Als Direktor des Davoser Steigenberger Hotel Belvédère stand Ernst "Aschi" Wyrsch während 15 Jahren als schillernder Gastgeber im Rampenlicht. Während des World Economic Forum (WEF) wurde das 5-Sterne-Hotel jeweils zum wohl wichtigsten Begegnungsort in der Alpenstadt. Personen von Rang und Namen stiegen bei ihm ab - mit Politikern wie Bill Clinton ist er befreundet. Nach seinem Gerüchte umwitterten Weggang und seinem Neuanfang als "Glückscoach" hat er nun ein Buch herausgebracht. In "Mit Herzblut. Vom Gastgeber zum Glücksbringer" gibt der 51-Jährige Wahl-Davoser Einblick in seine Ära als Hotelier, erzählt von den Begegnungen mit hochrangigen Persönlichkeiten, erklärt, weshalb er sich aufgemacht hat zu neuen Ufern und wie er seiner ehemaligen Gastgeber-Mission, Menschen glücklich zu machen, treu geblieben ist. persoenlich.com hat sich mit ihm über sein neues Buch unterhalten.
Wie kommt ein ehemaliger Hoteldirektor dazu, ein Buch über sich zu schreiben? War das Ihre Idee?
Es war die Idee meiner Mitarbeiter. Also meiner ehemaligen Mitarbeiter im Hotel Belvédère in Davos. Sie sagten: "Das Leben, das du als Hoteldirektor hattest, ist aussergewöhnlich. Schreib doch ein Buch darüber!
Und mit dieser Idee sind Sie beim Wörterseh Verlag offensichtlich auf offene Ohren gestossen.
Ja, es sind sogar noch zwei weitere Verlage am Buch interessiert gewesen.
Im Buch lassen Sie ihr Leben als Hoteldirektor Revue passieren, geben Einblick in ihr Leben davor, ihre Kindheit, ihr Elternhaus Autobiographien sind ja gerade schwer im Trend. Wollten Sie sich mit dem Buch wie viele andere Persönlichkeiten - inszenieren?
Nein, darum ging es mir nicht. Ich selbst sehe das Buch auch weniger als Autobiographie, sondern viel mehr als Mutmacher-Buch - oder noch besser als "Mutanfall"-Buch - für jene Leute, die weniger leicht durchs Leben gehen, als ich. Mein Leben verlief bisher sehr erfolgreich, mir fiel vieles in den Schoss. Als Optimist gehe ich relativ locker durchs Leben und gewichte das Positive stärker, als das Negative. Das ist ein Teil meines Erfolgsrezeptes. Dies möchte ich in diesem Buch weitergeben, anderen Kraft machen und sie inspirieren.

Gleichzeitig schildern Sie auf den ersten Seiten Ihres Buches detailliert Ihren Weggang vom Hotel Belvédère. Ihr plötzlicher Abgang vor eineinhalb Jahren hat die Gerüchteküche brodeln lassen. Wollten Sie mit dem Buch nicht auch einiges richtig stellen?
Ja, nach 15 schönen Jahren war mein Abgang als Direktor leider nicht sehr glücklich. Natürlich bin ich froh, dass ich mit dem Buch auch diese Hintergründe aufzeigen und erzählen kann, weshalb ich das Hotel verlassen habe und dass es mein eigener Wille war. Grund war die Lust auf etwas Neues und nicht ein Konflikt mit Steigenberger. Abgesehen davon ist der Inhalt des Buches aber vorwiegend positiv.
Beispielsweise Ihre Begegnungen und Freundschaften mit Grössen wie Bill Clinton, Sharon Stone, Richard Gere, Angela Merkel und Nelson Mandela.
Ja, im Rahmen des World Economic Forums (WEF) habe ich als Gastgeber Bekanntschaften mit vielen spannenden Menschen gemacht. Daraus haben sich auch Freundschaften entwickelt.
An einer Stelle erzählen Sie, wie Bill Clinton und Tony Blair manchmal in einer Ihren Suiten bei einem Bier und lediglich in Shirts und Boxershorts politische Debatten führten. Haben Sie Ihren Freund Clinton gefragt, ob Sie das schreiben dürfen?
Super-VIPs wie Clinton und Blair sind es gewohnt, dass Sie im Beobachtungsfeld stehen. Es ist ja nichts diffamierendes, was ich über sie schreibe. Im Gegenteil, ich schreibe sehr positiv über sie.
Ausser über Angelina Jolie und die Steigenberger Konzernleitung. Die kommen nicht so gut weg. Nutzen Sie das Buch auch als Abrechnung?
Nein, ich rechne mit niemand ab. Ich schildere lediglich, wie ich die Persönlichkeit oder Dinge als Hotelier wahrgenommen habe. Wie gesagt, ich habe während den 15 Jahren sehr gerne für Steigenberger gearbeitet.
Ihr Buch liest sich wie eine amerikanische Erfolgsstory. Auch der Stil erinnert vor allem im hinteren Teil ein wenig an amerikanische Lebenshilfe-Literatur.
Das trifft sicher zu. Ich bin von der Mentalität her mehr amerikanisch als schweizerisch. Sicher auch deshalb, weil meine Frau Sylvia Amerikanerin ist. Die meisten Schweizer sind bescheiden, halten sich im Hintergrund auf, wollen nicht auffallen. Ich bin hingegen frech, laut, sehr offensiv und riskiere auch mal eine blutige Lippe. Gleichzeitig habe ich eine locker flockige Art. Diese Leichtigkeit sollte in einer flüssigen Form auch im Buch rüberkommen. Das hat meine Ghostwriterin Franziska K. Müller sehr gut hinbekommen. Da sind viele Schwingungen zwischen den Zeilen erkennbar.
'Mit Herzblut' steht seit einer Woche in den Regalen der Buchhandlungen. Welche Reaktionen haben Sie erhalten?
Bisher gab es nur erfreuliche und zum Teil sehr emotionale Rückmeldungen.
Sie haben das Leben als erfolgreicher Hotelier aufgegeben und eine Glücksakademie gegründet. Nun sind Sie im Bereich von positivem Leadership als Coach für Unternehmen und für Privatpersonen tätig. Was genau machen Sie dort?
Ich arbeitete als Life Coach. In der Glücksakademie bieten wir Menschen, die in der existenzsichernden Phase sind, Kurse an, damit sie aus der Unzufriedenheitsschraube herausfinden.
Haben Sie sich in den letzten Jahren auf diesen beruflichen Wechsel vorbereitet?
Ja, mit der Glücksforschung und psychologischen Themen beschäftige ich mich seit über zehn Jahren. Ich habe mich nebenbei auf ganz verschiedene Arten darauf vorbereitet. Ich habe Aus- und Weiterbildungen besucht, mich aber auch persönlich bewusst weiterentwickelt. Meine Zeit als Hotelier war wunderbar, doch nach so vielen Jahren hatte ich Lust auf etwas Neues und wollte mir eine neue Existenz aufbauen. Vor eineinhalb Jahren war dann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Die Grundausbildung als Hotelier ist für meine jetzige Tätigkeit ideal. Menschen glücklich zu machen ist ja die Kernaufgabe eines jeden Hoteliers.
Inwiefern hat der Zeitpunkt gepasst?
Weil 2012 die Zeit reif für Sinnesthemen ist. Das Materielle hat in den letzten Jahren an Wert verloren. Viele Menschen merken, dass etwas falsch läuft. Sie sind unglücklich mit ihrem Leben und bewegen sich im Hamsterrad. Noch vor drei Jahren war dieses Bewusstsein bei vielen noch nicht vorhanden. Vor allem Männer konnte ich damals mit solchen Themen schlecht erreichen.
Ihr beruflicher Wechsel verläuft quasi parallel zum gesellschaftlichen Wandel: Vorher haben Sie die Leute in ihrem luxuriösen, materialistisch geprägten Umfeld begleitet, heute stehen Sie Ihnen bei Ihrer Suche nach dem inneren Glück zur Seite. Sind Sie darin ebenso erfolgreich?
Ja, das bin ich. Nach der ersten Phase kann ich sogar sagen: eher noch erfolgreicher.
Der Hotellerie haben Sie dennoch den Rücken noch nicht ganz zugekehrt.
Nein, ich wurde von den Sektionspräsidenten der hotelleriesuisse Graubünden als Präsident vorgeschlagen. Die Wahl wird am 18. Januar stattfinden. Zudem unterrichte ich nebenbei auch noch als Dozent an der St. Galler Business School. Meine Schwerpunkte sind dort Motivation, Leadership und Glück. Und im Arosa Kulm Hotel bin ich Verwaltungsratspräsident.
Und Sie beantworten in der 'Glückspost' als Ratgeber und Experte regelmässig Fragen zu Glück und Zufriedenheit. Kann durch Sie jeder zum Optimisten werden und so sein Glück finden?
Wenn die Bereitschaft zur Veränderung da ist, kann jeder Optimist werden, ja. Als Coach sage ich aber niemandem, was er tun muss oder was das Richtige für ihn ist. Ich halte ihm vielmehr einen Spiegel hin und helfe ihm, seinen Weg zu finden.
Wenn Sie jemandem in einem Satz einen Tipp zum Glücklich sein geben müssten, wie würde er lauten?
Schenke dir selbst mehr Ich-Zeit! Und Glücklich-sein-wollen ist die Botschaft!
Interview: Claudia Thöny

