04.11.2018

Edi.18

«Es ist schwierig, den einen Überflieger zu finden»

Bei den klassischen Werbespots hat es in diesem Jahr gleich zwei Sieger gegeben – ein Novum in der Geschichte des Edi. Peter Beck, Präsident des Branchenverbands Swissfilm Association, über kreative Werbung und Schweizer Eigenarten.
Edi.18: «Es ist schwierig, den einen Überflieger zu finden»
«Wir sind hier nicht im Sport, wo ein Hundertstel einer Sekunde genau messbar zeigt, dass der eine schneller war, sondern im kreativen Bereich», sagt Peter Beck, Präsident von Swissfilm Association. (Bild: zVg.)
von Christian Beck

Herr Beck*, 19 Edi sind am Donnerstagabend vergeben worden, darunter siebenmal Gold (persoenlich.com berichtete). Sind Sie zufrieden mit dem Jahrgang 2018?
Wenn ich die Anzahl Einsendungen und die Aussagen der Teilnehmer an der Preisverleihung nehme, ist dies ein sehr guter Jahrgang. In den Jurys war die Meinung geteilt zwischen «sehr gut», «toll» und «normal». Tatsache ist, dass heute fast alle teilnehmenden Filme handwerklich durchaus professionell und gut gemacht sind. Da wird es manchmal schwierig, den einen Überflieger zu finden. Die Preise zeigen aber, dass es diese gibt. Ausgezeichnet wurden durchwegs Filme, die kreativ und unkonventionell daherkommen oder aber dann Werke, die in allen Disziplinen oberstes Niveau zeigten.

Zum ersten Mal gab es in der Kategorie der TV-Commercials gleich zweimal Gold – für den Migros-Wichtel und den Pro-Infirmis-Spot. Wie kam es dazu?
Dies ist eine Auswirkung der Entwicklung im Bereich Werbe- und Auftragsfilm. Heute sind die technischen, inhaltlichen und gestalterischen Möglichkeiten so breit gefächert, sowohl Filmwelten als auch die Formate sind so verschieden, dass es vorkommen kann, dass zwei Filme in unterschiedlicher Machart eben gleich gut bewertet werden müssen. Dem hat die Jury Rechnung getragen.

Welches war Ihr persönlicher Lieblingsspot?
Schwierige Frage. Mir gefallen fast alle Gewinner sehr gut. Ich möchte hier darum nicht einen erwähnen, sondern mehrere: «Büsu 4», weil das wirklich neu, mutig und anders ist, die Serie «Galaxus», weil auch hier neue Wege beschritten werden – und «Pedro», weil das eine wunderbare Story ist und einfach alles stimmt. Aber eigentlich möchte ich auf keinen der Gewinner verzichten.

Auf dem Schlussbild der Verleihung sind viele Sieger zu sehen. Warum küren Sie eigentlich nicht noch einen Master?
Wir zeichnen beim Edi überdurchschnittliche Werke aus. Für mich gibt es nicht «den Einen», der alle anderen überflügelt. Das ist eine sehr amerikanische Auffassung. Wir sind hier auch nicht im Sport, wo ein Hundertstel einer Sekunde genau messbar zeigt, dass der eine schneller war, sondern im kreativen Bereich. Dazu sind die Formate und Ausdrucksformen so verschieden, dass man diese Produktionen unmöglich vergleichen kann. Wir müssten – um beim Sport zu bleiben – Formel 1 mit Fussball oder Schwimmen vergleichen. Es gibt aber dafür in jeder Kategorie Gold, was dann der «Master» der Kategorie bedeutet.

Rückblickend auf die 19. Verleihung: Hat alles wie geplant geklappt – oder gab es auch Pannen?
Die Durchführung des Wettbewerbs und die Realisation der Preisverleihung sind immer eine grosse Herausforderung und Arbeit. Da gibt es unterwegs sicher mal die eine oder andere Problemstellung. Wenn es dann zum Schluss so reibungslos über die Bühne geht wie am Donnerstagabend und das Publikum so zufrieden ist, bin auch ich sehr zufrieden. Oder mit den Worten von Hannibal aus der Serie «Das A-Team»: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

«Die Nachfrage an Tickets ist sehr viel grösser»

Die Veranstaltung war ausgebucht. Neben den 700 Gästen im Saal standen noch welche im Foyer rum. Warum durften die nicht rein?
Im Schiffbau in Zürich ist die Platzzahl durch die Vorgaben der Feuerpolizei strikt auf 700 begrenzt. Die Nachfrage an Tickets ist aber sehr viel grösser. Damit im Falle von zu vielen Gästen niemand nach Hause gehen muss, gibt es eine Übertragung ins Foyer für diejenigen, welche keinen Platz gefunden haben.

Warum vergeben Sie nicht einfach weniger Tickets?
Leider hat es sich heute durchgesetzt, dass bei grossen Anlässen trotz persönlicher Einladung, Anmeldung, Rückfragen et cetera viele Gäste ohne Abmeldung nicht erscheinen, das nennt sich dann die No-Show-Rate. Damit es im Saal keine leeren Plätze gibt und andere, welche kommen würden, nicht abgewiesen werden müssen, überbuchen Veranstalter – ähnlich wie Airlines – den Anlass und hoffen, dass dann schlussendlich die Anwesenden der verfügbaren Platzzahl entsprechen werden.

Nächstes Jahr wird der Edi bereits zum 20 Mal verliehen. Gibt es Neuerungen?
Nach dem Edi ist zwar vor dem Edi, aber es ist noch zu früh, um darüber etwas zu sagen.

Mal ganz ohne falsche Bescheidenheit: Sie sind der grösste Filmförderer der Schweiz. Wie fühlt sich das an?
Da muss ich widersprechen. Die grössten Filmförderer sind das Bundesamt für Kultur, die SRG, die Kantone und Gemeinden und viele regionale und private Stiftungen. Und in noch grösserem Volumen sind es die unzähligen Kunden, welche bei Schweizer Filmproduzenten ihre Auftrags- und Werbefilme herstellen lassen. Und in diesem Bereich sind wir tätig. Was wir von der Swissfilm Association aus tun, ist dem Auftrags- und Werbefilm ein Gesicht geben, das dem tatsächlichen Gewicht in der Branche entspricht.

Und wie gross ist das Gewicht?
Laut einer Studie des Bundesamtes für Statistik BSF sind etwa zwei Drittel des in der Schweiz produzierten Volumens auf den Auftragsfilm zu verbuchen. Der Edi ist hier unser wichtigstes Instrument, mit dem wir den Standort Schweiz fördern wollen und die Auftraggeber motivieren, ihre Aufträge in der Schweiz zu vergeben. Aber wir sind nebst den üblichen Aufgaben eines Verbandes auch in der ganzen Branche gut vernetzt und unterstützen wo wir können – auch den Bereich der Spiel und Dokumentarfilme.

«Das hat einen Einfluss auf die Preise»

In Cannes sind in diesem Jahr Schweizer Produktionen nicht besonders aufgefallen – die Ausbeute war mit fünf Löwen mager. An was liegt es?
Es gibt mehrere Gründe. Es beginnt damit, dass die internationale Konkurrenz einfach zu gross ist. Da in den Jurys in Cannes die Länder berücksichtigt werden, welche am meisten Einsendungen und Preise haben, ist die Schweiz immer seltener in der Filmjury vertreten. Zudem sind immer mehr Länder und Erdteile vertreten, welche eine komplett andere Mentalität haben. Das hat dann einen Einfluss auf die Preise, da im entscheidenden Moment niemand in der Jury allenfalls auftauchende Fragen zu einem Schweizer Thema beantworten und erklären kann.

Und ein weiterer Grund?
Die besten Schweizer Auftrags- und Werbefilme spielen oft mit unserer Eigenart und unseren kleinen und grossen Macken. Das ist nicht immer international verständlich. Interessanterweise sind aber Schweizer Auftragsfilme im deutschsprachigen Raum international durchaus erfolgreich. Beim Europäischen Wirtschaftsfilmpreis und auch bei Cannes Corporate Media & TV Awards, die in Wien juriert werden, haben Schweizer Produktionen schon mehrmals hintereinander den jeweiligen Grandprix gewonnen.



Peter Beck ist Creative Director von Beck & Friends. Er ist seit bald 30 Jahren im Bereich Film, Storytelling und Digital Content Creating tätig. Als Präsident des Branchenverbandes Swissfilm Association engagiert sich der 64-Jährige für das Schweizer Auftragsfilmschaffen, unter anderem mit dem Edi, dem Schweizer Preis für Werbe-, Industrie- und Unternehmensfilme.



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