Der Zürcher Einrichtungsunternehmer Thomas A. Rüegg begann 1947 als 14-Jähriger Plakate zu sammeln. Wenn ihm eine Strassenreklame gefiel, schrieb er die jeweiligen Auftraggeber an - und oft hatte er schon am folgenden Tag das gewünschte Plakat gratis und franko im Briefkasten. Heute befinden sich geschätzte 3500 bis 4000 Exponate in der Sammlung mit den Schwerpunkten Produktwerbung, Tourismus, Politik und Verkehr. Die Sammlung wird seit Thomas A. Rüeggs Tod von seiner Tochter Brigitte Rüegg betreut.
Das Gelbe Haus Flims - ein von Valerio Olgiati umgebautes altes Bauernhaus - zeigt vom 29. Juni bis zum 19. Oktober 2014 eine Auswahl dieser Plakate im Rahmen der Ausstellung "Ferien im Weltformat". Präsentiert werden rund 140 Plakate zum Thema Ferien, die zwischen 1911 und 1967 entworfen wurden.
Die Werke sind zugleich Zeitdokumente, Spiegel einer Gesellschaft sowie Kultur- und Kunstobjekte. Nebst den Plakaten ist auch eine Auswahl von Briefen ausgestellt, welche die Unternehmen Thomas A. Rüegg mit dem Plakat zurückschickten - auch sie sind sehr aufschlussreich.








Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der Schweiz die Tourismusindustrie. Es war die Zeit der grossen Eisenbahnkonstruktionen und des Baus von Palace-Hotels für eine anspruchsvolle Kundschaft. Die einzelnen Transportunternehmen und Ferienorte konkurrenzierten sich mit dem Bewerben ihrer jeweiligen Attraktionen.
Dazu eignete sich das Medium Plakat sehr gut. Berge, Seen und Himmel einerseits, witzige Illustrationen andererseits prägen die Plakate von diversen Transportunternehmen. In beiden Varianten setzten die Reklamegestalter viel Blau ein – es ist die Farbe der Reiselust.
Anfangs des 20. Jahrhunderts änderte sich in der Schweiz die Gestaltung der Tourismusplakate. Namhafte Künstler begannen sich für das Medium zu interessieren. Sie änderten Darstellung und Komposition des Tourismusplakats auf eine Art und Weise, die noch heute Gültigkeit hat. Anstatt vieler kleiner Abbildungen, die um ein zentrales Bild angeordnet waren, malten die Künstler nur noch eine Landschaft, die sie dafür verklärten. (pd)


