Herr Aebi, was hat Sie bewogen, nach 20 Jahren bei Wirz aufzuhören (persoenlich.com berichtete)?
Mein langjähriger Wunsch, mich endlich stärker auf meine Tenniskarriere zu fokussieren! Aber im Ernst: Ich habe meinen Mitinhaber-Partnern in der Wirz Gruppe schon frühzeitig signalisiert, dass ich nicht bis 65 arbeiten will – die letzten Jahre hatte ich ja schon ein reduziertes Pensum. Nach fast 40 Jahren in der Branche und fast 20 Jahren bei Wirz ist der Zeitpunkt jetzt ideal, um ganz aufzuhören. Die einzelnen Agenturen sind bestens unterwegs und geführt, die Gruppe ist operativ und finanziell erfolgreich. Dazu kommt: Die aktuelle Corona- und Homeoffice-Situation, in der einem ohne Menschen und Kultur vor Ort eigentlich alles fehlt, was das Arbeiten bei Wirz immer ausgezeichnet hat, macht es grad noch einmal leichter.
Sie sind auch ein bedeutender Einzelaktionär von Wirz. Werden Sie auch alle Aktien verkaufen?
Mit mir geht tatsächlich der letzte Mohikaner des Management-Buyouts 2005. Mit den heutigen Mehrheitsaktionären und dem Verwaltungsrat haben wir schon vor Jahren einen etappenweisen Rückzug vereinbart, damit ich am Ende nicht als «Klumpenrisiko» in die Geschichte eingehe. Ein hübsches Aktienpaket werde ich aber auch über meine Pensionierung hinaus behalten, denn für einen Totalverkauf ist die Wirz-Aktie schlicht zu attraktiv.
Sie waren vor 20 Jahren entscheidend verantwortlich, dass es Wirz heute noch gibt. Welche Herausforderungen stellten sich für Sie bei Ihrem Eintritt?
Am Anfang war tatsächlich der Betriebswirtschafter in mir mehr gefragt, als dem Kreativen in mir lieb war. Aber zum Glück ist die Turnaround-Story 2002/03 schon fast vergessen und Wirz seit damals längst wieder die starke Agenturmarke, die als führende Schweizer Kommunikationsgruppe wie keine zweite für unternehmerische Unabhängigkeit und Konstanz steht.
«Für mich war Werbung 40 Jahre lang immer Lust und Leidenschaft, nie einfach nur ein Beruf»
Sie wechselten von Österreich zurück in die Schweiz. Was waren für Sie die grössten Unterschiede zu Österreich?
Das haben Sie mich vermutlich 2002 schon mal gefragt, damals waren meine Erinnerungen an Felix Austria zugegeben noch frischer. Auf die Werbung bezogen waren hierzulande die Branchenkonkurrenz und die Medienvielfalt deutlich grösser – beides gilt übrigens auch heute noch.
Wenn Sie zurückschauen, was sind die grössten Veränderungen in der Werbebranche während der letzten 20 Jahre?
Auf eine einfache Formel gebracht: Durch die Digitalisierung ist die Kommunikation komplexer geworden. Im Gegenzug hat aber auch der Kostendruck zugenommen, was zur Folge hat, dass wir heute mehr arbeiten müssen, um weniger zu verdienen. Klingt dramatisch, macht aber immer noch sehr viel Spass!
Wie steht Wirz heute da?
Wirz ist seit vielen Jahren wieder eine kerngesunde und erfolgreiche Kommunikationsgruppe, die sich nicht zuletzt im Corona-Jahr 2020 hervorragend geschlagen hat. Sie steht also dort, wo ich es mir in den kühnsten Sanierungsträumen vor 19 Jahren nicht schöner hätte vorstellen können.
Ist Ihr Entscheid auch ein Abschied von der Werbung oder haben Sie bereits neue Projekte in petto?
Ich hatte das Privileg, dass für mich Werbung 40 Jahre lang immer Lust und Leidenschaft war und nie einfach nur ein Beruf. Ich kann aber Entwarnung geben: Ich werde das Agenturleben zwar sicher manchmal vermissen, hege aber keinerlei Comeback-Ambitionen. Mein gesammeltes Werbe- und Marketing-Know-how werde ich in Zukunft aber sehr gerne für jene Mandate einsetzen, für die ich mich in den letzten Jahren habe begeistern lassen. Zum Beispiel für die Sporthilfe, wo ich mich als Stiftungsrat engagieren darf, oder die Johanna Spyri-Stiftung, wo es um Leseförderung bei Kindern geht. Und auch beim Grasshopper Club bin ich im Zentralvorstand vor allem als Marketing-Mann gefragt, aktuell gerade bei der Professionalisierung des Frauenfussballs.

