09.09.2022

ZFF

Viele Stars, 38 Welt- und Europapremieren

«So viele Welt- und Europapremieren wie noch nie»: Die Verantwortlichen des Zurich Film Festival haben die Programmhöhepunkte der 18. Ausgabe vorgestellt. Nebst weiteren Rekorden sowie Neuerungen präsentierten die ZFF-Macher auch Einblicke in die Strategie des Festivals.
ZFF: Viele Stars, 38 Welt- und Europapremieren
Stellten die Programmhöhepunkte des diesjährigen Zurich Film Festival vor (v.l.): Elke Mayer, Managing Director Spoundation Motion Picture, und Christian Jungen, Artistic Director des ZFF. (Bilder: Titin Emans/ZFF)

Die 18. Ausgabe des Zurich Film Festival (ZFF) wartet mit einem hohen Glam-Faktor auf. Ein «aussergewöhnlich grosses Aufgebot» an Stars wird gemäss dem am Donnerstag vorgestellten Programm nach Zürich reisen.

Erwartet wird der britische Schauspieler Sir Ben Kingsley, der mit dem Golden Icon Award ausgezeichnet wird (persoenlich.com berichtete). Apropos Sir Ben Kingsley: Christian Jungen, Artistic Director des ZFF, erinnerte die zahlreichen Medienschaffenden daran, dass der Schauspieler auf den Zusatz «Sir» in seinem Namen besonders Wert legt. «Sein Management hat uns darüber informiert, diesen Wunsch respektiert das ZFF natürlich», sagte ein gut gelaunter Jungen im Dolder Grand.

Ebenso nach Zürich kommen wird die französisch-britische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, die ein Goldenes Auge für ihre Karriere erhält. Oder der britische Schauspieler Eddie Redmayne, der ebenfalls für seine Karriere mit einem Goldenen Auge ausgezeichnet wird. Darüber hinaus werden Liam Neeson, Til Schweiger, Rebel Wilson, Diane Kruger, Matthias Schweighöfer oder Machine Gun Kelly über den Grünen Teppich schreiten und zudem ihre neusten Filme präsentieren.

Hoher Anteil an Regisseurinnen

Christian Jungen wies an der Medienkonferenz darauf hin, dass in diesem Jahr 38 Filme als Welt- oder Europapremieren gezeigt werden. «So viele wie noch nie», wie Jungen betonte. Zwei weitere Rekorde gelten zum einen den sieben Filmen aus der Romandie im Programm und zum anderen einem hohen Anteil von Frauen, die Regie geführt haben; dieser liegt bei etwas über 41 Prozent. Insgesamt wartet die 18. Ausgabe des ZFF (22. September bis 2. Oktober) mit 146 Filmen aus 49 Ländern auf.

Für die Sektion «Gala Premieren», die sich dem Autorenfilm widmet, verspricht das ZFF gleich mehrere Highlights: den Film-Noir-Thriller «Marlowe» von Oscarpreisträger Neil Jordan beispielsweise; der Ire wird den Film zusammen mit den beiden Hauptdarstellern Diane Kruger und Liam Neeson dem Publikum präsentieren. Ausserdem wird der Regisseur Luca Guardagnino sein Roadmovie «Bones and All» vorstellen – und zudem den «A Tribute to...»-Award entgegennehmen, die höchste Regieauszeichnung des ZFF.

Auf einer wahren Geschichte eines Krankenpflegers, der für seine Patienten zur tödlichen Gefahr wird, basiert «The Good Nurse» von Tobias Lindholm. Diesen Film wird der Hauptdarsteller und Oscarpreisträger Eddie Redmayne vorstellen. Darüber hinaus kommen Autorenfilmerinnen und Autorenfilmer wie Kiril Serebrennikow, Gina Prince-Bythewood oder Rebecca Zlotowski ans ZFF, um ihre neuen Filme vorzustellen.

«Im Westen nichts Neues» von Edward Berger ist der deutsche Beitrag zu den Auslandoscars, in Zürich feiert er Europapremiere. «Lieber Kurt» heisst die jüngste Regiearbeit von Til Schweiger, in der er auch gleich die Hauptrolle spielt. Der Film wird nach dem ZFF ab 6. Oktober in den hiesigen Kinos anlaufen.

Schweizer Film «im Aufwind»

Eine «zentrale Rolle» misst das ZFF dem Schweizer Film bei. Laut Jungen befinde sich dieser «im Aufwind». Das ZFF wolle nun dazu beitragen, dass das heimische Filmschaffen auch international wahrgenommen werde. Und so stehen über alle Sektionen 18 Schweizer Produktionen auf dem Programm. Zwei davon feiern Weltpremiere. So «A Forgotten Man» des Genfers Laurent Nègre und «Die goldenen Jahre» von Barbara Kulcsar mit Esther Gemsch und Stefan Kurt in den Hauptrollen.

Besonders von Interesse sind der Wettbewerb und die Frage, wer letztlich ein mit 25'000 Franken dotiertes Goldenes Auge nach Hause tragen wird. Verliehen werden die Preise am 1. Oktober im Zürcher Opernhaus. Im Wettbewerb konkurrieren in drei Kategorien je 14 Filme. So laufen im Fokus-Wettbewerb Spiel- und Dokumentarfilme aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Im Spielfilm-Wettbewerb treten acht Regisseurinnen und sechs Regisseure an. Acht dieser Filme sind Erstlingswerke. «Die Spielfilme zeichnen sich durch eine grosse formale Bandbreite aus», so Jungen.

Auch im Dokumentarfilm-Wettbewerb sind acht von 14 Filmen Debüts. Diese hohe Anzahl spiegelt die Tatsache, dass sich das ZFF der Entdeckung neuer Talente verschrieben hat. Demnach werden im Wettbewerb nur erste, zweite und dritte Regiearbeiten gezeigt. Mit «The Killing of a Journalist» wird in dieser Kategorie unter anderem ein Film gezeigt, der von der Ermordung des slowakischen Ringier-Journalisten Ján Kuciak handelt. «Dieser fesselnde und sorgfältige recherchierte Dokumentarfilm beschwört die Bedeutung der freien Presse», so Jungen, der früher selbst Journalist war.

Darüber hinaus verweist das ZFF auf zwei weitere Sektionen: die Sektion Hashtag und die Sektion Neue Welt Sicht. Hashtag ist jeweils einem Thema aus den sozialen Medien gewidmet. In diesem Jahr laufen unter #MyReligion acht Filme, die sich mit dem Einfluss von Religionen auf die Gesellschaft befassen oder über moderne Ersatz-Religionen nachdenken. Die Sektion Neue Weltsicht zeigt zwölf Filme des jungen spanischen Kinos; Spanien ist denn auch Gastland dieser Sektion.

«Am ZFF gilt die Kunstfreiheit»

Eröffnet wird das ZFF am 22. September im Blue Cinema Corso mit der Netflix-Produktion «The Swimmers», ebenfalls eine Europapremiere (persoenlich.com berichtete). Auf die Frage, weshalb das Festival Netflix-Filme zeige, sagte Jungen: «Netflix sind die neuen Studios – der Streamingdienst ist der Himmel für Autorinnen- und Autorenfilmer, denn wir hören immer wieder, dass Netflix ihnen mehr künstlerische Freiheiten bietet wie die klassischen Studios.» Zur Strategie mit dem Streamingdienst fügte Jungen an: «Wir zeigen nur Netflix-Filme, wenn wir sie ausschliesslisch auf der Kinoleinwand präsentieren können – auf hybride Formate wie andere Festivals verzichten wir.» 

In Sachen Strategie führte Jungen weiter aus: «Am ZFF gilt die Kunstfreiheit, wir zeigen auch Filme, mit denen nicht jeder und jede einverstanden ist.» So werde etwa Oliver Stones Film «Nuclear» gezeigt, der ein Plädoyer für die Atomenergie sei. Oder «Der junge Häuptling Winnetou» – um die Filme des Indianerhelden war in den letzten Wochen eine Debatte um «kulturelle Aneignung» entbrannt«Dieser Film hat uns begeistert, zudem wollen wir der Cancel Culture nicht nachgeben – dass die ‹Winnetou›-Filme etwas mit kultureller Aneignung zu tun haben, darauf muss man zuerst einmal kommen», betonte Jungen.

Er habe von Filmschaffenden viel Lob erhalten, dass das ZFF diesen Film trotz allem zeige. Für Jungen stand dies aber nie zur Diskussion: «Wenn man Filme aus dem Programm kippt, erinnert das an ungute Zeiten. Aufgabe eines Festivals ist es, für Filme und die Filmschaffenden einzustehen – und natürlich findet am ZFF auch eine Debatte über die Filme statt.»

Ausbau am Kongresshaus, neu in Winterthur

Das diesjährige ZFF wartet zudem mit einigen Neuerungen auf. So wurde in den Tribünenbau und den Teppichboden im Kongresshaus für das Kinoerlebnis investiert. Das sei ein «strategisches Investment», wie Elke Mayer, Managing Director Spoundation Motion Picture, sagte: «Wir können so nicht nur inhaltlich, sondern auch zuschauermässig wachsen.» Zudem werden anders als im Vorjahr an allen Festivaltagen Filme im Kongresshaus gezeigt.

Weiter werden erstmals auch in Winterthur Filme zu sehen sein – im Blue Cinema Maxx. «First we take Winti, dann andere Städte», meinte Jungen ironisch, um gleich anzumerken: «Im Ernst, die Hälfte der Besuchenden kommt aus der Stadt Zürich, wir möchten unseren Publikumskreis ausweiten.»

Dass immer mehr Filme aus der Romandie gezeigt werden – dieses Jahr werden es sieben sein –, hat sich gemäss Angaben der Veranstalter bereits ausgewirkt. So wurden im vergangenen Jahr vier Prozent aller Tickets in der Westschweiz verkauft. «Zum Vergleich: Das entspricht dem Anteil aus der Innerschweiz oder der Region Solothurn-Aargau», ergänzte Jungen. (sda/tim)

 



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