26.07.2021

Kinder-Castingshows

Vermischung von Kindheit und Erwachsensein

Die Soziologin Astrid Ebner-Zarl analysierte Kindercastingshows wie «Kiddy Contest» und «The Voice Kids».
Kinder-Castingshows: Vermischung von Kindheit und Erwachsensein
Sexualisierung, Leistungsdruck, Kommerzialisierung und ein immer präsentes Internet sind entscheidend dafür, dass Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter in der westlichen Gesellschaft immer mehr verschwimmen. (Bild: unsplash)

«Es gibt nicht die eine Kindheit oder das eine Kindsein per se», wie es oftmals vertreten werde, «sondern vielmehr verschiedene Kindheiten und verschiedene Formen von Kindsein», erläutert die Wissenschafterin vom Institut für Creative/Media/Technologies der Fachhochschule Sankt Pölten.

Obwohl keine klaren Grenzen von Altersgruppen definiert werden könnten, seien vier Trends zu einer Entgrenzung von Kindheit sichtbar: Durch verstärkte Präsenz und Nutzung der digitalen Medien, Kommerzialisierung, Sexualisierung und eine Einbettung in die Leistungsgesellschaft nähere sich das Leben von Kindern dem von Erwachsenen an.

Als Beispiel nennt sie etwa Risiken wie Cybermobbing und Erpressung durch Veröffentlichung von Nacktfotos im Netz, oder subtile an Kinder gerichtete Werbung wie Produkt Placement in Kindersendungen oder Spielzeug mit Online-Zugang.

Nicht nur solche Einflüsse führen zu einer Vermischung der Altersgruppen, sondern auch die allgemeine Prägung der Gesellschaft durch Jugendkultur. So würden Erwachsene vermehrt Jugendsprache verwenden und sich entsprechend kleiden. Das zeigte sich auch in den von Ebner-Zarl analysierten Castingshows.

Hohe Sexualisierung und Kommerzialisierung

Die Wissenschafterin verwendete für ihre nun in Buchform erschienene Studie «Die Entgrenzung von Kindheit in der Mediengesellschaft» Filmmaterial aus den Jahren 2015-2017 vom «Kiddy Contest» und von «The Voice Kids», in denen junge Gesangstalente gegeneinander antreten.

Ihre Analyse zeigte, dass die österreichische Castingshow «Kiddy Contest» eine hohe Sexualisierung und Kommerzialisierung aufweist. In der Show würden subtile Werbestrategien verwendet, die für Kinder nicht erkennbar seien.

Die Sexualisierung von Kindern werde in der Annahme von Juroren und Moderatoren deutlich, zehn- bis elfjährige Kinder hätten schon romantische Erfahrungen. Dies entspreche nicht der Realität der Kinder, werde ihnen aber als Norm verkauft, so die Forscherin.

Professionalität wie erwachsene Stars

Bei der deutschen Castingshow «The Voice Kids» komme die Professionalität und Bühnenpräsenz der Kinder der von erwachsenen Musikstars gleich. Der Ausruf von Juror Mark Forster macht das deutlich: «...das sind doch keine Kinder, das sind einfach schon fertige, professionelle Topsänger.»

Ebner-Zarl führt dies auf die Frühförderung der Kinder in verschiedenen Bereichen, wie Gesang oder Tanz zurück. Nur vereinzelt seien in den Sendungen Brüche, wie das Mitbringen von Stofftieren, zu beobachten.

Zusätzlich zeigt sich laut Ebner-Zarl ein hoher Leistungsdruck in der Show durch die Anforderungen an die Kandidaten eine erwachsene Stimmfarbe oder einen individuellen Darbietungsstil zu besitzen. Gleichzeitig fördere der durch Aussiebung geprägte Aufbau von «The Voice Kids» den Konkurrenzkampf und übersteige die emotionalen Grenzen der Kinder.

Kritisch sieht die Soziologin und Medienwissenschaftlerin auch Aussagen, wie «Man kann nicht zu viel posten. Ihr müsst euch vermarkten», damit würden Kinder zu einer unbedachten Nutzung von Social Media aufgefordert. (sda/apa/lol)



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