12.08.2013

Täschligate

"Der Tweet war zu spontan, unangebracht, wertend und falsch"

Für die Medien ist der Skandal um US-Talkmasterin Oprah Winfrey ein willkommenes Thema zur Überbrückung der sommerlichen Nachrichten-Flaute. Auch Werbe- und Marketingspezialisten wissen "Täschligate" geschickt auszunutzen: Die Zürcher Agentur Jung von Matt/Limmat z.B. kreierte kurzerhand ein aktuelles Sujet für Vögele-Shoes. Währenddessen gesteht Schweiz Tourismus Fehler in der Kommunikation ein: "Die Twittermeldung war zu spontan, unangebracht, wertend und falsch", sagt Mediensprecherin Daniela Bär gegenüber persoenlich.com.
Täschligate: "Der Tweet war zu spontan, unangebracht, wertend und falsch"

Die "Täschligate-Affäre", also der Vorfall in der Zürcher Luxusboutique, gibt noch immer zu Reden: Schweiz Tourismus entschuldigte sich nach Bekanntwerden des Falls via Twitter mit den Worten: "Wir schäumen vor Wut – diese Person handelte völlig falsch. Wir entschuldigen und für das, was Oprah passierte."

Nun macht Schweiz Tourismus einen Rückzieher. Auf Anfrage von persoenlich.com würde der Dachverband für Tourismus in der Schweiz den Tweet nicht nochmals in dieser Form publizieren. Die Twittermeldung sei "zu spontan, unangebracht, wertend und somit falsch" gewesen, erklärt Mediensprecherin Daniela Bär. In einem Tweet vom Sonntag sowie auf entsprechende Frage von persoenlich.com heisst es weiter: "Jeder unzufriedene Gast, der die Schweiz verlässt, ist ein Gast zu viel. Diese Aussage betrifft nicht nur Oprah Winfrey als prominente Persönlichkeit, sondern jeden Gast, der bei der Ombudsstelle, einem touristischen Leistungsträger, bei uns oder via Social-Media-Gefässen eine Reklamation hinterlässt. Insofern bedauern wir grundsätzlich, wenn über das Ferienland Schweiz negativ berichtet wird und bringen dieses Bedauern auch zum Ausdruck."

Werber nutzen die Aufmerksamkeit geschickt aus
Während sich der Tourismusverband um das Image des Alpenlandes sorgt, welches die Affäre "Täschligate" um Oprah Winfrey negativ beeinflussen könnte, werden anderweitig die kreativen Köpfe aus der Werbung aktiv. So zum Beispiel die Agentur Jung von Matt/Limmat, welche Vögele-Shoes als Kunden betreut und sich mit einer Werbeanzeige einen Seitenhieb an den aktuellen Vorfall erlaubt. Auf einer neuen Printanzeige sind verschiedene Taschen aus dem Hause Vögele-Shoes abgebildet über denen der Schriftzug "Unsere Verkäuferinnen zeigen gerne allen alle unsere Taschen. Auch US-Talkshow-Moderatorinnen" prangt. 

Mit dem einmaligen Inserat im SonntagsBlick möchte Vögele-Shoes auf sein grosses Taschensortiment aufmerksam machen.

In Jona macht sich auch ein Bäcker den Skandal zu Nutze: Er bietet derzeit die Tasche in gebackener Form an. Der Preis des Backwaren-Unikats liegt bei 35'000 Franken - wie beim Original - er kann gemäss "20 Minuten" jedoch runtergehandelt werden.

Bild-Zeitung entschuldigt sich für falsches Bild
Nicht nur gewiefte Werber und flinke Geschäftsleute, sondern auch verschiedene Medientitel erlauben sich kleine Scherze mit dem Skandal um Talkmasterin Winfrey: Zu lesen sind Sätze wie "Oprah ging, die Verkäuferin hatte noch alle Taschen im Schrank," (Spiegel.de). Die "Bild-Zeitung" vom Montag entschuldigte sich unter der Rubrik "Sorry des Tages" für einen Missgeschick im Rahmen der Berichterstattung um die Taschen-Affäre. In einem Beitrag vom 10. August war ein Foto zu sehen, auf dem Trois-Pommes-Kundin Elvira Netzer, Ehefrau von Fussballexperte Günther Netzer, abgebildet und fälschlicherweise als Trudie Götz bezeichnet war.

Zudem wird zunehmend Kritik am Gegenstand des Zwists laut. Die entsprechende Tasche sei nicht nur extrem teuer, sondern widerspreche ethischen Kriterien: Laut Spiegel.de war Winfrey 2008 von der internationalen Tierschutzorganisation Peta  zur "Person des Jahres“ gewählt worden. Das neue Werbesujet der Organiastion greift den aktuellen Anlass auf und weist darauf hin, dass Krokodilleder "untragbar" ist.


Neues Werbesujet für die Tierschutzorganisation Peta (Bild: Screenshot Peta)

Einen eigenen Twitteraccount hat ebenfalls die berühmt berüchtigte Tasche (vgl. @OprahsPriceyBag) und mittels Hashtag #täschligate finden sich zahlreiche Diskussionsbeiträge von Twitterern. Dabei geht es weniger um die Rassismus-Debatte, sondern vielmehr um die Tatsache, dass besagte Tasche aus Krokodilleder hergestellt wurde. SRF-Sportmoderatorin Steffi Buchli schreibt z.B., dass man sie bei Trois Pommes ebenfalls rausgeschickt hätte und postet dazu das Foto einer schlichten Baumwolltasche mit der Aufschrift "Cotton is the new Croco".

Text: Lea Friberg

Titelbilder: Keystone & Screenshot Twitter

 



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