17.11.2020

Offener Brief

Frank Bodin begründet seine BAG-Kritik

«Euer Spot ist nur Information, die schulmeisterlich in Münder gelegt wird, emotionsfrei, kalt, unkreativ. Bevormundung ist das dominierende Gefühl», schreibt der Präsident des Art Directors Club Switzerland an die Adresse von David Schärer von Rod.
von Edith Hollenstein

Wirr, abgedroschen oder zu wenig alarmierend: Die Kommunikation des Bundes und des Bundesamts für Gesundheit BAG steht nun, anders als zu Beginn der Pandemie im Frühling, vermehrt in der Kritik. Wäre ein neuer «Mr. Corona» sinnvoll? Ist der Ton allenfalls zu zögerlich? David Schärer, Mitgründer der vom BAG mandatierten Agentur Rod, nahm letzte Woche in einem ausführlichen persoenlich.com-Interview zu diversen Kritikpunkten Stellung und erklärte die Hintergründe seiner Kampagne.

BAG-Spot sei «emotionsfrei, kalt, unkreativ»

Im Zuge dessen antwortete er auf das Urteil von Frank Bodin. Der ADC-Präsident hatte zuvor getwittert, der neue Spot «Der Bundesrat sind wir alle» zeuge von «kompletter Strategielosigkeit in der Kommunikation». Woraufhin Schärer im Interview sagte, er könne auf Bodins Kritik keine Stellung nehmen, denn der Punkt der «Strategielosigkeit» sei ein «Totschlagargument».

Das will Bodin nicht auf sich sitzen lassen. Er erklärt sich in einem offenen, auf persoenlich.com/blog veröffentlichten Brief:

«Lieber David (…) Gute Kommunikation ist Information plus Emotion: Kopf und Herz. Euer Spot ist nur Information, die schulmeisterlich in Münder gelegt wird, emotionsfrei, kalt, unkreativ. Bevormundung ist das dominierende Gefühl, das Gegenteil von Selbstverantwortung und Gemeinsinn.»

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Schärer begrüsst «Qualitätsdebatte»

Als Beispiel für ein besseres Werk führt Bodin, der früher mehrfach erfolgreiche Kampagnen fürs BAG kreiert und umgesetzt hatte, die provokativen Spots der deutschen Bundesregierung an, die am Wochenende für viel Wirbel gesorgt hatten. Diesen Spots aus Deutschland würde eine Strategie zugrunde liegen, die zu frischen, überraschenden Ergebnissen führe, so Bodin.

David Schärer von Rod will sich am Dienstag nicht im Detail äussern. Er schreibt auf Anfrage: «Ich schätze Franks Kritikform dieses offenen Briefs, darüber kann man tatsächlich streiten. Die Debatte bringt die Qualität voran, und nicht apodiktische Urteile.»


 



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Kommentare

  • Rudolf Bolli, 18.11.2020 10:53 Uhr
    Ich bin nicht von der Branche, bloss Adressat solcher Werbung. Gestern nach der Tagesschau meine Gedanken: "Was ist mit dem Berset? Nochmals Tagesschau? Ach nein, Werbung. Was sollen die Leute? Interessante Umgebung. Also ja, das wissen wir doch." Und dann kommt immer noch nicht die nächste Sendung, sondern der Kinderkitsch mit dem niedlichen Monster.
  • Roland Maeder, 18.11.2020 10:23 Uhr
    Eine emotionsfreie, verschwatzte Kampagne gehört kritisiert. Richtig Bodin. Denn: Was das Gefühl nicht anspricht, kommt beim Verstand nicht an.
  • Karl Wild, 18.11.2020 09:17 Uhr
    Eine Kampagne kann man gut finden oder nicht. Wenn aber ein Vorgänger ungefragt öffentlich und mit erhobenem Zeigefinger auf seinen Nachfolger losgeht, ist das ebenso peinlich wie entlarvend.
  • Nicola Zoller, 18.11.2020 07:38 Uhr
    Stimmt, Kollegenschelte ist vielleicht nicht ideal - aber, wenn er Recht hat, hat er Recht. Die Spots aus Deutschland sind um einiges besser und machen sogar Gänsehaut.
  • Toni Conte, 18.11.2020 07:36 Uhr
    Spricht da der Neid, weil man das Mandat selber nicht an Land gezogen hat?
  • Peter Martin, 18.11.2020 07:01 Uhr
    Bodin will sich offensichtlich ins Spiel bringen, PR für sich selber machen. Eine Pandemie-Kampagne soll nüchtern und sachlich aufklären und informieren, keine Werbung mit irgendwelchen emotionalen Fürzen sein.
  • Dieter Widmer, 18.11.2020 06:08 Uhr
    Schärer und Bodin sollen doch ihre Meinungsdifferenz unter sich austragen. Kollegenschelte finde ich eigenartig, Und skuril ist die Diskussion hier ohnehin, weil der Gründer einer Agentur seinen Nachfolgern auf die Finger haut. Wo bleibt da der Stil?
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