15.06.2014

Cannes Lions 2014

Die Löwen mit der ganz grossen Klappe

"persönlich"-Chefredaktor Matthias Ackeret eröffnet den Lions-Blog.
Cannes Lions 2014: Die Löwen mit der ganz grossen Klappe

Bis jetzt lösten wir unsere Probleme", prangte im vergangenen Jahr in grossen Lettern im Eingangsbereich des Festivalpalastes von Cannes, "jetzt lösen wir diejenigen der Welt". So viel Grössenwahn ist beruhigend.

Das Zitat des englischen Starwerbers Graham Fink zeigt zweierlei: die Branche lebt und – fast noch wichtiger – sie dürstet wieder nach Superlativen. Vorbei die Zeiten des Jammers und des Permanentpessismus. In Cannes zelebriert man diese Woche wieder das, was Werbung auszeichnet: Glamour, Glitzer und auch ein bisschen Selbsttäuschung. Vielleicht ist dies der Grund, warum ich die Cannes Lions liebe. Es gibt keinen perfekteren Ort, um jenes Business zu feiern, das uns – und das meine ich mit der Naivität des Beobachters – im besten Fall eine heile, im allerbesten die perfekte Welt vorgaukelt. In Cannes ist Werbung Ideologie und Religion, darunter geht es nicht. Miesepeter bleiben am besten zu Hause, Realisten auch.

Natürlich hat die Branche Probleme, wir berichten täglich darüber. Natürlich hat die Internetrevolution nicht jenen monetären Run ausgelöst, von dem die Internetpioniere seit 20 Jahren schwafeln. Natürlich ist Obama ein viel schwächerer Präsident, als uns seine preisgekrönte Social-Media-Kampagne wahrmachen wollte. In Cannes jedoch spielt all dies keine Rolle: Während einer Woche inszeniert man an der Croisette eine Welt, die so ist, als wäre die Werbung Realität. Und das ist auch gut so. Ich jedenfalls freue mich auf die diesjährigen Cannes Lions und drücke allen Schweizer Kreativen die Daumen.

Ende der Woche werden wir beruhigend feststellen: Es war ein guter Jahrgang. Obwohl – um bei Graham Fink zu bleiben – die Weltprobleme noch nicht gelöst sind. Aber dafür hat man wieder ein Jahr Zeit.

Matthias Ackeret, Chefredaktor und Geschäftsführer von "persönlich", reist schon seit Jahren nach Cannes. Er verbindet den Aufenthalt stets mit einem Abstecher ins Hotel Eden-Roc in Cap d'Antibes, wo auch sein neuer Roman angesiedelt ist.

Bild: Privatarchiv MA


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