26.01.2019

Jastina Doreen Riederer

Miss Schweiz hat Chancen vor Arbeitsgericht

Ein Arbeitsrechtler stellt die Aberkennung des Titels infrage. Die Medienmitteilung der Organisation sei eine «mediale Hinrichtung» gewesen. «Ich fühle mich benutzt», sagt die 20-Jährige.
Jastina Doreen Riederer: Miss Schweiz hat Chancen vor Arbeitsgericht
Jastina Doreen Riederer wurde am 10. März in Baden zur Miss Schweiz 2018 gekrönt. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Nach der Freistellung von Miss Schweiz Jastina Doreen Riederer stellt Anwalt Boris Etter infrage, ob die Aberkennung des Miss-Schweiz-Titels überhaupt arbeits- und persönlichkeitsrechtlich zulässig ist. Bei einer Freistellung im befristeten, noch laufenden Arbeitsvertrag gelten der strenge Arbeitnehmerpersönlichkeitsschutz und der Datenschutz uneingeschränkt weiter, sagt er in der «Schweiz am Wochenende».

Anwalt Etter rechnet der geschassten Miss Schweiz reelle Chancen vor Arbeitsgericht aus. Die Medienmitteilung der Miss-Schweiz-Organisation sei eine «mediale Hinrichtung» und gleiche einem rechtlich nicht zulässigen, nachteiligen und vor allem auch noch veröffentlichten Arbeitszeugnis. Vor Arbeitsgericht könne Riederer laut Etter wegen Verletzung des Arbeitnehmerpersönlichkeitsschutzes und Datenschutzes klagen. Als Schaden könnte sie versuchen, entgangene Aufträge geltend zu machen, sagt Etter in der SaW weiter.

Von einer «medialen Hinrichtung» spricht auch Wirtschafts- und Politberaterin Sonja A. Buholzer. «Das zerstört die Karriere einer jungen Frau nachhaltig. Die rechtlichen Punkte des Vertrages als Grund der Trennung sind das eine, deren angemessene, kurze und faire Kommunikation in der Öffentlichkeit das andere», sagte Buholzer gegenüber «Watson». Die Miss Schweiz Organisation sei in ihrem Communiqué viel zu weit gegangen, sei fast geschlossen negativ gewesen und «legt in epischer Breite das Versagen der Miss Schweiz dar».

«Ich werde nicht mehr beleidigt»

«Superenttäuscht» über die Art, wie die Organisation mit ihr umgegangen sei, ist Riederer selbst. «Anderseits fühle ich mich befreit, dass es vorbei ist. Mir befiehlt nun niemand mehr, wann ich ins Bett gehen muss, ich werde auch nicht mehr beleidigt, was die Organisationsbesitzer ständig taten», sagte sie in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Die abschätzigen Beschreibungen in der Pressemitteilung seien «schon sehr krass und verletzen mich». Die Organisatoren hätten ihr falsche Versprechungen gemacht. «Ich fühle mich benutzt», so Riederer.

Zuvor hatte die Aargauerin auch gegenüber der «Schweizer Illustrierten» Stellung genommen. Sie wolle die Krone nicht kampflos aufgeben – trotz der Absetzung. «Die Krone und alles, was ich von der Organisation bekommen habe, sind bei meinem Anwalt im Safe deponiert», so Riederer.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Miss Schweiz Organisation die 20-Jährige per sofort freistellt. Als Grund wurden mehrere vertragliche Verstösse genannt, ohne jedoch auf Details einzugehen (persoenlich.com berichtete). Laut der «Schweiz am Wochenende» moniert ein internationaler Konzern und Sponsor der Miss-Schweiz-Wahl, dass Riederer sich mit Produkten der Konkurrenz zeigte. Die Firma will sich aber nicht offiziell äussern.

Viel Knatsch in jüngster Vergangenheit

2017 verkaufte Unternehmer Guido Fluri die Markenrechte an Angela Fuchs, Iwan Meyer und Andrea Meyer. Es sah zunächst gut aus: 3+ verkündete, die Wahl wieder zu einem grossen TV-Ereignis machen zu wollen. «Die Miss Schweiz ist nach wie vor eine starke Marke, an die wir glauben», sagte Fuchs in einem persoenlich.com-Interview. Kurze Zeit später ging es los mit den ersten Misstönen. Es kam zu einem Knatsch zwischen der Organisation und 3+. Schliesslich übertrug Sat.1 Schweiz die Wahl vom 10. März 2018.

An der Wahl, wo Riederer zur Miss Schweiz gekrönt wurde, gab es einen unschönen Zwischenfall: Sechs Security-Männer warfen unter anderem den Fotografen der Blick-Gruppe aus dem Saal. In der Folge beendete Ringier die Medienpartnerschaft. Schliesslich warf Missen-Chefin Fuchs das Handtuch und Ex-Miss Anita Buri übernahm vorübergehend das Booking. Nach drei Monaten wurde auch dieses Engagement wieder beendet. Die Freistellung von Riederer war nun der vorläufige Tiefpunkt. (cbe)

 



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