hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Wissenschaftsjournalist gemacht. Mit seiner Firma Scitec-Media erstellt der ehemalige Redaktionsleiter der Fernsehsendung "MTW"  neben populärwissenschaftlichen Sachbüchern auch die "Wissen"-Seiten für die Pendlerzeitung "20 Minuten". Daneben ist der 54-Jährige als Moderator tätig und hat im deutschen Rowohlt Verlag zwei Thriller veröffentlicht. 2010 erhielt er von der Universität Zürich den Ehrendoktortitel für seine Verdienste um die Kommunikation wissenschaftlicher Inhalte.
 

Das Buch "Zürcher Pioniergeist" (Lehrmittelverlag Zürich) ist bereits erschienen.


 

 



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