10.02.2014

Immer wieder geht die Sonne auf

Für Werber scheint immer die Sonne. Je trüber die Realität, desto leuchtender die Inszenierung. So auch am Samstag vor einer Woche bei der ADC-Gala, dem glamourösen Jahrestreff der Kreativbranche. Eine grossartige Veranstaltung: 600 Gäste in der Zürcher Maaghalle, alle bestens gelaunt – und zur grossen Überraschung im werbeuntypischen Look: viele in Schale und Fliege oder zumindest mit Krawatte. Der schwarze Pullover – einst symbolgeladener Look jedes Kreativen – scheint ausgedient zu haben. Und noch eine weitere Premiere: Erstmals wurden sieben Goldwürfel für die besten Kampagnen verteilt. Soviel Hoffnung machen sich die Schweizer nicht einmal in Sotschi. Was niemand laut sagt: Die Werbebranche leidet. Der Werbekuchen von rund 4,8 Milliarden Franken stagniert seit drei Jahren, doch der Verteilkampf wird härter. Besonders augenfällig: Die Zeitungen haben immer weniger Inserate. Was das Internet werbemässig überhaupt nicht wettmachen kann. Doch dies dämpft die Laune der Kreativen überhaupt nicht. Zumindest gegen aussen. Dies im Gegensatz zu den Verlegern, die schon zu jenen schönen Zeiten, als ihre Welt noch in Ordnung war, klönten. Symptomatisch: Das legendäre ADC-Buch, die Periodika der erfolgreichsten Schweizer Kreativen, erscheint neu nur noch in digitaler Form. Ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Der Entscheid fiel praktisch oppositionslos. Einsamer Rufer in der Wüste: Altstar Reinhold Weber, zweifacher "Werber des Jahres" und Erfinder der legendären Smart-Kampagne. Jede andere Branche würde soviel Aufsässigkeit bestrafen. Anders die Werber.  Sie wählten Reinhold Weber in ihre "Hall of Fame".

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