31.01.2019

54. Solothurner Filmtage

«Prix de Soleure» für «Immer und ewig»

Die Basler Regisseurin Fanny Bräuning erhält damit den höchstdotierten Filmpreis der Schweiz bereits zum zweiten Mal.

2009 wurde der damals erst 33-jährigen Bräuning die Auszeichnung für ihr Langfilmdebüt «No More Smoke Signals» zuerkannt (persoenlich.com berichtete).

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Ihr aktueller Film ist eine Art Familienprojekt: Sie porträtiert in «Immer und ewig» ihre Eltern, die in vieler Hinsicht ein ungewöhnliches Leben führen. Ihre Mutter Annette ist aufgrund ihrer MS-Erkrankung vom Hals abwärts gelähmt, ihr Vater Niggi pflegt seine Frau seit 20 Jahren hingebungsvoll.  Weil sich das Paar in seiner Abenteuerlust nicht einschränken lassen will, hat Niggi einen Bus behindertengerecht ausgebaut. Für ihren Film begleitete Bräuning ihre Eltern auf deren Reisen durch Europa.

Die «Prix de Soleure»-Jury um Regisseurin Esen Isik schreibt in ihrer Laudatio, «Immer und ewig» erzähle «die Geschichte eines aussergewöhnlichen Paars und dessen unbeugsamem Willen zum gemeinsamen Gang durchs Leben, allen Widrigkeiten zum Trotz». Der Film zeichne sich aus durch eine Kamera, die nah an den Figuren sei, ohne aufdringlich zu wirken, und so dem Zuschauer Raum für eigene Reflexionen lasse.

Was macht unser Leben lebenswert?

Vor der Preisverleihung am Donnerstagabend im Landhaus in Solothurn zeigte sich Bräuning im Gespräch mit Keystone-SDA überwältigt. Die Anerkennung ihres Films mit dem «Prix de Soleure» sei für sie sehr besonders: Einerseits durch die persönliche Verbindung zu ihren Protagonisten, andererseits aber auch durch die «grossartige Zusammenarbeit» innerhalb des gesamten Teams. Teilweise drehten Bräuning, Kameramann Pierre Mennel und Tontechniker Patrick Becker zu dritt auf engstem Raum im Bus. Mit Catrin Vogt verbrachte sei ein ganzes Jahr im Schneideraum.

Den Erfolg ihres Films erklärt sich die Wahlberlinerin damit, dass er grosse humanistische Fragen aufwerfe, etwa was das Leben lebenswert mache. Die mit 60'000 Franken dotierte Auszeichnung ehrt traditionell Filme, die sich durch ausgeprägten Humanismus auszeichnen.

Publikumspreis für «Gateways to New York»

Am Abschlussabend der Solothurner Filmtage wurde zudem der Publikumsliebling der 54. Ausgabe bekannt gegeben: Der «Prix du Public» geht an Martin Witz für seinen Dokumentarfilm «Gateways to New York». Der Regisseur erzählt darin die Geschichte des Schweizer Ingenieurs Othmar H. Ammann, der 1904 nach New York emigrierte und dort die Brückenbaukunst neu definierte.

Diese Auszeichnung ist einigermassen überraschend, konkurrierte Witz im «Prix du Public»-Wettbewerb doch mit Spielfilmgrössen wie Stefan Haupt («Zwingli») oder Bettina Oberli («Le vent tourne»).

Ein weiterer Überflieger der 54. Filmtage heisst «Wolkenbruch»: Am Mittwoch verkündete nämlich die Schweizer Filmakademie im Rahmen ihrer Nacht der Nominationen die Kandidaten für den Schweizer Filmpreis «Quartz». Und dort ging Michael Steiners Romanverfilmung mit Joel Basman in der Hauptrolle mit fünf Nominationen als klarer Favorit hervor.

Welche Pflicht hat Solothurn zu erfüllen?

Mit der 54. Ausgabe der Filmtage darf Direktorin Seraina Rohrer zufrieden sein. Gemäss ersten Hochrechnungen von Donnerstag lagen die Publikumszahlen 2019 leicht höher als im Vorjahr: Über 64'000 Filminteressierte besuchten die Werkschau des Schweizer Films, etwa 1000 mehr als im Vorjahr.

Welche Pflichten ein Filmfest, das sich Werkschau des Schweizer Films nennt, zu erfüllen hat, darüber waren sich die Filmschaffenden in diesem Jahr nicht einig. Im Vorfeld der diesjährigen Festivalausgabe hatte die Ablehnung des Filmes «Passion - Zwischen Revolte und Resignation» von Christian Labhart zu Diskussionen und gar zu einer Petition einer Gruppe Filmschaffender geführt.

Rohrer warf an ihrer Eröffnungsrede deshalb die Frage auf, ob etablierte Filmschaffende automatisch das Anrecht auf einen Platz im Programm haben sollten. Denn bei 600 Einreichungen können heute lediglich etwas über 160 Filme in Solothurn gezeigt werden.

Direktorin Rohrer und zahlreiche Filmschaffende stellten sich der Diskussion an einem Podium – das zwar von den alten Hasen der Branche rege besucht wurde, dem der Nachwuchs jedoch bis auf wenige Ausnahmen fernblieb. (sda/cbe)

 



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