11.03.2016

Präsidentenumfrage

Happy Birthday, ADC!

Der ADC feiert seinen vierzigsten Geburtstag und wird langsam erwachsen. «persönlich» möchte sich den Gratulanten anschliessen und stellt sich die Frage, was für die wahren Direktoren des Art Directors Club das prägendste
 ADC-Erlebnis ist und war. Wir haben in der Vergangenheit gestöbert.
Präsidentenumfrage: Happy Birthday, ADC!

Frank Bodin, Präsident ADC Switzerland

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Mein prägendstes ADC-Erlebnis ist nicht die erste Auszeichnung, ist nicht der erste Gold-Würfel. Auch nicht die Ablehnung meiner ersten Bewerbung und nicht der Sturm im Schnapsgläsli, als ich öffentlich qualitative Kriterien bei der Jurierung forderte.

Es war 1991, als ich noch Student und Musiker war. Werbung beachtete ich damals nicht. Hingegen beachtete ich eine junge Werbeassistentin, die in der damals besten Agentur arbeitete – Aebi und Partner an der Gemsenstrasse – und die mich zu einer ADC-Preisverleihung mitschleppte.

Ein schönes Fest. Ausgelassene Stimmung. Lustige Werbung. Am beeindruckendsten war allerdings ein Mann, der eine Rede hielt. Bescheiden sein Auftreten. Wie sein Anzug sass auch sein Text: schlicht und perfekt zugeschnitten. Das war der Moment, in dem ich mich zumindest für die Macher von Werbung zu interessieren begann. Der Redner war der damalige ADC-Präsident, Martin Suter.

Dass ich sein Amt als Präsident viele Jahre später fortführen dürfte, war für mich damals undenkbar. Entsprechend dankbar bin ich heute, die Fortsetzung dieser Geschichte mitschreiben zu dürfen. Aus Martins Feder entsprang der Satz «Der ADC verbessert die Werbung, in dem er sie juriert.» Ein Bestseller bis heute. Danke.

Alexander Jaggy, Executive Creative Director und Teilhaber Jung von Matt/Limmat

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Unvergessen bleibt John Hegartys Auftritt an der ADC-Veranstaltung vom 10. März 2010 im Kunsthaus Zürich. Als ich auf der Bühne seine Laudatio verlas, war ich so klein, dass mich die Schnürsenkel unter den Achseln kitzelten. In guter Erinnerung wird mir auch der Abend davor bleiben, als wir bei den Conrads zum Dinner eingeladen waren.

An der langen Tafel sass die internationale TBWA-Grün- der-Crew mit Uli Wiesendanger, Michael Conrad, John Hegarty und Theophil Butz sowie weitere Gäste. Wir tranken Hegartys Black Knight No. 2, und ich konnte mein Glück kaum fassen. Am Ende des Abends fuhr ich Uli Wiesendanger und seine Frau zurück ins Hotel. Wir quetschten uns in meinen Mini – vorne die Jaggys, hinten die Wiesendangers. Es war die lustigste Fahrt meines Lebens.

Walter Bosch, ehemaliger Werber, Chefredaktor und Werber des Jahres

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Was bleibt von den zwei Jahren als Präsident des ADC? Dass ich mich schon bei der Antrittsrede lächerlich gemacht habe, weil ich den Frauenanteil erhöhen wollte. Damals waren es zwei von 104. Dass wir in einem Anfall von Gigantomanie eine ADC-Ausstellung in der ABB-Halle durchgewürgt haben, mit knapp 10’000 unschuldigen Besuchern. Dass während meiner Amtszeit und nachher die vorher reich beschenkte und mittlerweile wegglobalisierte Agentur Bosch & Butz kein einziges Goldwürfelchen mehr bekam.

Woran soll ich mich erinnern? An die Hybris, die Hoffart, die Häme? Das wäre zu billig. Lieber denke ich an jene, die sich ernsthaft bemüht haben, die Werbung zu verbessern. An jene, die sich auch über die Kreativität der Konkurrenten freuen konnten. An jene, die beim Bier ganz plötzlich zu Menschenwesen mutierten. An jene, die dafür sorgten, dass der ADC auf dem Boden blieb. Ist er heute noch dort? Ich kann es nicht beurteilen, aber hoffe es doch sehr.

Markus Gut, Chief Creative Officer Y & R Group Switzerland

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Im letzten Jahr war ganz sicher das ADC-Vorstands-Weihnachtsessen in der Küche von Franzoli das prägendste Ereignis. Wieso dem so ist? Werfen wir einen kurzen Blick auf die Menükarte: Gebackene Kalbszunge mit Hirse und Sauce gribiche In Randen gebeizter irischer Biolachs Gillardeau-Auster in blauem Maismehl mit Chilidip Unagi mit Soja, Chili und Frühlingslauch

Ceviche vom Tuna mit Borretsch und Yuzu, kanadische Jakobsmuschel mit Selleriepüree und Coffee-Rub Consommé double mit Enokipilzen und Lauch, 
feiner Kartoffelschnee mit Bottarga di Caviale Calvisius, gebratene Wachtelbrust mit Five Spice auf sautiertem Spinat. 
Dann gab es noch vier weitere Gänge ... glaub, wir hatten noch Siedfleisch vom Biorind mit Wurzelgemüse und Meerrettich Wolfsbarsch auf sautiertem Grünkohl. 
Entrecôte Teriyaki mit Pak Choy
Vermicelle mit bunter Meringue mit Doppelrahm
Orangenglace auf Amaranth-Crumble, 
semifreddo-Tarte von Stracciatella.


Und natürlich zu jedem Gang der passende Wein. Daran kann ich mich aber definitiv nicht mehr erinnern! Herzlichen Dank, Oli, Franz und Tom. Es war traumhaft. 

Remy Fabrikant, Vizepräsident ADC und Agenturbesitzer

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1995, kaum hatten Andy Hostettler, John Schmid und ich unsere Agentur gegründet, kürte uns der Econ-Verlag zu den Newcomern des Jahres. Keine Überraschung, dass mich der ADC mit der Gestaltung des Jahrbuches 1996 betraute. Ich wollte dem ADC etwas Relevantes schenken, etwas Nachhaltiges. Eine Statistik, ein Buch, bei dem alles gemessen und vermessen wurde, was messbar war. Zur Erhebung der wirklich relevanten Fakten verschickte ich den ADC- Mitgliedern einen Fragebogen, dessen Rücklauf mit 43 Prozent die Anforderungen der statistischen Signifikanz bereits spielend schaffte. Am Inhalt hatten nicht nur die Statistiker ihre Freude. Jeder zwanzigste Werber musste demnach mit einem Einkommen unter 100’000 darben, 41 Prozent schafften 100’000 bis 200’000 pro Jahr an, ein Viertel scheffelte zwischen 200’000 und einer halben Million, und zwei Prozent verdienten über eine halbe Million pro Jahr.

Obschon anonymisiert, war allen klar, welches die Spitzenverdiener waren. Dies sorgte für gehörig rote Köpfe – und ich hatte Blut gerochen und begann, Charts um Charts zu produzieren. Dummerweise war darunter eine Rangliste der Werber mit den meisten Auszeichnungen. Damit demontierte ich ungewollt das Image einiger Leute, die sich damals für die kreativsten Köpfe hielten. Ich hatte mit ein paar Zahlenreihen die 55 Prozent nikotin-, 43 Prozent alkohol- und 36 Prozent sexsüchtigen Werber in helle Aufruhr versetzt.

Endgültig zur Weissglut brachte ich die Diven der Branche mit meiner Rangliste der Preisträger in der offenen Kategorie. Da tauchte auf dem dritten Platz nicht etwa ein berühmter Agenturinhaber auf, sondern die fast unbekannte Barbara Egli, eine Art-Buyerin! Ein Skandal! Sie hatte mehr Preise gewonnen als der gesamte damalige ADC-Vorstand zusammen – ja klar, Reini, dich ausgenommen. Die Wirtschaftspresse druckte die Statistiken genüsslich ab, das Amt für Statistik nahm das Buch als «relevanten Beitrag» in seine Sammlung auf, und ich erlebte meinen persönlichen Shitstorm. Da konnte auch ein Viktor Giacobbo, der das Buch präsentierte, nicht mehr helfen. Statt Ritterschlag der Liebesentzug!

Andreas Prokesch, fünf Jahre ADC-Präsident, sechzehn Jahre Jurypräsident

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Das prägendste Erlebnis war für mich – Jahr für Jahr – die Jurierung. Und prägend für deren Qualität waren die Juroren und später auch Jurorinnen. Solche, die sich interessiert eine Arbeit zu Gemüte füh ten – unbesehen von der Rückseite mit den Einsenderangaben. Solche, die sich erst recht für eine Arbeit interessierten, wenn sie nicht innerhalb von Sekunden zu verstehen war.

Solche, die in den Aus- stand gingen, ohne dass man sie regelrecht dazu zwingen musste. Solche, die ihre eigenen Arbeiten sprechen liessen – ohne ein Plädoyer für sie zu halten. Solche, die sich über Gold und Silber und Bronze anderer freuten, als ob sie es selber gewonnen hätten.

Ja, und dann gab es natürlich auch andere. Aber warum soll ich sie speziell erwähnen, wenn sie für die Jury – und mich – nicht prägend waren?

Jean Etienne Aebi, Werbelegende, Präsident 1997 – 2001 und 2006 – 2009

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Es war nicht die 25-Jahr-Jubiläumsgala des ADC 2001, an der ich als Präsident die peinlichste Rede meines Lebens hielt, der Stapi Sepp Estermann dafür eine brillant parodistische (in Anspielung auf den statuarischen Satz «Der ADC verbessert die Werbung, indem es ihn gibt»: Der Stadtrat verbessert die Stadt, indem es ihn gibt ;-).

Es war nicht die Einsicht, dass sich trotz extrem erfolgreicher Umsetzung der völlig neuen Öffnungsstrategie (unter dem Titel: Sollen nur wir oder auch andere uns gut finden?), mit der ich 2006 nochmals das Präsidium übernahm, ein Grossteil der ADC-Mitglieder halt doch nur für ihr Ranking im Medaillenspiegel interessierte.

Es waren nicht die grossen, entscheidenden Momente, die am prägendsten waren, nein. Es waren die kleineren, umso erfreulicheren Nebenschau- plätze. Das Urgestein Niklaus Meienberg, das mit seiner Adventsansprache 1988 uns und unsere Werke gigantisch auf die Schippe nahm (O-Ton: Aebi & Schnäbi, die im Toni-Jogi-Glesli, sagen, der «Tagi» bringts, was auch nur die Kohle meinen kann, die sie dafür bekommen), zum Grölen!

Der einmalige Festauftritt der ADC-All-Star-Band unter ihrem Leader Ernstli Wirz. Die drei Jungmitglieder, die nach meinem Rücktritt 2009 mit der Forderung auf- kreuzten, ich hätte unbedingt wieder zu jurieren, meine Erfahrung einzubringen. Gewonnene Awards verlieren ihre Bedeutung, gelungene Charaktere sind von bleibendem Wert.

Theophil Butz, Werbelegende, Mitgründer des ADC

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Neben der konspirativen Gründungsversammlung im ersten Stock der Kronenhalle und unzähligem kreativem Blödsinn wie die Buchstabensuppe am Fest aus nur A, D und C erinnere ich mich noch genau an ein wichtiges und wegweisendes Ereignis. Mit den Mitglieder- und Jurybeiträgen hatte der ADC-Verein immer genügend Geld in der Kasse. Hampi Roderer selig hat das Fest ... mit viel Glanz und Gloria noch mehr, rums, da war die Kasse leer. Krise, Krise.

«Nächstes Jahr gibts nur noch Wurst und Brot», forderten einige Stimmen im Vorstand. Peter Höltschi selig und ich entwickelten eine sogenannte Vorwärtsstrategie und erfanden die erste Festzeitung. Der «Tagesanzeiger» unterstützte uns als Partner und war die Gestaltungsvorlage. Wir akquirierten Inserate, die auf Wunsch vom ADC, ohne Mitspracherecht, gestaltet wurden. Jeder Drucker, jeder Schriftsetzer, Reprobuden, Medien und alle, die wir genötigt hatten, mussten inserieren. Ich glaube, dass wir mehr als eine viertel Million eingenommen haben. Somit war das ADC-Schiff wieder flott und Wurst und Brot vergessen.

Noch eine Episode: Ich fragte Nico an, den damaligen Felix Schaad, für die Titelseite eine ADC-Karikatur zu erfinden. Dieser weigerte sich, für Werber zu zeichnen. René Fehr zeichnete einen perfekten Nico für die Frontpage. Schon vierzig Jahre ADC. Es war eine tolle Zeit.

Martin Spillmann, langjähriger CD von Spillmann/Felser/Leo Burnett

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Vierzig Jahre ADC. Vor 38 Jahren gewann ich meine erste Auszeichnung (danke, Ernst Wirz). 1988 wurde ich Mitglied des ADC (danke, Hansjörg Zürcher) und 1998 Delegierter im Vorstand des ADC*E, Art Director Club of Europe (danke, Jean Etienne Aebi). Im Jahre 2000 wurde ich zu dessen Präsidenten gewählt (danke, Johannes Newerkla, respektive allen vom ADC*E, welche über die Jahre zu guten Freunden wurden).

Von 2009 bis 2013 war ich Teil des Präsidiums des ADC Schweiz (danke, Alex Jaggy, Markus Gut und Markus Ruf, für eine nicht immer, aber oft sehr lustige Zeit). Für mich gibt es nicht das eine prägende Erlebnis, sondern ganz viele kleine, die mich über die vielen Jahre auch etwas prägten. Dafür möchte ich mich bei allen Kolleg(inn)en bedanken! Auch beim jetzigen Präsidenten und der Geschäftsführerin, die einen bemerkenswerten Job machen (danke, Frank Bodin, danke, Gioia Bozzato).

Urs Eberhardt, ehemaliger Agenturchef und Autorennfahrer

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1979 wollte mich der ADC nicht einmal als Mitglied. «Zu jung, zu viel Monatslohn!» (22 Jahre und 15’000. Das typische Mitglied war doppelt so alt und verdiente die Hälfte.) 1986 wollte mich der ADC dafür grad als Präsident. (Der Club war bankrott und ich erleuchteter Sohn eines Buchhalters.) 1990 war der ADC saniert, und ich brachte als Juror aus Cannes endlich wieder Löwen heim.

Neben betriebswirtschaftlichen Erfolgen erinnern ältere Semester die Jurierung mit nur einer einzigen Goldmedaille (Skandal! Qualität!). Die Ansprache meines Kumpels Niklaus Meienberg (Skandal! Qualität!). Oder meine Forderung, die Hälfte der ADC-Mitglieder solle austreten (Skandal! Qualität!). Das fanden dann zu wenige witzig. An jener GV wurde ich vom erbitterten Vorstandskollegen Martin Suter hinterrücks weggeputscht. (Wie man aber heute weiss, mussten wir beide die Werbebranche verlassen. Ich fand mein neues Glück in Politik, Liebe und Autorennsport.)

Die vollständige Umfrage mit einem Beitrag von Markus Ruf gibt es in der aktuellen Ausgabe des «persönlich» zu lesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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