29.08.2011

Matter&Gretener

Daniel Matter zum Jubiläum

Was gegen eine Agenturgründung spricht.
Matter&Gretener: Daniel Matter zum Jubiläum

Daniel Matter feiert dieses Jahr das 20-jährige Bestehen seiner Agentur Matter&Gretener. In der Werbebranche ist er seit 30 Jahren. Wie hat sich der Schweizer Markt in dieser Zeit verändert? Im Gespräch mit persoenlich.com erklärt der Kreative unter anderem, warum die Werbung eine schwierige Liebe ist, weshalb er beim BSW ausgetreten ist und warum er derzeit beim ADC keine Arbeiten einreicht. Das Jubiläums-Interview:

Herr Matter, Sie sind seit 30 Jahren in der Branche. Ist Werbung Ihre grosse Liebe?

Werbung ist eine grosse und schwierige Liebe, die mich aber auch heute noch fasziniert. Der Prozess selber ist interessant. Man trifft Leute, die im Management sitzen und die Unterstützung brauchen. Es geht darum, Lösungen zu finden. Das Schöne an der Werbung ist, dass man die Lösungen auf eine kreative Art und Weise finden kann. Dabei kommt man in Kontakt mit den verschiedensten Bereichen und unterschiedlichsten Charakteren. Es wird einfach nie langweilig.

Was hat sich verändert?

Früher waren es noch die Unternehmer selbst, die einem einen Auftrag erteilten und einfach vertrauten. Heute sind es die Experten und es wird sehr viel mehr hinterfragt. Es gibt inzwischen Marketingausbildungen und daher auch Fachleute. Das hat den Vorteil, dass die Prozesse geplanter und professioneller sind. Es ist aber auch hier wie beim Kochen: Spannendes kommt meist dabei heraus, wenn man der Spontaneität etwas freien Lauf lässt und die Sachen nicht zu Tode kocht.

Ist es heute schwieriger für Agenturen?

Anders. Heute sitzen auf Kundenseite Profis. Oft auch solche, die auch auf Agenturseite gearbeitet haben. Das hat, wie bereits gesagt, Vor- und Nachteile. Viele Aufgaben wurden während den Jahren von den Agenturen zu den Kunden weg delegiert. Das macht aber die Resultate nicht immer besser. Unternehmer konnten noch etwas riskieren. Mitarbeiter im Marketing müssen auf Nummer sicher gehen. Wer will schon etwas falsch machen und danach zur Rechenschaft gezogen werden? Es fehlt halt oft der Mut. Zudem haben wir in der Schweiz einen sehr gesättigten Markt: Es gibt sehr viele Agenturen, darunter viele gute und talentierten Nachwuchs, aber nicht mehr Budgetvolumen.

Würden Sie heute nochmals eine Agentur gründen?

Ich würde es mir vermutlich zweimal überlegen: Wenn ich vor einer Agenturgründung wüsste, was ich heute weiss, würde ich wahrscheinlich etwas anderes machen. Nicht, weil ich meinen Job nicht liebe. Sondern weil es so aufwändig geworden ist, überhaupt an einen Job heranzukommen.

Welcher Beruf hätte Sie denn sonst noch gereizt?

Ich wäre auch gerne Innenarchitekt geworden. Es würde mich herausfordern, Wohnungen, Restaurants und Hotels einzurichten, da mir das liegt und da es spannend ist, aus nichts oder wenig etwas zu erschaffen, das andere geschmacklich verblüfft und überzeugt. Man sagt mir nach, ich habe ein gutes Auge und einen guten Geschmack.

Noch sind Sie der Werbung treu. Ihre Agentur feiert dieses Jahr Ihr 20-Jahr-Jubiläum. Wie geht es der Agentur?

Sehr gut. Wir haben soeben einen erfolgreichen Pitch hinter uns und eine grössere alpine Schweizer Feriendestination als Neukunden gewonnen. Es ist schön zu sehen, dass wir auch nach 20 Jahren noch imstande sind, veritable Konkurrenten mit einer überzeugenden Idee zu schlagen. Das Team funktioniert eben sehr gut und hat Spass an der Zusammenarbeit.

Gratulation. Was beinhaltet das Mandat?

Wir sind mit der gesamten Kommunikation der Destination betraut. Erste Umsetzungen werden schon im Herbst zu sehen sein.

Marcus Gretener ist seit sechs Jahren ihr Partner. Er ist damit derjenige, mit dem sie schon am längsten zusammen arbeiten. Warum funktioniert das Team Matter & Gretener so gut?

Wir sind sehr unterschiedlich und ergänzen uns deshalb auch sehr gut. Marcus Gretener ist eher sachlich, rational, ist ein hervorragender Geschäftsmann und pflegt die Kunden und kümmert sich um ihre Anliegen, wie ich es in 30 Jahren Werbung selten bei jemandem gesehen habe. Ich dagegen bin kein Zahlen-, sondern ein Bauchmensch - spontan, emotional ,intuitiv - und habe ein gutes Gespür für Ideen und ihre Umsetzung. Und ich denke, ich bin kein schlechter Verkäufer.

Was machen die ursprünglichen Mitgründer?

Michel Benker ist selbständig als Unternehmensberater und Coach tätig. Peter Steiner ist Autor und schreibt Bücher. Gerade liegt "Das Wesentliche so nah" auf meinem Nachttisch. Empfehlenswert, gerade für Werber. Michel Girardin ist nach wie vor Creative Director und selbständig. Seine Arbeiten haben immer eine qualitativ hochstehende, eigenständige Handschrift. Ich sehe ihn hin und wieder beim ADC.

ADC ist ein gutes Stichwort. Sie reichen aus Prinzip keine Arbeiten mehr ein beim Wettbewerb. Bleibt das so?

Vorläufig ja. Es gibt genau eine kleine Agentur, nämlich Ruf Lanz, die immer unter den Top 3 ist im Ranking. Das ist ihr Ding und das ist gut so. Sonst sind nur grosse, meistens Netzwerkagenturen in den vordersten Rängen vertreten. Die müssen ihren Kreativen die Möglichkeit zur Profilierung geben und haben Verpflichtungen im Netzwerk und ein dementsprechendes Budget. Dieses Geld geben wir lieber für Anschaffungen in der Agentur aus. Aber wer weiss, vielleicht reichen auch wir mal wieder eine Arbeit ein. Ich finde den ADC prinzipiell eine gute Sache. Die Idee ist ja, die Kunden zu motivieren, gute Sachen zuzulassen, und die Agenturen dazu zu bewegen, sie zu machen.

Aber?

Seit längerem gibt es viele Arbeiten, die nur zwecks Preisgewinn kreiert werden - Attrappen, die nie in der entsprechenden Form umgesetzt werden. Das Niveau ist generell schlechter geworden. Für mich ist klar: Das liegt an den Kunden und ihrem Umfeld und nicht an den Kreativen. Davon haben wir einige sehr gute und einige herausragende.

Beim BSW sind Sie ebenfalls ausgetreten.

Der BSW ist sicher eine gute Sache, aber eher für grössere Agenturen. Wir arbeiten aber nach den Regeln des BSW. Was ich nicht so toll finde, ist, dass bei Pitches immer wieder BSW-Agenturen antreten, die gratis pitchen, obwohl der BSW klare Regelungen hat. Das machen wir bis heute aus Prinzip nicht - auch auf das Risiko hin, dass wir deshalb einen Kunden nicht gewinnen. Es arbeitet auch kein Arzt oder Anwalt gratis. Das ist ganz normal, eine Leistung muss honoriert werden.

Seit zwei Jahren schreibt sich die Agentur "Nudge" auf die Fahne. Setzt sich diese Positionierung im Markt durch?

Ich denke nicht, dass die Kunden zu uns kommen, weil wir die "Nudge"-Agentur sind. Es ist aber eine Mechanik, die wir konsequent einsetzen und die uns hilft, effiziente Resultate zu erzielen. Die Kunden kommen zu uns, weil sie eine kleinere, inhabergeführte Agentur bevorzugen und es schätzen, von Marcus Gretener und mir persönlich betreut zu werden.

Was wünschen Sie sich für die Agentur zum 20. Geburtstag?

Viele Kunden, die uns vertrauen und für die Marcus Gretener, unser Team und ich gute (und damit meine ich effiziente) Werbung machen dürfen.

Interview: Corinne Bauer


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen