Herzliche Gratulation, Herr Bodin. Sie wurden soeben zum neuen ADC-Präsidenten gewählt. Ein bisschen salopp gefragt, warum tun Sie sich dies an?
Drei gute Gründe: Erstens, weil mir die Werbe- und Kommunikationsbranche viel gegeben hat - da darf man auch etwas zurückgeben. Zweitens, weil der ADC Schweiz in einer sich schnell verändernden Branche wichtiger denn je ist. Drittens, weil die Zusammenarbeit im Vorstand Freude bereitet, eine Bereicherung und auch eine Ehre ist.
Wie sieht der zeitliche Aufwand als ADC-Präsident aus?
Auch der Tag eines gut organisierten Miliz-Vorstands hat nur 24 Stunden. Ich lege darum Wert auf klare Prozesse mit professionellen Kompetenz- und Aufgabenverteilungen.
Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte?
Fünf Punkte, basierend auf der Positionierung "Die Vereinigung der führenden Kreativen der Kommunikationswirtschaft": 1. Mitglieder, 2. Jurierung, 3. Ausbildung, 4. Öffentlichkeitsarbeit, 5. Finanzen. Viele Massnahmen leiten sich hiervon ab. Eine grosse Investition sind die Digitalisierung des ADC und nebst der Galerie die Schaffung von digitalen Plattformen, auf denen sich die Kommunikationswirtschaft austauschen kann
Während der letzten Jahre wurde der ADC von den Herren Gut, Jaggy, Ruf und Spillmann präsidiert. Hat sich diese Aufteilung nicht bewährt?
Das Vier-Päpste-System hatte seine Historie und allen gebührt grosser Dank für die grosse Arbeit. Dass sich Markus Ruf nach jahrelanger Vorstandsarbeit in seiner eh schon raren Freizeit auch mal anderen Dingen widmen möchte, ist nachvollziehbar. Markus Gut, Alexander Jaggy und Martin Spillmann bleiben im Vorstand, eine Kontinuität, über die ich sehr froh bin.
Werden Sie den ADC weiter öffnen?
Der ADC Schweiz ist offen für Persönlichkeiten, die auf kreativem Gebiet Herausragendes leisten. Nicht nur für Werber, sondern längst auch für hervorragende Designer, Filmer, Fotografen, Illustratoren, Musiker und Kreative aus dem Digitalbereich. Und da sähen wir schon noch die eine oder andere Persönlichkeit als Bereicherung. Aber: Die Aufnahme in den ADC ist eine Adelung auf Lebenszeit und wird weiterhin nur einer Elite vorbehalten sein.
Sie waren auch während zweier Jahre bsw-Präsident. Wodurch unterscheidet sich dieses Präsidium vom demjenigen des ADC-Präsidenten?
Als Branchenverband hat bsw leading swiss agencies eine andere Funktion und andere Aufgaben. Dass ich kein Blabla-Präsident bin, sondern ein Macher, glaube ich bewiesen zu haben. Dinge intelligent und pragmatisch zum Besseren zu verändern fasziniert mich. Das ist ja auch die Kernaufgabe von Werbung und Kommunikation.
Die Werbeindustrie hatte auch schon einfachere Zeiten als jetzt. Hat dies auch Auswirkungen auf den ADC?
Einerseits haben es die Menschen im digitalen Zeitalter selbst in der Hand, Kommunikation zuzulassen oder wegzufiltern. Andererseits sind Auftraggeber und Agenturen von den neuen Möglichkeiten wie Social Media, Real Time Advertising, Big Data usw. fasziniert und vergessen schnell die Qualität von Ideen und Inhalten. Arbeiten, die beim ADC Schweiz ausgezeichnet werden, gelten zu Recht als Vorbild für die Auftraggeber wie auch für den kreativen Nachwuchs aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Bedeutung des ADC Schweiz nimmt in Zeiten des Wandels zu, weil die Vereinigung der besten Köpfe der Branche geeignet ist, Orientierung zu geben.
Interview: Matthias Ackeret, Bild: Stephan Schacher

