20.03.2019

Propst Emanuel/Juni 2018

Propst Emanuel/Juni 2018

Jura ist eine der Erfolgsstorys der Schweizer Wirtschaft. Innerhalb eines Vierteljahrhunderts wurde aus dem Elektroapparatehersteller einer der weltweit führenden Vollautomatenproduzenten. «persönlich» hat sich mit dem Geschäftsführer Emanuel Probst über seine Firmenstrategie und die Zusammenarbeit mit Roger Federer unterhalten.
Propst Emanuel/Juni 2018: Propst Emanuel/Juni 2018

Herr Probst, waren Sie eigentlich immer ein Jura-Kind?
Ja, bereits mein Vater arbeitete als technischer Direktor bei Jura. Die Firma war mir also seit Kindstagen bestens bekannt. So ­zögerte ich auch nicht lange, als mich 1991 Oswald Müller, der langjährige Direktor und Verwaltungsratspräsident, anfragte, ob ich General Manager von Jura werden wolle. Ich war damals 34-jährig, hatte mein Wirtschaftsstudium in St. Gallen erfolgreich beendet und hatte einen sehr guten Job beim Pharmariesen Baxter. Doch schnell war mir klar: Meine berufliche Zukunft liegt bei Jura.
 
Die Situation, die Sie damals bei Jura  vorfanden, war nicht einfach.
Die Welt hatte sich gewandelt: Jura zehrte immer noch von der Vergangenheit. Unser Sortiment war sehr breit gefächert und lag – vom Bügeleisen her kommend – auf den Haushaltsgeräten. Es gab praktisch nichts, was Jura nicht herstellte: Toaster, Plattenwärmer, Tauchsieder, ja sogar Kühlschränke. In den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren war diese Strategie sehr erfolgreich, doch mittlerweile war die Konkurrenz enorm. ­Zudem beschränkte sich unser Verkaufs­rayon praktisch nur auf die Schweiz, unser Geschäftsanteil im Ausland betrug magere 10 Prozent.
 
Wie haben Sie darauf reagiert?
Es war klar, dass wir unsere Strategie ändern müssen, wollen wir langfristig überleben. Unsere einzige Chance sahen wir im Kaffeevoll­automatenmarkt. Diesen Markt gab es damals weltweit noch nicht.
 
Rückblickend gesehen, genial ...
Genial tönt ein bisschen überheblich. Wir wurden aufgrund des Geschäftsgangs zum Handeln gezwungen. Dass sich die Kaffeevollautomaten durchsetzen könnten, beruhte lediglich auf einer Annahme. Damit es schlussendlich funktionierte, brauchte es auch den Faktor Glück. Kurz nachdem ich die Geschäftsführung übernommen hatte, stellte mir Oswald Müller den Thurgauer Unternehmer und Erfinder Arthur Eugster vor. Das war der wichtigste Kontakt meines Berufslebens. Eugster hatte in Romanshorn die Familienfirma Eugster/Frismag gegründet, die für andere Firmen Elektrogeräte herstellt. Diese Begegnung führte zum heutigen Geschäftsmodell: Zusammen entwickelten wir die ersten Vollautomaten. Das funktionierte. Heute werden unsere Kaffeemaschinen in Eugsters Fabriken in Romanshorn und Portugal produziert, während wir uns voll auf die Entwicklung, das Marketing und die weltweite Bearbeitung der Märkte konzentrieren. Damit liegen wir im weltweiten Trend: Auch Apple oder Foxconn wenden dieses Prinzip der Arbeitsteilung an. Während früher eine Firma glaubte, alles inhouse herstellen zu müssen, ist es dank Original Equipment Manufacturer (OEM) möglich, die Fabrikation an einen Produktionsspezialisten auszulagern. Heute beschäftigen wir bei Jura siebzig Leute, die für die Innovation zuständig sind. In diesem Frühjahr ist der fünfmillionste Jura-Vollautomat vom Band gerollt.
 
Trotzdem war der Schritt, sich ausschliesslich auf die Vollautomaten zu konzentrieren, revolutionär.
Die Idee wurde aus der Not geboren. Es dauerte auch einige Zeit, bis der Erfolg eintrat. Meine Frau und ich hatten viele schlaflose Nächte. Rückblickend wirkt immer alles schöner und logisch. Aber es gibt auch andere Marken, die ihre Transformation erfolgreich durchgeführt haben. Denken Sie beispielsweise an Audi, deren Image sich in den vergangenen vierzig Jahren vollkommen wandelte. Bei uns ist dieser Prozess längst nicht abgeschlossen. Wenn wir auch zukünftig weltweit immer klarer als starke Premium-Marke wahrgenommen werden wollen, müssen wir weiterhin Gas geben.



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