Herr Klameth, diese Woche startete die globale Kampagne "11 gegen Ebola" (persoenlich.com berichtete). Wie kam es dazu?
Die Fifa-Medizinabteilung lancierte früher bereits zwei Projekte im Präventionsbereich, wo jeweils ebenfalls elf Botschaften vorkamen. Aus aktuellem Anlass entstand die Idee, dass sich die Fifa im globalen Kampf gegen Ebola einbringt und auch in dieser Kampagne mit der Symbolzahl des Fussballs arbeitet.
Wie muss man sich die Zusammenarbeit der drei Institutionen Fifa, WHO und Weltbank vorstellen?
Der Fifa-Chefarzt Jiří Dvořák kontaktierte die WHO, um Informationen über die wichtigsten Verhaltensregeln zu erhalten. Bei einer ersten Anfrage zögerte die WHO noch. Doch als die Fifa mit ihrem internationalen Mediziner-Netzwerk die ersten wichtigen Präventions-Botschaften definierten, entschied die WHO ebenfalls mitzumachen. Viele Leute assoziieren die Fifa vor allem mit Fussball. Doch der Verband betreibt auch sehr viel Forschung im Bereich der Medizin und Gesundheit. Er arbeitet hierzu mit Universitäten zusammen und hat dadurch starke Beziehungen über den Fussball hinaus. Dieses Netzwerk und dasjenige der WHO sind für den Erfolg dieser Kampagne sehr wichtig, denn die Videos und Botschaften müssen ja dorthin gelangen, wo Ebola-Infektionen vorkommen.
Wie konnten Sie die Fussball-Stars überzeugen mitzumachen?
Mein Eindruck ist, dass die Ärzte im Umfeld der Topstars wichtige Bezugspersonen mit einem speziellen Zugang sind. Auch hier profitierte die Fifa vom engen Kontakt zwischen dem Fifa-Chefmedizinier und den Team-Ärzten von Barcelona, Real Madrid, Bayern München und Chelsea.
Wo wurden die Filme realisiert?
Wir luden die Spieler nicht nach Zürich, sondern reisten zu ihnen nach Barcelona, München, London und Madrid. Weil die Krankheit ja möglichst rasch eingedämmt werden muss, sollte alles sehr schnell gehen. Wir trafen die Spieler meist nach dem Training. 10 bis 15 Minuten für die Film- und Fotoaufnahmen mussten reichen. Die gesamte Produktion dauerte fünf Wochen.
Wurden die Spieler dafür bezahlt?
Wir haben den Fussball-Stars keinen Rappen bezahlt. Sie engagieren sich ehrenamtlich und nehmen ihre Rolle als Vorbild wahr.
Inwiefern sind Fussballer sensibel auf das Thema Ebola?
Der Fussball ist ja sehr international. Einerseits sind die Teams zusammengesetzt mit Fussballern aus der ganzen Welt, andererseits finden Partien zwischen Teams aus unterschiedlichen Erdteilen statt. Es kommt also durchaus vor, dass ein Spieler aus Kamerun vor seiner Rückkehr zum FC Barcelona einige Tage in Quarantäne verbringen muss.
In den Filmen setzen Sie auf Erklär-Skizzen. Warum?
Cartoons sind sprachunabhängig und sogar Analphabeten können sie verstehen. Wir haben uns überlegt, dass die Filme auch verständlich sein müssen, wenn sie über Bildschirme flimmern, die am Strassenrand oder in einer lärmigen Bar aufgestellt sind, wo der Ton schlecht hörbar ist.
Sie arbeiteten schon mehrfach für die Fifa. Welche Arbeiten stammen von Klamedia?
Wir haben bereits die visuelle Kommunikation bei "11 for Health" realisiert, ein Präventionsprogramm, das Fussball und Gesundheit verbindet und Jugendliche anspricht. Dabei filmten wir mit Topstars, teilweise den gleichen Spielern wie nun bei "11 against Ebola". Zudem produzierten wir Medizin-Ausbildungsfilme, etwa zu den Themen Doping oder plötzlicher Herztod.
Momentan steht die Fifa zum wiederholten Mal wegen Korruptionsvorwürfen im medialen Scheinwerferlicht, jetzt aufgrund der Veröffentlichung des Eckert-Berichts. Könnte es der Fifa bei ihrer Kampagne gegen Ebola nicht primär darum gehen, das eigene Image reinzuwaschen?
Es ist ein unglücklicher Zufall, dass die Lancierung der Kampagne gleichzeitig stattfindet wie die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts. Das eine hat jedoch mit dem anderen nichts zu tun. Wer hier eine Verbindung sucht, ist einfach gestrickt.
Sie arbeiten trotz teilweise unethischer Vorgehensweisen gerne für die Fifa.
Ich weiss, dass die Fifa nicht unbedingt ein gutes Image hat, doch viele sehr gute und wichtige Engagements der Fifa kennt die Öffentlichkeit auch gar nicht. Ich kann hinter meinem Engagement stehen. Wenn in anderen Bereichen Dinge falsch laufen, dann betrifft mich dies nicht. Ich konzentriere mich auf meine Aufgabe. Wenn man diese Kampagne gegen Ebola und die Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang bringt, ist das gesucht. Für mich ist dies ein sinnvolles Projekt. Wird nur ein einziges Leben gerettet, hat sich unser Engagement mehr als gelohnt.
In Afrika, wo die Kampagne Wirkung zeigen soll, sind vor allem Handys und Radio sehr verbreitet. Inwiefern nutzt die Kampagne diese Medien?
Wir haben deshalb extra auch Radio-Takes aufgenommen. Zudem werden die Clips als Handy-Filme verteilt, damit sie von den Verlagen und Redaktionen über Whatsup verschickt werden können. Zudem werden in den Dörfern Plakate aufgehängt. Auch die elf Fussball-Spieler helfen mit: Sie posten die Videos über ihre eigenen Twitter- und Facebook- Kanäle.
Was ist sonst noch geplant?
Vor den Spielen am Africa Cup of Nations werden die Mannschaften Banner hochhalten mit der Aufschrift "Together, we can beat Ebola", und die Clips werden in den Stadien auf Grossleinwand gezeigt. Auch sind Benefiz-Spiele angedacht.
Interview: Edith Hollenstein, Bild: zVg

